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18. Ausgabe, 06. März 2006

Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren Auswirkungen auf Politik, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft.

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1. Für Journalisten: Einladung zur Pressekonferenz
Am 15. März 2006, 10.00 Uhr, im Haus der Deutschen Stiftungen, Mauerstraße 93 (direkt am Checkpoint Charly), 10117 Berlin stellt das Berlin-Institut eine neue Studie zur demografischen Entwicklung in Deutschland vor.

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2. Sonne in den Tank
Demografischer Wandel begünstigt die Nutzung biogener Kraftstoffe

Bericht mit Grafik

3. Große Jungen statt junger Väter
Deutsche Männer sind Spätentwickler - auch deshalb ist das Land so kinderarm

Bericht mit Grafik

 

 
 

 

1. Für Journalisten: Einladung zur Pressekonferenz

Am 15. März 2006, 10.00 Uhr, im Haus der Deutschen Stiftungen, Mauerstraße 93 (direkt am Checkpoint Charly), 10117 Berlin stellt das Berlin-Institut eine neue Studie zur demografischen Entwicklung in Deutschland vor:

Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?

Seit Jahrzehnten werden in Deutschland weniger Menschen geboren als sterben. Mittlerweile können selbst Zuwanderungen den natürlichen Schwund nicht mehr aufhalten - das Land hat begonnen zu schrumpfen.

Regional tun sich bereits jetzt enorme Verwerfungen auf. Ganze Landstriche entvölkern sich, während andere Regionen von der Binnenwanderung noch profitieren. Doch wie sind die einzelnen Bundesländer, Regionen und Kreise auf den absehbaren Wandel vorbereitet? Wo und wie werden wir in Zukunft wohnen, arbeiten und unseren Lebensabend verbringen?

Auf Basis neuster Daten und eines Indikatorenmodells bewertet das Berlin-Institut sämtliche deutschen Landkreise und kreisfreien Städte auf ihre Zukunftsfähigkeit und unterbreitet Vorschläge, wie auf die demografische Entwicklung reagiert werden kann.

Für Interviews steht Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 oder 0171-5078390 zur Verfügung.

 
 

 

2. Sonne in den Tank
Demografischer Wandel begünstigt die Nutzung biogener Kraftstoffe

Bis ins Jahr 2050 werden in Deutschland aller Voraussicht nach knapp zehn Prozent weniger Menschen leben als heute. Parallel dazu könnte mindestens der gleiche Anteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche stillgelegt werden. Denn weniger Menschen brauchen schließlich auch weniger Nahrungsmittel. Tatsächlich schrumpft die Ackerfläche schon seit Jahren, obwohl die Bevölkerung in der Vergangenheit noch gewachsen ist. Das liegt vor allem den ständig steigenden Erträgen in der Landwirtschaft. In Zukunft könnten also weite Flächen frei werden, um darauf spezielle Energiepflanzen zu säen, aus denen sich Biokraftstoffe gewinnen ließen. Der Bevölkerungsrückgang bietet also Chancen für die Energiewirtschaft und den Schutz der Umwelt.

Im Jahr 2004 haben erneuerbare Energien in Deutschland 3,6 Prozent des Energiebedarfs gedeckt. Biomasse hatte dabei wiederum einen Anteil von über 60 Prozent, überwiegend in Form von Holz, das sich gut zum Heizen nutzen lässt. Biomasse spielt aber auch, in Form von Diesel und Äthanol aus pflanzlichen Rohstoffen eine zunehmende Rolle als Mineralölersatz.

Der Kraftfahrzeugverkehr ist für über 20 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Biokraftstoffe haben den Vorteil, dass bei Ihrer Verbrennung lediglich das von den Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommene Kohlendioxid wieder an die Atmosphäre abgegeben wird. Unterm Strich entsteht beim Autofahren mit Biosprit also keine Kohlendioxid-Belastung der Atmosphäre. Das Problem ist allerdings, dass riesige Flächen an Ackerland benötigt würden, um Energiepflanzen in der notwendigen Menge anzubauen.

