Facebook
Twitter
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Deutsche Extremwerte

Deutsche Extremwerte

Im sächsischen Bautzen bekommen die Frauen am meisten Kinder

Nach dem massiven Geburteneinbruch in den 1990er Jahren im Osten der Republik bringen die Frauen dort mittlerweile deutschlandweit am meisten Nachwuchs zur Welt. Lag die Geburtenziffer zwischen Rügen und dem Erzgebirge 1994 noch bei 0,77 Kindern je Frau, sind es heute wieder 1,61, während der Westen auf einen Wert von 1,58 kommt. Ganz vorne liegt der sächsische Landkreis Bautzen mit 1,98 Kindern je Frau. Trotzdem reicht das nicht für ein demografisches Wachstum, denn aus der Region wandern nach wie vor viele jungen Menschen ab, weshalb die Bevölkerung des Landkreises bereits deutlich gealtert ist.

Ganz anders ist die Lage in süd- und westdeutschen Städten. Im bayerischen Bayreuth bekommen Frauen aktuell die wenigsten Kinder – im Schnitt nur 1,18. Ähnlich niedrig ist die Geburtenziffer in Heidelberg, Mainz, Würzburg, Regensburg oder Passau. Dies sind jeweils Universitätsstädte, die viele junge Frauen anziehen, die aber noch keine Familien gründen. In Heidelberg beispielsweise ist fast die Hälfte der Bewohner unter 35 Jahren. Weil die Bevölkerung so jung ist, kommen trotz niedriger Geburtenziffern mehr Kinder zur Welt als Menschen sterben. Die Einwohnerzahlen werden also künftig weiterwachsen – auch durch den anhaltenden Zuzug von Bildungswanderern.


Norden und Osten besonders kinderreich
Mitte der 1990er Jahre sanken in den ostdeutschen Ländern die Kinderzahlen je Frau flächendeckend auf historische Tiefstwerte. Zehn Jahre später hatten sich die Geburtenziffern in Ost-und Westdeutschland angeglichen: In vielen süddeutschen Regionen bekamen Frauen nach und nach weniger Kinder, während die ostdeutschen Frauen ihre Familiengründung nachholten. Inzwischen liegt die Geburtenziffer deutschlandweit bei knapp 1,6 Kindern pro Frau, der höchste Wert seit Jahrzehnten. Am meisten Nachwuchs je Frau gibt es heute in ostdeutschen und niedersächsischen Kreisen.


Am meisten Kinderbetreuung in Weimar und Jena

Die vorschulische Kinderbetreuung teilt die Republik weiterhin in Ost und West. Die insgesamt 64 Kreise, in denen mehr als 50 Prozent aller unter Sechsjährigen ganztags einen Kindergarten besuchen, liegen alle in Ostdeutschland. Die höchsten Betreuungsquoten finden sich in Thüringen. Spitzenreiter sind die Städte Weimar und Jena mit über 73 Prozent. Der beste westdeutsche Kreis ist die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden mit knapp 50 Prozent der unter Sechsjährigen in Ganztagsbetreuung, knapp gefolgt von Frankfurt am Main.

Am seltensten gehen Kinder aus dem Bayerischen Wald ganztägig in einen Kindergarten oder eine andere Tagesbetreuung. In den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau sind es gerade einmal drei Prozent aller unter Sechsjährigen. Aber auch in norddeutschen ländlichen Regionen, wie in der Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Vechta in Niedersachsen oder in Dithmarschen in Schleswig-Holstein liegt die Betreuungsquote unter fünf Prozent. 

 

Im sachsen-anhaltinischen Dessau-Roßlau leben anteilmäßig die meisten Hochbetagten

Eine Gesellschaft altert, wenn sie wenig Nachwuchs hat, die Jungen fortziehen und die Älteren ein hohes Alter erreichen. Das gilt vor allem für viele ländlichen Räume, aber auch für einige mittelgroße Städte in den ostdeutschen Ländern. Im sachsen-anhaltinischen Dessau-Roßlau ist heute schon fast jeder sechste Bewohner 75 Jahre und älter, bundesweit der höchste Anteil. Auch im thüringischen Suhl und in Brandenburg an der Havel, nur eine Zugstunde vom Berliner Stadtzentrum entfernt, leben mit einem Anteil von über 15 Prozent besonders viele Ältere.

 

In den ersten kreisfreien Städten schrumpft selbst die Zahl der Rentner

Die Altersgruppe der über 64-Jährigen ist bundesweit jene, die am stärksten wächst. Bis 2035 wird sie aber in den ersten Regionen Deutschlands schon wieder kleiner. Insgesamt gibt es fünf kreisfreie Städte, die so stark gealtert sind, dass bis dahin die Sterbefälle massiv zunehmen: in den sachsen-anhaltinischen Städten Halle und Dessau-Roßlau, im thüringischen Suhl, im sächsischen Chemnitz sowie im niedersächsischen Wilhelmshaven.



Immer mehr Ruheständler – vor allem im Osten
Bereits in der Vergangenheit ist Deutschland deutlich gealtert. Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Im Jahr 2035 dürften in einigen ostdeutschen Krei¬sen mehr als 40 Prozent der Einwohner 65 Jahre oder älter sein. Vergleichs¬weise jung werden die attraktiven Großstädte bleiben – in Ost und West.

