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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Schokolade „made in Afrika“

Schokolade „made in Afrika“

Afrika ist unter den Kontinenten der weltweit größte Kakaoproduzent. Mehr als zwei Drittel der Kakaobohnen, die für die Herstellung von Schokolade benötigt werden, kommen aus den Ländern südlich der Sahara. Auch dort erfreut sich die kakaohaltige Süßigkeit zunehmender Beliebtheit. Insbesondere die wachsende Mittelschicht in den afrikanischen Städten ist regelrecht im Schokorausch. Doch Schokolade „made in Afrika“ findet sich bislang nur selten in den Verkaufsregalen. Europa und die USA dominieren den Schokoladenmarkt. Die Unternehmen Ferrero aus Italien, Hershey aus den USA und die Schweizer Nestlé gehörten zu den Süßwarenherstellern mit dem größten Nettoumsatz im Jahr 2017.

Die Kakaobohne, die den Umweg über den Atlantik machen muss, um als Schokolade wieder in afrikanischen Geschäften zu landen, ist nur eines von vielen Beispielen für die afrikanische Abhängigkeit von Importen. Denn nicht nur Genussmittel wie Schokolade, sondern auch andere Produkte, wie Milch oder Getreideerzeugnisse, müssen afrikanische Staaten importieren – und das, obwohl sie meist selbst Produzenten der dafür notwendigen Rohstoffe sind. Dabei wäre die Weiterverarbeitung und Veredelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein wichtiger Schritt, um mehr Wertschöpfung zu erzeugen. Wenn Kakaobohnen im eigenen Land zu Schokolade, Früchte zu Saft oder Milch zu Joghurt verarbeitet werden, schafft das neue Jobs entlang der Wertschöpfungskette und bietet den Menschen die Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen.

 

Pionierarbeit in Ghana

Wie das gehen kann, macht ein Unternehmen in Ghana vor. Das westafrikanische Land steht mit knapp 860.000 Tonnen Kakaobohnen nach der Elfenbeinküste auf Platz zwei der weltweit größten Kakaoproduzenten. In Westafrika herrschen günstige Bedingungen für den Kakaoanbau vor, doch die arbeitsintensive Tätigkeit verschafft den Bauern bislang nur ein geringes Einkommen. Zudem unterliegt der Preis für das Rohprodukt an den internationalen Märkten großen Schwankungen. Warum also nicht die Kakaobohnen direkt verarbeiten und Schokolade für den eigenen Markt produzieren?

 

Exportweltmeister

Westafrika bildet das „Epizentrum“ des Kakaoanbaus. Ghana ist zusammen mit der Elfenbeinküste für etwa die Hälfte der globalen Kakaoproduktion verantwortlich. Das Exportprodukt Kakao ist für die Menschen dort von existenzieller Bedeutung. In Ghana etwa sind circa 800.000 Haushalte vom Kakaoanbau als Lebensgrundlage abhängig.

 

Das dachten sich auch die Gründerinnen des Start-Ups '57 Chocolate. Die Schwestern Priscilla und Kimberly Addison haben die Idee von der eigenen Schokoladenherstellung aus der Schweiz mit in ihr Heimatland Ghana gebracht. Mit ihrem Unternehmen möchten sie die wachsende Nachfrage der ghanaischen Mittelschicht nach hochwertiger Schokolade bedienen. Denn bisher gibt es nur wenige lokale Alternativen zur importierten Schokolade. Die Schokolade von '57 Chocolate wird von der Kakaobohne bis zur Tafel produziert. Den Rohkakao bezieht das Unternehmen von Biobauern aus dem Osten Ghanas. Als nächstes wollen die Schwestern einen eigenen Laden in der Hauptstadt Accra eröffnen und ihre Schokolade „made in Ghana“ in die ganze Welt versenden. Mit '57 Chocolate, dessen Name an die Unabhängigkeit Ghanas erinnert, wollen die Schwestern auch andere junge Ghanaer motivieren, selbst aktiv zu werden, Unternehmen zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen.

 

Afrikas Bevölkerung wächst rasant

Jobs und Einkommensmöglichkeiten sind dringend notwendig – und das nicht allein in Ghana, sondern in allen Ländern südlich der Sahara. Jedes Jahr wachsen etwa 19 Millionen junge Afrikaner und Afrikanerinnen ins Erwerbsalter hinein, während auf dem gesamten Kontinent nur rund 3 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Subsahara-Afrika ist nicht nur die Weltregion mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen, sondern verzeichnet auch das höchste Bevölkerungswachstum weltweit. Laut einer Prognose der Vereinten Nationen wird sich die Bevölkerung in den Ländern südlich der Sahara bis 2050 auf über zwei Milliarden verdoppeln. Das liegt vor allem an den anhaltend hohen Kinderzahlen auf dem Kontinent: Im Schnitt bekommen Frauen in dieser Weltregion heute 4,8 Kinder – deutlich mehr als in Europa, wo die Geburtenziffer derzeit bei rund 1,6 liegt.

 

Anhaltendes Wachstum

Nirgendwo anders auf der Welt ist das Bevölkerungswachstum so hoch wie in Subsahara-Afrika. Das liegt auch an der anhaltenden Armut und den fehlenden Perspektiven für die Menschen auf dem Kontinent. Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist nur möglich, wenn im großen Stil neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn wenn die Menschen sich eine Existenz aufbauen können und Entwicklungsfortschritte sichtbar werden, entscheiden sie sich mittelfristig auch für kleinere Familien.

 

Das hohe Bevölkerungswachstum hemmt das Entwicklungspotenzial der afrikanischen Länder und verschärft die ohnehin vorhandenen Probleme in der Region – von anhaltender Armut, mangelnder Ernährungssicherheit bis hin zu fehlender Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur. Gerade die Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen wird hier offenbar. Dabei stellt die große Zahl an Arbeitskräften für Subsahara-Afrika eine wichtige Ressource dar. Doch um diese nutzbar zu machen, bedarf es einer Ausweitung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. So können Jobs geschaffen und zusätzliche Gewinne eingefahren werden, wo bisher informelle Beschäftigung und die Produktion für den Eigenbedarf dominiert haben. Das klingt erstmal recht einfach, in der Praxis verlangt dieser Entwicklungsprozess der Privatwirtschaft jedoch viel Engagement ab. Denn es sind bisher kaum Strukturen vorhanden, auf denen die Unternehmen aufbauen könnten. '57 Chocolate ist aber ein gutes Beispiel dafür, wie die Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Rohprodukten die Wirtschaft insgesamt voranbringen kann. Andere Beispiele für vielversprechende Projekte führt die kürzlich erschienene Studie des Berlin-Instituts „Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit - Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss.“ auf. Die Studie zeigt, wie die Landwirtschaft die Entwicklung Afrikas südlich der Sahara antreiben kann.

 

Quellen
African Development Bank (2016). Jobs for Youth in Africa. Strategy for Creating 25 Million Jobs and Equipping 50 Million Youth. 2016-2025.
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2018). Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit - Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss. Berlin.
FAO (2018). FAOSTAT.
GRO Research (2018). Developing Economies Challenge Europe’s Chocolate Reign.
ICCO (2017). The Chocolate Industry.
Löwe, A. (2017). Creating opportunities for young people in Ghana’s cocoa sector. ODI Working Paper 511. 
Schröder, D. (2018). Mit Hibiskus und Kokosnuss. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24.05.2018.
UNDESA Population Division (2018). Data query.
World Bank (2018). GDP per capita (in US$), World regions, 2017.
57Chocolate (2018). Our Story.