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Ausgabe 92, 18. März 2010

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Integrationspolitik macht einen Unterschied
Der politisch-rechtliche Status von Migranten beeinflusst die Bildungschancen - der deutsche Pass etwa hat den Aussiedlern die Integration erleichtert

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"Man kann bei den älteren Migranten von einer 'verlorenen Generation' sprechen"
Interview mit Dr. Yalcin Yildiz

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Qualifizierte Altenpfleger gesucht - der Handlungsbedarf steigt
Ein Leitfaden für Unternehmen, die sich personalpolitisch auf den demografischen Wandel einstellen wollen

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Integrationspolitik macht einen Unterschied
Der politisch-rechtliche Status von Migranten beeinflusst die Bildungschancen - der deutsche Pass etwa hat den Aussiedlern die Integration erleichtert

Flüchtlinge bilden unter den Migranten in Deutschland eine besonders benachteiligte Gruppe. Aussiedlern hingegen hat die deutsche Staatsbürgerschaft den Zugang zu Fördermaßnahmen ermöglicht, die zu erheblichen Bildungserfolgen geführt haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Damit bestätigt das WZB, was das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bereits in der Studie "Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland" auf der Basis der Mikrozensus-Daten von 2005 festgestellt hat: Alle Migranten kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Land. Darüber hinaus weichen die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen sowie die Perspektiven, die sich ihnen hierzulande auftun, je nach Herkunftsland voneinander ab. Fördermaßnahmen sollten deshalb auf die individuellen Schwächen und Stärken der Migrantinnen und Migranten abgestimmt werden - vor allem in der Bildung. Ohne eine solche Integrationspolitik bleiben die Potenziale der Zuwanderer ungenutzt.

Janina Söhn vom WZB unterscheidet in ihrer Auswertung der Mikrozensus-Daten von 2005 die Menschen mit Migrationshintergrund nicht nach Herkunftsland, sondern stellt die Aussiedler als Gruppe allen übrigen Migranten gegenüber. Aussiedler erhalten direkt nach der Einwanderung die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Vergleich zeigt, dass Kinder von Aussiedlern häufiger als Kinder von Zuwanderern ohne deutschen Pass die Schule mit der mittleren Reife abschließen. Die Auswertung der Mikrozensus-Daten von 2005 durch das Berlin-Institut zeigte zudem das höhere Bildungsstreben der Aussiedler beziehungsweise ihrer in Deutschland geborenen Kinder: Der Anteil der Oberstufenschülerinnen und -schüler sowie derjenigen mit akademischem Abschluss liegt sogar über dem Wert der Einheimischen. Jugendliche aus Aussiedlerfamilien sind seltener erwerbslos und auch seltener von öffentlichen Leistungen abhängig als Einheimische.

Erhebliche Erfolge in der zweiten Generation

Die Aussiedler sind eine sehr integrationsfreudige Herkunftsgruppe. Die in Deutschland Geborenen schneiden bei vielen Indikatoren deutlich besser ab als die direkt Zugewanderten und weisen sogar bessere Werte auf als die Einheimischen. Bemerkenswert ist der Rückgang bei der Jugenderwerbslosigkeit, die sich von der ersten auf die zweite Generation fast halbiert hat (Datengrundlage: Mikrozensus 2005, SUF, eigene Berechnungen).

Janina Söhn nennt drei Gründe für den Bildungserfolg der Aussiedler: erstens den relativen Bildungsvorsprung der Aussiedler. Diese kamen vornehmlich aus den ehemals sozialistischen, osteuropäischen Staaten, die relativ gute Bildungssysteme hatten. Demnach brachten die Aussiedler bereits eine gute Ausbildung mit.

Zweitens konnten zumindest einige der Aussiedler bereits Deutsch, als sie hier eintrafen. Von diesem Wissensvorsprung gegenüber anderen Migranten profitierten sie auch in der Schule, zumal die Eltern ihre Kinder in der schulischen Laufbahn durch ihre eigenen Sprachkenntnisse unterstützen konnten. Die Eltern anderer Migranten scheiterten oft an der sprachlichen Hürde. Um die Bildungschancen aller Migrantenkinder zu erhöhen, empfiehlt Janina Söhn neben schulischen Integrationsmaßnahmen für die Minderjährigen deshalb eine unterstützende Integrationspolitik für Erwachsene.

