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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Fast volljährig

Fast volljährig

Als der Jurist Hans Fleisch am 29. November 2000 eine Stiftung mit dem etwas langen Namen „Stiftung Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung“ gründete, konnten die Deutschen mit dem Begriff „Demografie“ noch herzlich wenig anfangen. Zwar war die langfristige Bevölkerungsentwicklung hierzulande schon seit den 1970er Jahren angelegt, als die Geburtenziffern wie in allen Industrienationen deutlich zurückgingen, während die Lebenserwartung immer weiter anstieg. Aber gerade in Deutschland war eine Diskussion um Folgen dieser gesellschaftlichen Veränderungen noch immer tabuisiert. Noch immer lag eine historische Last auf dem Fach der Demografie, denn die Nationalsozialisten hatten die Bevölkerungslehre einst für ihre Zwecke missbraucht und die Wissenschaft zu einer völkischen Ideologie gemacht. Bis heute führt die Disziplin an deutschen Hochschulen ein jämmerliches Schattendasein.

Die öffentliche Aufmerksamkeit für den demografischen Wandel wuchs erst Anfang der 2000er Jahre, als dessen Folgen immer absehbarer wurden. An der dazugehörigen Wissensvermittlung hatte das noch junge Berlin-Institut schon bald einen wesentlichen Anteil. Die erste große Studie „Deutschland 2020. Die demografische Zukunft der Nation“, erstellt von einem nur dreiköpfigen Team, erreichte nach ihrer Veröffentlichung im April 2004 eine enorme Resonanz. Thema war der bundesweite demografische Wandel, der sich regional höchst unterschiedlich auswirkte, nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Stadt und Land sowie zwischen wirtschaftlichen Erfolgsregionen und solchen, die noch mitten im Strukturwandel steckten. Binnen zwei Wochen hatten über 2.000 Medien über die Ergebnisse berichtet, nicht nur deutsche, sondern auch der britische Economist, die New York Times oder Newsweek.

Seither meldet sich das Berlin-Institut jedes Jahr mit einer ganzen Reihe von Studien und Diskussionspapieren zu Wort. In der Studie „Not am Mann. Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht?“ (2007) ging es um die Folgen der starken Abwanderung überwiegend junger Menschen aus den neuen Bundesländern, darunter deutlich mehr Frauen als Männer. Als Hauptgrund für die selektive Abwanderung hatten sich die großen Bildungsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Schulabgängern herauskristallisiert: Weil junge Frauen ihre Schulzeit deutlich häufiger mit dem Abitur abschlossen und Männer überproportional oft gar keinen Schulabschluss erreichten, waren die Möglichkeiten im Westen einen Studienplatz oder einen Job zu finden für Frauen wesentlich größer als für Männer. Der regionale Frauenmangel im Osten, der in den jungen Altersklassen zum Teil über 30 Prozent betrug, hatte gravierende Folgen – unter anderem einen hohen Wähleranteil für radikale Parteien, seinerzeit vor allem für die NPD. Interessanterweise sind diese Regionen deckungsgleich mit jenen, in denen heute die AfD ihre größten Erfolge feiert.

Das Berlin-Institut untersuchte 2009 in der Studie „Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ erstmals die Integrationserfolge unterschiedlicher Zuwanderergruppen, damals noch ein unbeliebtes Thema, das als politisch vermint galt. Das Institut beschäftige sich in verschiedenen Arbeiten mit den Problemen ländlicher Räume im demografischen Wandel, etwa in der Publikation: „Vielfalt statt Gleichwertigkeit – was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet“ (2013). Gleichzeitig widmete es sich auch den Ideen und Konzepten, wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, so in der Studie: „Von Hürden und Helden – wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt“ (2015).

Schon früh haben sich die Wissenschaftler aus Berlin mit den Herausforderungen Afrikas beschäftigt, nachzulesen in: „Afrikas demografische Herausforderungen  wie eine junge Bevölkerung Entwicklung ermöglichen kann“ (2011). Darin wurde – lange vor der sogenannten Flüchtlingskrise  klar, dass ein hohes Bevölkerungswachstum, das nicht von einem entsprechenden Wachstum bei den Arbeitsplätzen begleitet wird, zu erheblichen Konflikten führen kann. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Region des Mittelmeers und des Nahen Ostens, der das Berlin-Institut eine eigene Studie gewidmet hat: „Krisenregion Mena – wie demografische Veränderungen die Entwicklung im Nahen Osten und Nordafrika beeinflussen und was das für Europa bedeutet “(2016).

Angesichts der globalen Veränderungen – vom Bevölkerungswachstum in den armen Ländern über den Klimawandel bis zur demografischen Stagnation und dem rückläufigen Wirtschaftswachstum in einigen früh entwickelten Staaten – gehen dem Berlin-Institut die Themen nicht aus. Heute arbeiten wir als etwa zwölfköpfiges Wissenschaftlerteam hochmotiviert und noch immer unabhängig und neutral. Wir beziehen keinerlei öffentliche Grundförderung und finanzieren uns über Forschungsaufträge von Ministerien, Stiftungen, Unternehmen und internationalen Organisationen wie der UN oder der Weltbank.

Doch das Berlin-Institut wäre nicht so erfolgreich ohne seinen Förderkreis, in dem Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen zusammenkommen, die der Überzeugung sind, dass die Arbeit des Instituts wichtig, notwendig und unterstützenswert ist. Die Mitglieder des Förderkreises stellen dem Institut einen jährlichen Beitrag zur Verfügung, der vor allem in die Öffentlichkeitsarbeit, in die Konzeption neuer Projekte, einzelner Studien sowie Diskussionspapiere fließt.

Um unsere Arbeit erfolgreich fortführen zu können, sind wir immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern für diesen Kreis. Informationen zum Förderkreis finden Sie hier.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen Frau Tanja Kiziak jederzeit zur Verfügung:
kiziak(at)berlin-institut.org, Tel.: 030 31 01 73 24

Einen kompletten Überblick über die Arbeiten des Berlin-Instituts finden sie hier.