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Ausgabe 94, 13. April 2010

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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"Wir Kinder sind überzeugt, dass wir die Probleme weltweit lösen müssen"
Interview mit Felix Finkbeiner, Mitbegründer der Stiftung "Plant-for-the-Planet"

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Alt, grün und weise
Fred Pearce legt die Bevölkerungsexplosion zu den Akten und hofft auf eine Welt mit weniger Menschen

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In eigener Sache
Neu im Online-Handbuch Demografie

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"Wir Kinder sind überzeugt, dass wir die Probleme weltweit lösen müssen"
Interview mit Felix Finkbeiner, Mitbegründer der Stiftung "Plant-for-the-Planet"

Felix Finkbeiner wurde 1997 in München geboren und lebt mit seinen Eltern und zwei Schwestern in einem Dorf zwischen Ammersee und Starnberger See. Er besucht eine internationale Schule und engagiert sich seit dem dritten Schuljahr als Klassensprecher. Im Januar 2007 hielt er ein Referat über die Klimakrise und rief dazu auf, auf der ganzen Welt Bäume zu pflanzen. Kurz darauf gründete er die Schülerinitiative "Plant-for-the-Planet". In "Plant-for-the-Planet"-Akademien an verschiedenen Orten bilden sich seitdem Kinder und Jugendliche gegenseitig zu Multiplikatoren aus, die die Idee der Klimagerechtigkeit weiter verbreiten. Das Netzwerk ist inzwischen weltweit aktiv und startete während der UN-Vollversammlung am 21. September 2009 in New York eine Kampagne: "Stop talking. Start planting."

Du hast schon im Alter von neun Jahren eine Initiative angeregt, "Plant-for-the-Planet". Wie ist es dazu gekommen?

Angefangen hat es ungefähr vor drei Jahren. Da hat meine Lehrerin ein neues Unterrichtsthema begonnen: Klimawandel. Ich sollte dann in der Klasse ein Referat darüber halten. Beim Vorbereiten habe ich herausgefunden, dass Wangari Maathai, eine Frau in Afrika, in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat - zusammen mit ganz, ganz vielen anderen Frauen. Und das mit einem hochpolitischen Hintergrund!

Inwiefern hochpolitisch?

Sie hat das nicht nur gemacht, um etwas für das Klima zu tun, sondern damit hat sie den Frauen Macht gebracht. Die Frauen haben mit dem Pflanzen der Bäume gezeigt, dass sie für sich und ihre Zukunft sorgen können, indem sie der Abholzung etwas entgegensetzen.

Hast du, als du das gelesen hast, gedacht: "Das könnte man doch überall machen, das organisiere ich?"

Nein. Als ich dann das Referat gehalten habe, habe ich dann am Ende spontan gesagt: "Lasst uns in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen!" Meine Lehrerin fand das klasse, ganz viele andere Mitschüler auch. Die haben mich dann zu den Klassensprechern geschickt, dann zur Direktorin, von dort aus wurde ich dann in andere Schulen geschickt - und in kurzer Zeit waren wir ganz viele Schüler von ganz vielen Schulen und haben uns dann entschieden, das zusammen zu starten.

Und wie viele Bäume sind seit 2007 gepflanzt worden? Wie behaltet ihr da den Überblick?

Jeder, der Bäume pflanzt, kann das auf der Website eintragen. Wir nähern uns unserem Ziel: Am 4. Mai werden wir zusammen mit 45 Umweltministern aus allen Teilen der Welt auf dem Petersberg bei Bonn den millionsten Baum pflanzen.

Wo in der Welt wachsen die gepflanzten Bäume denn nun überall?

Wir sind weltweit schon in 72 Ländern aktiv.

Was bringen denn diese eine Million Bäume für die CO2-Bilanz, hilft das gegen den Klimawandel?

Es ist klar, dass wir damit die Probleme nicht lösen können. Wir sind nicht naiv, wir wissen das. Und deswegen ist bei uns jeder Baum, den wir pflanzen, ein Symbol für Klimagerechtigkeit. Denn es kann nicht gerecht sein, dass manche Menschen am meisten CO2 herauspusten und andere Menschen am meisten darunter leiden müssen.

Was wären denn richtige, wichtige Ansätze im Klimaschutz aus deiner Sicht und aus Sicht deiner Mitschülerinnen und Mitschüler?