 

In Starnberg währt das Leben am längsten

Wie lange das Leben voraussichtlich dauern wird, hängt bis heute stark vom sozialen Status ab. Deutschlandweit die kürzeste Lebenserwartung haben die Neugeborenen im rheinland-pfälzischen Pirmasens - 77,35 Jahre. Ähnlich sieht es in den norddeutschen Städten Bremerhaven, Flensburg und Emden sowie im thüringischen Kyffhäuserkreis aus. Dies sind jeweils Regionen, wo der Strukturwandel bis heute Spuren hinterlässt. Dort leben zum Teil mehr als doppelt so viele Menschen wie im deutschlandweiten Durchschnitt von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe.

Sechs Lebensjahre mehr haben die Menschen im bayerischen Starnberg vor sich, dem Kreis mit der höchsten Lebenserwartung. Dort erzielen die Bewohner deutschlandweit die höchsten Einkommen, die annähernd doppelt so hoch sind wie die der Bewohner aus Bremerhaven oder dem Kyffhäuserkreis.  Ähnlich alt werden sonst nur noch Menschen aus anderen süddeutschen Kreisen – in Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und in Tü-bingen sowie in Bayern in der Landeshauptstadt München und ihrem Umland.


Im thüringischen Landkreis Hildburghausen sind die meisten Menschen beschäftigt

In Thüringer Landkreisen gehen besonders viele Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. In Hildburghausen, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, haben über 70 Prozent der 20- bis 64-Jährigen einen solchen Job, kaum weniger sind es im Wartburgkreis, im Landkreis Sonneberg und im Saale-Orla-Kreis. Zu den fünf Kreisen mit den deutschlandweit höchsten Beschäf-tigungsquoten gehört außerhalb Thüringens nur noch der bayrische Landkreis Coburg, der jedoch direkt hinter der Landesgrenze liegt.

Die geringsten Beschäftigungsquoten finden sich in einigen westdeutschen Universitätsstädten, im Ruhrgebiet sowie in rheinland-pfälzischen Grenzregionen. In Freiburg im Breisgau und Heidelberg, in Gelsenkirchen sowie in Trier und seinem Umlandkreis Trier-Saarburg wie auch dem Eifelkreis Bit-burg-Prüm geht weniger als die Hälfte der 20- bis 64-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. In Universitätsstädten arbeiten wegen der vielen Studierenden vergleichsweise wenige Menschen, im Ruhrgebiet ist die Arbeitslosigkeit hoch und in den rheinland-pfälzischen Ge-bieten pendeln viele Menschen für ihren Job ins benachbarten Luxemburg und sorgen so für den statistisch niedrigen Wert in ihrem Heimatkreis.

 

In Erlangen, München und Jena arbeiten die meisten Hochqualifizierten

Je innovativer eine Region ist, desto besser sind ihre wirtschaftlichen Aussichten und umso höher ist in der Regel der Anteil von Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss. Erlangen, München und Jena sind hier die Spitzenreiter. Fast jeder dritte Beschäftigte ist in diesen Städten Akademiker.

Während einige Regionen Bayerns ein Magnet für Hochqualifizierte sind, liegen im Freistaat auch die Regionen, wo relativ wenige von ihnen zu finden sind. In den Landkreisen Dingolfing-Landau, Regen, Freyung-Grafenau, Passau, Cham, Ansbach, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim haben nicht einmal sechs Prozent der Beschäftigten einen Hochschulabschluss. Ähnlich wenige Hochquali-fizierte gibt es nur noch in den niedersächsischen Landkreisen Cloppenburg und Wittmund sowie in den Landkreisen Cochem-Zell und Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Dort reichen bislang auch nied-rigere Qualifikationen für einen auskömmlichen Job. Dies könnte sich mit der zunehmenden Digitali-sierung der Arbeitswelt zukünftig ändern.


In Gelsenkirchen und Duisburg sind die Einkommen am niedrigsten

Nicht in ostdeutschen Kreisen, sondern im Ruhrgebiet haben die Menschen inzwischen am wenigs-ten im Geldbeutel. Nicht einmal 17.000 Euro beträgt das jährliche verfügbare Einkommen der Bewohner von Gelsenkirchen oder Duisburg. Trotzdem steht auch den Bewohnern im Osten der Republik oft nicht viel mehr zur Verfügung, am wenigsten im sachsen-anhaltinischen Halle an der Saale, im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern sowie im brandenburgischen Frankfurt an der Oder. 

Die höchsten verfügbaren Haushaltseinkommen finden sich im Süden der Republik. Rund 30.000 Euro haben Bewohner aus den baden-württembergischen Städten Heilbronn, Baden-Baden und Ulm sowie aus der bayerischen Landeshauptstadt München und ihrem Umlandkreis zur jährlichen Verfü-gung. Hier liegt mit Starnberg auch der bundesweite Spitzenreiter mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 34.800 Euro pro Einwohner. In die Gruppe der Topeinkommen schafft es als einziger nicht süddeutscher Kreis der hessische Hochtaunuskreis.

 

Die Studie wurde gefördert vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e.V. sowie der Körber-Stiftung, der Investitionsbank Berlin und dem Förderkreis des Berlin-Instituts.

Sie kann kostenlos als PDF heruntergeladen werden unter:
https://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/die-demografische-lage-der-nation.html

 

Für Interviewanfragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Dr. Reiner Klingholz, klingholz(at)berlin-institut.org, Tel.: 030-31 01 75 60 oder 0171-50 78 39 0
Manuel Slupina, slupina(at)berlin-institut.org, Tel.: 030-31 10 26 98 oder 0178-80 43 95 1
Susanne Dähner, daehner(at)berlin-institut.org, Tel.: 030-31 01 74 50
Datenanfragen: Lena Reibstein, reibstein(at)berlin-institut.org, Tel.: 030-31 01 74 50