Drittens bot der deutsche Pass den Aussiedlern Vorteile. Sie hatten zum einen Anspruch auf besondere Fördermaßnahmen, zu denen andere Migranten keinen Zugang hatten. Am außerschulischen Nachhilfeunterricht und an Deutschkursen durften beispielsweise nur Aussiedler teilnehmen. Zum anderen bot die formale Gleichstellung mit den einheimischen Deutschen Planungssicherheit: Als deutsche Staatsangehörige konnten sie alle Rechte wahrnehmen und waren motiviert, im Land Fuß zu fassen. Diese Lebensplanung ist für andere Migranten oftmals nahezu unmöglich. Insbesondere Flüchtlinge und Asylsuchende leben in einer permanenten Unsicherheit, ob sie überhaupt bleiben können, erhalten nur geringe finanzielle Unterstützung vom Staat und haben zum Teil gar keinen, zum Teil nur einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die Daten des Mikrozensus von 2005 legen der Studie des Berlin-Instituts zufolge einen Zusammenhang zwischen Integration und deutscher Staatsbürgerschaft von Menschen mit Migrationshintergrund nahe. Der deutsche Pass kann Bildung nicht ersetzen, aber dass er als Symbol gesellschaftlicher Anerkennung und Zugehörigkeit motivierend wirken kann, ist unbestreitbar. Zumindest deuten die Erfolge der eingebürgerten türkischstämmigen Migranten darauf hin.

Einbürgerung als Integrationsmotor

32 Prozent aller türkischstämmigen Migranten besitzen einen deutschen Pass. Die deutsche Staatsbürgerschaft scheint sich in dieser Herkunftsgruppe positiv auf die Integration auszuwirken: Bei einigen Indikatoren schneiden eingebürgerte oder als Deutsche geborene türkischstämmige Migranten sogar doppelt so gut ab wie solche mit türkischem Pass (Datengrundlage: Mikrozensus 2005, SUF, eigene Berechnungen).

Literatur / Links

Fuchs, Mareike / Sixt, Michaela (2008): Die Bildungschancen von Aussiedlerkindern, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. Berlin.

Karsch, Margret: "Der Wille, sich zu integrieren, muss da sein". Interview mit Nelli Stanko, ehemalige Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Aussiedler in Berlin-Marienfelde. In: Demos 66, 02. März 2009.

Söhn, Janina (2009): Nicht alle sind gleich. Der Rechtsstatus beeinflusst Bildungschancen von Migranten. In: WZB-Mitteilungen, Heft 126, S. 14-17, Dezember 2009. Berlin.

Statistisches Bundesamt (2006): Mikrozensus 2005. Grundfile (GF). Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2009): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus 2005. Fachserie 1, Reihe 2.2. Wiesbaden.

Woellert, Franziska / Kröhnert, Steffen / Sippel, Lilli / Klingholz, Reiner (2009): Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland. Hgg. vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Berlin.

 

   
     
 

"Man kann bei den älteren Migranten von einer 'verlorenen Generation' sprechen"
Interview mit Dr. Yalcin Yildiz

Yalcin Yildiz (geb. 1973) studierte Sozialpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nachdem er mehrere Jahre als pädagogischer Leiter, Familienhelfer und Einzelbetreuer in der Sozialen Arbeit tätig war, arbeitet er zurzeit freiberuflich vor allem im Bereich Migrationssozialberatung. In seiner Doktorarbeit untersucht er Altern und Generationsbeziehungen im Migrationskontext.

In Deutschland sind etwa 3,5 Prozent der Migranten türkischer Abstammung älter als 65 Jahre. Das sind knapp 100.000 Menschen. Wie lässt sich deren Lebenssituation beschreiben?