Immerhin verfuhren die Deutschen im Jahr 2003 rund 35 Milliarden Liter Benzin und fast genauso viel Diesel. Wollte man diese Treibstoffmenge etwa durch Bioäthanol zu ersetzen, so müssten die Bauern rund zwei Drittel der heute landwirtschaftlich genutzten Fläche mit Zuckerrüben bepflanzen - oder sogar die dreifache Fläche mit Kartoffeln. Aus ökologischer Sicht und aus Gründen der Nahrungsmittelsicherheit kann das aber kaum erwünscht sein.

Für die Zukunft ist deshalb der so genannte SunFuel von größtem Interesse. Mit dem - allerdings noch nicht großtechnisch verfügbaren - Verfahren der Firma Choren aus Freiberg in Sachsen lässt sich durch eine dreistufige Vergasung aus jeder festen Biomasse qualitativ hochwertiger Treibstoff produzieren. Da dabei die gesamte Pflanze (und nicht wie beim Rapsöl nur der ölhaltige Samen) verwertet werden kann, lassen sich mit dieser Technik höhere Treibstofferträge je Hektar erzielen. Nach Aussage des Bundesumweltministeriums könnten 25 Prozent des heutigen Dieselbedarfs gedeckt werden, wenn jährlich auf zwei Millionen Hektar Fläche Energiepflanzen geerntet würden. Zwei Millionen Hektar entsprechen ungefähr zehn Prozent der heutigen Landwirtschaftsfläche. So viel könnte bis 2050 alleine durch den Bevölkerungsrückgang frei werden. Da sich bei dem Verfahren auch Holz- und andere Bioabfälle verwerten lassen, wird von Experten das Potenzial sehr hoch eingeschätzt. Würde die gesamte in Deutschland frei verfügbare Biomasse verwertet, also neben Energiepflanzen auch Holz-, Ernte- und sonstige organische Abfälle, so könnten nach Angaben der Firma Choren bereits heute 30 Millionen Tonnen SunFuel produziert werden - immerhin die Hälfte des derzeitigen Treibstoffverbrauchs in Deutschland.

Mit dem Bevölkerungsrückgang und dem zu erwartenden technischen Fortschritt ist für die Zukunft zudem von entscheidenden Einsparungen im Treibstoffverbrauch auszugehen. Der Mineralölwirtschaftsverband geht in einer Prognose, die bis ins Jahr 2020 reicht, von einem rund 30 Prozent niedrigeren Benzin- und einem etwa zehn Prozent niedrigeren Dieselverbrauch aus. Neben besserer Motorentechnologie ist dafür auch die bis 2020 leicht sinkende Zahl an Verbrauchern verantwortlich. Da die Bevölkerung Deutschlands nach 2020 deutlich stärker schrumpfen wird, ist anschließend mit höheren Einsparungen zu rechnen.


Seit Jahren schrumpft in Deutschland die Fläche, auf der Landwirte Feldfrüchte anbauen. Umgekehrt wächst im langjährigen Mittel der Anteil der Äcker, die stillgelegt werden. Erst seit dem Jahr 2003 sind wieder Agrarflächen reaktiviert worden - überwiegend um darauf Energiepflanzen anzubauen.

Für Interviews steht Dr. Reiner Klingholz unter 030-31017560 oder 0171-5078390 zur Verfügung.

 
 

 

3. Große Jungen statt junger Väter
Deutsche Männer sind Spätentwickler - auch deshalb ist das Land so kinderarm

Nicht ein Gebärstreik der Frauen, sondern eine Zeugungsverweigerung der Männer ist der Hauptgrund dafür, dass Deutschland weltweit die meisten Kinderlosen zu verzeichnen hat. Darauf deutet ein Bericht der Kommission "Familie und demographischer Wandel" der Robert-Bosch-Stiftung hin.