Wir Kinder sind überzeugt, dass wir die Probleme weltweit lösen müssen. Wir Kinder denken nicht nationalstaatlich, sondern wir verstehen uns als Weltbürger. Wir können die Probleme auch nur mit weltweiten Gesetzen lösen, nicht mit landesweiten.

Als UN-Kindervertreter engagierst du dich ja auch für die internationale Verständigung. Was machen du und deine Kollegen und Kolleginnen bei den Vereinten Nationen?

Erst einmal organisieren wir jedes Jahr ein Treffen, um gemeinsam zu reden.

Ist Klima da ein wichtiges Thema?

Wir haben verschiedene Themen, die wir bearbeiten. Aber die meisten Probleme der Welt kann man nicht alleine lösen, die muss man zusammen lösen. Zum Beispiel die Klima- und Gerechtigkeitskrise. Denn die Menschen in den armen Ländern werden immer weiter Bäume abholzen, solange sie davon leben.

Es gibt also auch konkrete lokale Probleme. Sprecht ihr, die Kindervertreter und die Kinder von "Plant-for-the-Planet", nur über die ganz großen Themen, oder überlegt ihr auch, was man im Kleinen ändern kann? Fordert ihr beispielsweise eure Eltern auf, seltener das Auto und häufiger das Fahrrad zu benutzen, streitet ihr über solche Dinge?

Wir sprechen auch darüber, aber damit kann man die Probleme natürlich auch nicht lösen.

Unternimmt die Generation eurer Eltern und Großeltern deiner Meinung nach zu wenig, um die Umwelt und das Klima zu schützen?

Ein anderes Kind hat mir mal erzählt: Wenn man einen Affen aussuchen lässt, ob er jetzt eine oder später sechs Bananen will, nimmt er immer die eine jetzt. Das ist ein gutes Beispiel. Für uns Kinder ist Zukunft: 80 oder 90 Jahre, für die Erwachsenen vielleicht nur 20 oder 30 Jahre. Wenn die Erwachsenen so denken wie die Affen - dann sieht es schlecht aus.


Das Interview führte Margret Karsch.

Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

 

   
     
 

Alt, grün und weise
Fred Pearce legt die Bevölkerungsexplosion zu den Akten und hofft auf eine Welt mit weniger Menschen

Es ist noch nicht lange her, da wusste über die Hälfte aller Bundesbürger nichts mit dem Begriff "demografischer Wandel" anzufangen. Das dürfte sich geändert haben, seit die Zeitungen voll sind von Geschichten über das alternde Europa, über die aussterbende Spezies der Kinder und die Dörfer im Osten der Republik, in denen kaum noch ein Mensch lebt.

Doch was in Deutschland normal geworden ist, gilt nicht für die Welt. Auch wenn wir Deutschen als Volk bis Mitte des Jahrhunderts im zweistelligen Millionenbereich schrumpfen dürften - die Weltbevölkerung wächst munter weiter, derzeit um rund 230.000 Häupter pro Tag.

Wie passt das zusammen? Und welche Folgen hat die Gleichzeitigkeit von enormem Wachstum und schleichendem Schrumpfen auf ein und demselben Planeten? Fred Pearce, einer der besten und produktivsten Wissenschaftsjournalisten der Welt sowie langjähriger Mitarbeiter des britischen New Scientist, liefert die Antwort in seinem sehr gut recherchierten und packend geschriebenen Buch "Peoplequake", was so viel heißt wie "Menschenbeben". Denn es sind die Menschen, die der Erde in einer Zahl von heute fast sieben Milliarden derart zusetzen, dass sie ihr eigenes Wohlergehen gefährden.

Wer heute um die 50 Jahre alt ist und zu Beginn seines Lebens eine vergleichsweise ökologisch intakte Welt vorgefunden hatte, reich gesegnet mit Rohstoffen aller Art, steht heute vor einer geplünderten, verdreckten und aufgeheizten Erde, auf der zweieinhalb Mal so viele Menschen leben wie ein halbes Jahrhundert zuvor. Nicht viel mehr als ein zehntel Hektar Ackerland verbleibt jedem Erdenbürger im Mittel. Das sind gut 1.000 Quadratmeter, gerade mal zweieinhalb Basketballfelder, auf denen alle pflanzliche und tierische Nahrung heranwachsen muss, die einem Durchschnittserdenbürger zusteht. Da stellt sich die alte, seit Thomas Malthus immer wieder erhobene Frage, ob die Erde ihre Bewohner überhaupt ernähren kann. Vor allem, weil die heutige Landwirtschaft, die zwar 1,7 Milliarden Menschen überfüttert, aber über eine Milliarde hungern lässt, vielerorts Grundwasservorräte plündert, die Böden übernutzt und erodieren lässt, und so viel Energie für die Produktion von Lebensmitteln mobilisiert, dass wir Deutschen für jedes Kilojoule, das wir auf dem Teller haben, rund das Zehnfache an Energie in Form von Erdöl investieren müssen.