Bisher wissen wir relativ wenig darüber, wie ältere Türkinnen und Türken leben und altern. Doch dadurch, dass die Hilfsbedürftigkeit dieser Gruppe steigt und ihre institutionelle Versorgungslage zunehmend als unzureichend erkannt wird, ist in den letzten Jahren ein wachsendes Interesse an ihrem Lebensstil zu verzeichnen. Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Worin genau unterscheiden sich die Angehörigen dieser Gruppe voneinander?

Die Senioren aus der Türkei kommen ursprünglich sowohl aus Großstädten wie auch aus dem ländlichen Raum. Unter den türkischen Migranten befinden sich auch viele kurdische, lazische und arabische Menschen mit eigenen kulturellen Prägungen. Wenn man von einem generellen Einreisealter zwischen 20 und 40 Jahren ausgeht, liegt das heutige Alter der türkischen Pioniermigranten zwischen 57 und 89 Jahren. Die Bezeichnung "alte Migrantinnen und Migranten" kann der inneren Heterogenität der Gruppe also nicht genügen.

Dennoch werden sie oft als Gruppe betrachtet - was ist den älteren Menschen mit Migrationshintergrund denn gemeinsam?

Sie alle wollten nur für eine kurze Zeit in Deutschland arbeiten, mit dem ersparten Geld in die Heimat zurückkehren und dort eine eigene Existenz aufbauen. Es kam aber oft ganz anders. Die erste Generation lebt auch nach Jahrzehnten in Subkulturen zwischen Tradition und Moderne, Rückkehr und Integration, zu deren Herausbildung sie auch selbst beigetragen haben. Man kann bei den älteren Migrantinnen und Migranten heute von einer "verlorenen Generation" sprechen.

Was meinen Sie mit "verlorene Generation"?

Ältere Menschen mit Migrationshintergrund bilden deshalb eine "verlorene Generation", weil die meisten von ihnen nach Jahren der Migration ihre Heimat, ihre Jugend, ihre Gesundheit und oftmals auch ihre Kinder verloren haben. Rückkehrprobleme, Altersarmut, Krankheiten und soziale Isolation durch sich lösende Familienbeziehungen führen zu einer vorwiegend negativen Migrations- und Lebensbilanz. Da die deutsche Politik und Gesellschaft fest mit einer Rückkehr der einstigen Gastarbeiter gerechnet haben, wurden diese Probleme weder wissenschaftlich untersucht noch in der Praxis angegangen.

Welche Lösungen sehen Sie für diese Probleme?

Ältere Migranten sind mit ihren Integrationsleistungen lebendige Beispiele für die multikulturelle Gesellschaft mit ihren vielfältigen Chancen und Risiken. Den schwierigen Spagat zwischen Tradition und Moderne sowie das Leben in zwei Ländern und Kulturen bewältigen sie mit Lebenstechniken, die es sowohl in gesellschaftlicher als auch in politischer Hinsicht zu unterstützen gilt.

Doch wie kann die Aufnahmegesellschaft konkret diese Potenziale nutzen und die Integration fördern?

Älteren Menschen mit Migrationshintergrund kommt durch ihre klassische Pendelmigration eine Brückenfunktion zwischen den Nationen, Kulturen und Generationen zu. Um diese zu nutzen, brauchen wir in der Forschung und in der Praxis mehr als bisher Menschen gleicher, also in diesem Fall türkischer, Herkunft. Sie könnten besser in die subkulturelle Welt der Migranten "eintauchen" und vermitteln. Das hängt auch mit der "Sprachlosigkeit" der ersten Generation zusammen, die sich in unzureichenden Deutschkenntnissen, aber auch in der rechtlich-sozialen Entmündigung anzeigt. Erst dadurch kann ein gleichberechtigter gesellschaftlicher Dialog entstehen.

Wie sieht diese Brückenfunktion der ersten Migrantengeneration konkret aus?