Männer sind in Deutschland deutlich häufiger kinderlos als Frauen. Besonders unter dem besser Qualifizierten hat die Kinderlosigkeit zugenommen. Während der Anteil der Akademikerinnen ohne Nachwuchs in der Altersgruppe von 40 bis 44 Jahren zwischen 1971 und 2003 von 40 auf 33 Prozent gesunken ist, verdoppelte er sich bei den Männern von 16 auf 36 Prozent. Offenbar konnten sich Männer vor 35 Jahren noch darauf verlassen, mit Hilfe ihrer Frauen Kinder und Karriere zu vereinbaren. Die wenigen Frauen mit Hochschulabschluss haben damals noch häufig einen Kinderwunsch dem Beruf geopfert. Da Frauen mittlerweile aber ähnliche Karriereerwartungen haben wie ihre männlichen Partner, scheint vor allem den Männern eine Familiengründung zu anstrengend zu werden.

Mangelnde Belastungsfähigkeit und Risikoscheu junger deutscher Männern zeigt sich auch daran, dass sie sich immer länger von ihren Müttern umsorgen lassen: Heute hat gerade mal die Hälfte der 25-Jährigen das Elternhaus verlassen. In Dänemark oder Finnland sind bereits die 21- respektive die 22-Jährigen zur Hälfte ausgezogen. Auch die deutschen Frauen verlassen das gemachte Nest im Schnitt rund drei Jahre früher als ihre männlichen Geschlechtsgenossen - in einem ähnlichen Alter wie in anderen west- und nordeuropäischen Ländern.

Die späte Abnabelung von den Eltern sorgt auch dafür, dass die jungen Männer hierzulande viel später als andere Europäer feste Bindungen eingehen: Von den 23- bis 27-jährigen Deutschen, die das Elternhaus verlassen haben, leben nur 30 Prozent mit einer Partnerin zusammen - in England sind das 40, in Finnland sogar 50 Prozent. Diese Entwicklung wird durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen begünstigt. In Frankreich und Finnland erhalten junge Menschen leichter staatliche Unterstützung wenn sie eine eigene Wohnung beziehen und zwar unabhängig von den Einkommen der Eltern - ein Modell, das auch in der ehemaligen DDR zur frühen Familiengründungen beigetragen hat. In Deutschland dagegen sind Eltern für ihre Kinder bis zu deren ökonomischer Selbständigkeit unterhaltspflichtig. Nicht wenige Eltern unterstützen ihren Nachwuchs bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts.

Internationale Forscher gehen davon aus, dass das lange Zusammenleben junger Männer mit ihren Eltern und deren lange ökonomische Abhängigkeit die Entwicklung von eigenständigen Partnerschaften und damit die Gründung einer eigenen Familie hinaus zögert, teilweise sogar ganz verhindert. Die Zahlen stützen diese Annahme: Noch später als deutsche Männer verlassen nur Italiener, Spanier und Griechen das bequeme "Hotel Mama". Von ihnen wohnt mit knapp 30 Jahren noch die Hälfte bei den Eltern. Mit fatalen Folgen für die Nachwuchsziffern: Die Geburtenraten dieser drei Länder liegen noch unter dem ohnehin geringen Wert Deutschlands.

Quelle: Robert-Bosch-Stiftung (2005):
Starke Familie. Bericht der Kommission "Familie und demografischer Wandel"
http://www.bosch-stiftung.de/download/starke_familie.pdf

Anteil kinderloser Männer und Frauen
im Altern von 40 bis 44 Jahre nach Bildungsabschluss


Datenquelle: Robert-Bosch-Stiftung (2005): Hans Bertram / Starke Familie. Bericht der Kommission "Familie und demografischer Wandel" im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung, S. 48

Während der Anteil kinderloser Frauen unter Hochschulabsolventinnen zwischen 1971 und 2003 zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der qualifizierten Männer ohne Nachwuchs mehr als verdoppelt. Dass es heute dennoch viel mehr kinderlose Frauen gibt als Anfang der 1970er Jahre, liegt daran, dass mittlerweile deutlich mehr Frauen über einen Hochschulabschluss verfügen als damals.

Für Interviews steht Steffen Kröhnert unter 030-22324844 zur Verfügung.

 
 

 

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