Ein wenig atemlos treibt uns der Autor durch die Höhepunkte der globalen demografischen Entwicklung: Bevölkerungsexplosion - Pillenknick - Grüne Revolution - Ein-Kind-Politik in China - Migrationsströme - gesundheitliche Krise in Russland - Vergreisung in Japan und so weiter und so fort. Und am Ende, ein wenig überraschend für die Leser, die längst den großen Crash erwarten, bekommt Fred Pearce die Kurve: Alles könnte noch einmal gut gehen, denn überall auf der Welt sinken die Geburtenraten. Die ersten Länder (darunter Deutschland) schrumpfen bereits, in über 60 Ländern (darunter China, der Iran, die Türkei und Tunesien) liegt die Kinderzahl je Frau bereits unter der Erhaltungsziffer von 2,1, die für eine stabile Bevölkerungsentwicklung nötig wäre. Und auch in den meisten ganz armen Ländern haben die Menschen mehr Zugang zu Bildung als früher, was sich erfahrungsgemäß als bestes Mittel zur Familienplanung entpuppt.

Ist es also nur eine Frage der Zeit, eine Frage von ein paar Jahrzehnten, bis die Explosion zu einer Implosion wird? Es sieht ganz danach aus, wenn man den Autor ernst nimmt: Denn in allen entwickelten Staaten der Welt bekommen die Menschen im Mittel weniger als zwei Kinder, wenn sie die Möglichkeit haben, ihre Familie nach ihren freien Vorstellungen zu planen. Nur in patriarchalen Gesellschaften, in denen die Frauen nichts zu melden haben, so Pearce, herrschen noch die großen Familien vor. Aber mit dem unaufhaltsamen Siegeszug von Bildung und Gleichberechtigung sei dieses Modell ein Auslaufmodell.

So ganz wird allerdings nicht klar, wie es der Menschheit gelingen soll, bei vorerst noch stark wachsender Erdbevölkerung und bei der gigantischen wirtschaftlichen Entwicklung der großen Schwellenländer den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 Prozent abzusenken. Wie sich die alternden, schrumpfenden und gesättigten früh industrialisierten Staaten von ihrem Wachstumsdenken lösen können, das schon lange keine reale Grundlage mehr hat. Und wie die alte Welt die kommenden Wanderungsströme der Jungen bewältigen kann, die vor Klimawandel und Bevölkerungsdruck in den armen Ländern Reißaus nehmen. All diese Probleme, die damit zusammen hängen, dass immer mehr Menschen immer mehr wollen, beschreibt Fred Pearce so eindringlich, dass seine Argumente und die Folgerung, dass am Ende alles gut gehen wird, nicht gänzlich überzeugen.

Zumal auch im günstigsten Fall ein langer Atmen nötig sein dürfte: Denn erst im nächsten oder übernächsten Jahrhundert, wenn das seit langem anhaltende Bevölkerungswachstum gekippt und in eine lange Schrumpfungsperiode übergegangen ist, könnte sich die Weltbevölkerung tatsächlich wieder einer Größe von vielleicht zwei bis drei Milliarden genähert haben. Und dann spielen in der Tat die Grenzen des Wachstums keine Rolle mehr. Denn dann, mit einer Menschheit, die deutlich älter und weiser, friedlicher und grüner, konservativer und weniger innovativ sein wird als heute, wird das Leben laut Pearce zwar langweiliger sein - aber irgendwie auch besser, unter anderem, weil die Frauen die Welt dominieren. Ob wir das gut oder schlecht finden ist nicht die Frage, meint der Autor. Die Weichen dorthin seien heute schon gestellt, und es gebe kein Zurück auf diesem Weg.

Pearce, Fred (2010): Peoplequake: Mass Migration, Ageing Nations and the Coming Population Crash, Bantam Paperbacks, 352 Seiten, ISBN 9781905811342, 15,99 Euro.

 

   
     
 

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Neu im Online-Handbuch Demografie

"Generationengerechtigkeit" von Winfried Kluth

 

   
 

 

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