Die tagtäglichen Meldungen in den Medien über Zwangsheirat, Ehrenmord und Kulturkonflikt täuschen darüber hinweg, dass die älteren Migrantinnen und Migranten bereits durch ihre enorme Mobilität zwischen beiden Ländern vermitteln. Wir müssen den Blick wieder auf die erste Generation richten und von ihrem Erfahrungswissen und ihrem traditionellen Familiengewicht profitieren. Vielleicht können wir so auf die Folgegenerationen besser einwirken, also dialogisch. Was wir brauchen, ist genau das: ein Dialog nicht nur zwischen den Kulturen, sondern auch zwischen den Generationen und unter Beteiligung der Aufnahmegesellschaft.

Warum benötigen die Folgegenerationen mehr Eingliederungshilfe als ihre Eltern?

Die zweite Generation ist im Gegensatz zur Elterngeneration in Deutschland unerwünscht. So lassen die bewiesenen Benachteiligungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt keine Heimatgefühle entstehen. Neueste Umfragen unter jungen türkischstämmigen Akademikerinnen und Akademikern zeigen, dass Erziehung und Bildung in Richtung deutsche Gesellschaft keine Integrationsgarantien sind. Mehr als ein Drittel dieser vermeintlich gut integrierten Mustermigranten will in die Türkei "zurückgehen" - das heißt eigentlich "auswandern", denn fast 75 Prozent wurden in Deutschland geboren.

Müssen vor dem Hintergrund der vielen Probleme die Erfahrungen und Lebensstrategien der ersten Migrantengeneration nicht auch kritisch diskutiert werden?

Natürliche wäre ein zu positiver und naiver Blick auf die erste Generation fatal. Nicht wenige Migranten der ersten Stunde sind an der Integrationsaufgabe gescheitert. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Arbeitsmigration nur eine kurzfristige Lösung sein sollte. Dies hat auch die Integrationsbereitschaft stark beeinflusst. Aber die meisten Menschen der ersten Migrantengeneration haben zusammen mit ihren Familien den Weg in die deutsche Gesellschaft gefunden. Wir sollten also die Fehler der ersten Generation kritisch ausdiskutieren, ohne den Blick für deren Ressourcen zu verlieren. Wir sollten sie als Integrationspartner und -partnerinnen wahrnehmen. Was fehlt, ist ein Dialog auf Augenhöhe.


Das Interview führte Franziska Woellert.

Nachdruck unter Quellenangabe (Franziska Woellert / Berlin-Institut) erlaubt.

 

   
     
 

Qualifizierte Altenpfleger gesucht - der Handlungsbedarf steigt
Ein Leitfaden für Unternehmen, die sich personalpolitisch auf den demografischen Wandel einstellen wollen

Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen die Altenpflege vor große Herausforderungen: Einerseits steigt die Zahl der Pflegebedürftigen zukünftig an, andererseits reduziert sich die Zahl der Berufseinsteiger aufgrund des demografischen Wandels und der geringen Attraktivität des Berufsbildes kontinuierlich. Die Folge ist, dass viele Pflegeeinrichtungen ihre Stellen nicht mehr adäquat besetzen können. Neben dem Fachkräftemangel erhöht sich auch das durchschnittliche Alter der Pflegekräfte.

Der vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung verfasste Leitfaden "Demografiefeste Personalpolitik in der Altenpflege. Handlungsbedarf erfassen" beschreibt die Herausforderungen des demografischen Wandels und stellt Unternehmen Handlungsstrategien vor, wie sie diesen Entwicklungen begegnen können. Die Forscherinnen und Forscher haben den leicht verständlichen und übersichtlichen Leitfaden im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts "Älter werden in der Pflege" erarbeitet.

Dass die Alterung der Gesellschaft Folgen für den Arbeitsmarkt im Bereich Pflege hat, liegt auf der Hand. Zukünftig wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen rasant erhöhen: Im Jahr 2020 wird es laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes gegenüber 2005 mehr als ein Drittel pflegebedürftige Personen mehr geben, bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl um mehr als die Hälfte erhöhen und schließlich bis ins Jahr 2050 verdoppeln. Zudem steigt die Zahl hochaltriger, multimorbider, chronisch kranker und dementer Personen, die pflegebedürftig sind.

