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Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Sprache, Sprache, Sprache!

Sprache, Sprache, Sprache!

Am 30. Mai 2016 hat das Berlin-Institut gemeinsam mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius die Podiumsdiskussion „Schlagabtausch zur Demografie“ veranstaltet – diesmal zum Thema „Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt: Chance oder Illusion?“. Bei der abschließenden Veranstaltung der dreiteiligen Reihe diskutierten die Vorsitzende des Hamburger Gewerkschaftsbunds Katja Karger und der Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft Gabriel Felbermayr, ob und wie die große Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland mittel- und langfristig in Arbeit kommen kann.

 

In den kommenden Jahrzehnten dürfte die deutsche Erwerbsbevölkerung um einige Millionen Menschen zurückgehen. Für Betriebe könnte es damit schwierig werden, freie Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Arbeitnehmer aus dem Ausland könnten helfen, diese Lücke zu schließen. Dies gilt auch für Flüchtlinge, welche deshalb eine große Chance für die deutsche Wirtschaft darstellen. Finden sie aber hierzulande keine Beschäftigung, könnten sie stattdessen zu einer Belastung für Staatshaushalt und Sozialsysteme werden.

 

Die Gewerkschaftlerin Katja Karger hält eine langfristige Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt für möglich, auch wenn es Zeit brauche, bis die Flüchtlinge bereit für die Anforderungen der Arbeitgeber sind. Um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen, dürfe man keine Kosten und Mühen für Sprachkurse sowie Aus-, Weiter- und Fortbildungsangebote scheuen. Man solle aber davon absehen, Beschäftigung für Flüchtlinge um jeden Preis erzwingen zu wollen. Erste Priorität müsse immer die Gleichbehandlung aller Gruppen im Arbeitsmarkt sein – unabhängig davon, ob es sich um Flüchtlinge, Alleinerziehende oder Berufsanfänger handelt.

 

Arbeit als Schlüssel zur Integration?

 

Die Vorsitzende des DGB Hamburg Katja Karger (Mitte) und der Leiter des ifo Instituts für Außenwirtschaft Gabriel Felbermayr (rechts) diskutieren im Thalia Gauß über die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. (Foto: Frederika Hoffmann)

 

Der Ökonom Felbermayr bezweifelt, dass die heutigen Flüchtlinge zu den Fachkräften von morgen werden. Mangelhafte Sprachkenntnisse, unzureichende Bildung oder fehlende Zeugnisse bedeuteten stattdessen große Hürden. Fänden sie Arbeit, würden sehr viele Flüchtlinge dagegen über Jahre oder gar Jahrzehnte im Niedriglohnsektor festhängen. Allein der Mindestlohn erschwere ihnen den Schritt in den Arbeitsmarkt, da dieser gemessen an den Fähigkeiten der Flüchtlinge in den ersten Jahren zu hoch ausfalle. Vor diesem Hintergrund hält Felbermayr es für wahrscheinlich, dass die finanziellen Belastungen durch die Flüchtlingsströme bestehen bleiben.

 

Die Moderation der angeregten Debatte führte der NDR-Moderator Andreas Bormann. Wie beim „Schlagabtausch zur Demografie“ üblich, konnte das Publikum seine Fragen und Kommentare über Handzettel an die Referenten weitergeben. Als Gastgeber hatten Anna Hofmann, Programmleiterin im Förderbereich Wissenschaft und Forschung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, mit inhaltlichen Akzenten auf den Abend eingestimmt.

 

Der „Schlagabtausch zur Demografie“ ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Dabei debattieren jeweils zwei Experten aktuelle Themen des demografischen Wandels.