Facebook
Twitter
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Der Migrationssturm

Der Migrationssturm

Seit 2012 gibt es den Förderkreis des Berlin-Instituts, der die Arbeit des Instituts sowohl finanziell als auch in Form von neuen Ideen unterstützt. Die Mitglieder treffen sich einmal im Jahr, um auf fertiggestellte Projekte zurückzublicken und neue Themen zu diskutieren. Außerdem haben sie Gelegenheit, einen Vortrag eines Gastredners zu hören und mit diesem zu debattieren. In der Vergangenheit hat das Berlin-Institut zu diesem Anlass etwa Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Ministerin Ursula von der Leyen eingeladen. Im vergangenen Jahr leistete der Max-Planck-Biologe Professor Stefan Kaufmann mit einem Vortrag über die Zukunft der Infektionskrankheiten erstmals einen Beitrag aus dem wissenschaftlichen Bereich. Auch in diesem Jahr konnte das Berlin-Institut einen renommierten Wissenschaftler gewinnen: den emeritierten Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaften Hans-Werner Sinn.

 

Dieser schilderte in seinem Vortrag die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingszuwanderung. Schon der Titel „Der Migrationssturm“, deutete darauf hin, dass Sinn nicht vor kontroversen Thesen zurückschrecken würde. Im Gegenteil: Sinn betonte, dass es zwar aus ethischen Gesichtspunkten vordergründig richtig erscheinen möge, die Grenzen zu öffnen. Dabei vergesse man aber, dass man dadurch eine Schlepperindustrie unterstütze und somit indirekt zu zahlreichen Todesopfern auf dem Mittelmeer beitrage. Dagegen lobte Sinn den Zaunbau Mazedoniens an der Grenze zu Griechenland als wichtigsten Schritt zur Bewältigung der sogenannten Flüchtlingskrise. Ohne ihn hätten die EU-Staaten nicht zur Vernunft gefunden und den Flüchtlingsstrom eingedämmt. Außerdem wäre das EU-Abkommen mit der Türkei nicht zustande gekommen, dem Sinn aber insgesamt gespalten gegenüber steht. Einerseits sei Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten für die EU unabdingbar, andererseits sei das Versprechen einer Visafreiheit aber voreilig gewesen und kaum einlösbar.

 

Im Zentrum des Vortrags standen nicht moralische und politische, sondern vornehmlich ökonomische Fragen. Ob Deutschland von den Flüchtlingen profitieren kann, hänge davon ab, wie schnell es gelingt, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Nur dann könnten sie während ihres Erwerbslebens mehr Steuern und Abgaben zahlen als sie in Form von Transferleistungen erhalten. Sinn zeigte sich in dieser Hinsicht skeptisch und verwies auf das geringe Bildungsniveau der Neuankömmlinge und die ernüchternden Erfahrungen der Vergangenheit. Er zitierte Studien, denen zufolge die Flüchtlinge die deutsche Gesellschaft bis zu 450 Milliarden Euro kosten könnten.

 

Was also wäre zu tun? Sinn plädierte dafür, einerseits weiter in Entwicklungszusammenarbeit vor Ort zu investieren und Fluchtursachen zu bekämpfen, und andererseits in den Herkunfts- beziehungsweise Transitländern sichere Empfangszonen zu installieren, von wo aus Asylanträge bearbeitet und somit gefährliche Überfahrten über das Mittelmeer verhindert werden könnten. Als nachahmenswert nennt Sinn das Beispiel Spaniens. Trotz langer Mittelmeerküste und geografischer Nähe zu Afrika landen hier kaum Flüchtlinge. Dies liege daran, dass Spanien eng mit Marokko kooperiere und bereits in Afrika aktiv dazu beitrage, Überfahrten zu verhindern und Schlepper dingfest zu machen. Besonders wichtig aber sei eine gemeinsame EU-Politik mit Verteilungsquoten auf die einzelnen Länder.

 

Informationen zum Förderkreis des Berlin-Instituts finden Sie unter: http://www.berlin-institut.org/foerderkreis-des-berlin-instituts.html.