Durch die wachsende Zahl Pflegebedürftiger, den Mangel an jungen, qualifizierten Arbeitskräften sowie die beschlossenen Pflegereformen und die damit einhergehenden Rationalisierungen werden sich die Anforderungen an die Kompetenzen und Leistungskraft des Pflegepersonals erhöhen: Durch den veränderte Pflegebedarf gibt es eine höhere Nachfrage nach spezialisierten Leistungen der Behandlungspflege und nach individueller Betreuung. Die Arbeitskräfte stehen unter erheblichen Zeit- und Kostendruck, auch wegen der starken Konkurrenz in diesem Sektor. Dadurch, dass zunehmend moderne Kommunikations- und Dokumentationsmittel eingesetzt werden, ist das Personal gefordert, sich ständig weiterzubilden.

Aber auch die physischen und psychischen Belastungen beeinflussen den Alltag der Arbeitskräfte. Sind Mitarbeiter überfordert, besteht die Gefahr, dass die Qualität der Pflege leidet, die Motivation zur Arbeit nachlässt und in Extremfällen sogar zu Fehltagen führt, wodurch wiederum die Belastung für andere Mitarbeiter ansteigt. Schon jetzt ist der Krankenstand im Pflegesektor höher als in anderen Berufsgruppen. Dies hängt auch mit dem hohen Anteil an älteren Beschäftigten in der Pflege zusammen. Denn sind diese krank geschrieben, fehlen sie im Mittel länger als die jüngeren Mitarbeiter.

Wollen die Pflegeeinrichtungen mittel- und langfristig über kompetentes und belastbares Personal verfügen sowie deren Leistungsfähigkeit erhalten, müssen sie geeignete personalpolitische Entscheidungen treffen. Zur Analyse der Ausgangssituation und möglicher personalwirtschaftlicher Probleme stellt der Leitfaden einen "Quick-Check" vor, den jedes Unternehmen eigenständig durchführen kann. Der "Quick-Check" besteht aus elf Fragen unterteilt in zwei Fragekomplexe, die mit "trifft eher zu" und "trifft eher nicht zu" beantwortet werden können. Werden bestimmte Fragekomplexe mehrfach mit "trifft eher zu" beantwortet, wird empfohlen, entweder mit einer Alterstrukturanalyse oder mit einer demografiebezogenen Arbeitssituationsanalyse fortzufahren.

Beide Verfahren ermöglichen es, die Ursachen der Probleme zu erfassen und eine Strategie zu entwickeln, um den Herausforderungen zu begegnen. Die Alterstrukturanalyse dient dazu, die Personal- und Alterstruktur der Belegschaft zu überprüfen und die voraussichtliche Entwicklung abzuschätzen. Die Ergebnisse liefern Aufschluss über den zukünftigen Handlungsbedarf des Unternehmens. Die demografiebezogene Arbeitssituationsanalyse ist eine qualitative Befragungsmethode, die Ergebnisse über die Anforderungs- und Belastungssituation der Beschäftigten liefert. Neben den Problemen sollen gleichzeitig Ideen und Lösungsvorschläge erfragt werden.

Mit diesen beiden Instrumenten und den daraus abzuleitenden konkreten Maßnahmen und Empfehlungen bietet der Leitfaden praktische Unterstützung bei der Personalpolitik von Unternehmen, die in der Altenpflege tätig sind. Mit nur rund 50 Seiten in großzügigem Layout liegt damit ein Heft vor, das komprimierte Informationen enthält, durch die übersichtliche Darstellung der Fakten dabei gut lesbar ist und schnell zum Punkt kommt. Mindestens sensibilisiert es für das Thema - wer in der Altenpflege eine zukunftsweisende Personalpolitik betreiben will, kann darüber hinaus einiges lernen, um sein Unternehmen gut auf den demografischen Wandel vorzubereiten.

Gerisch, Silvia / Knapp, Kornelius & Töpsch, Karin: (2009): Demografiefeste Personalpolitik in der Altenpflege. Handlungsbedarf erfassen, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, Leitfaden für die Bildungspraxis, Band 39, Bielefeld. 58 S., ISBN 978-3-7639-4274-9, 17,90 Euro.

 

   
 

 

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