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Von Florian Kohlbacher

 

Unser Online-Handbuch wurde zwischen 2008 und 2011 mit einer Förderung der Robert Bosch Stiftung verfasst. Dieser Artikel spiegelt den Stand von 2010 wider.

Weltweites Phänomen demografischer Wandel

 

Der demografische Wandel ist ein globales Phänomen. Eine Alterung und teilweise sogar ein Schrumpfen der Bevölkerung sind in fast allen Industrienationen, aber auch in einigen Schwellenländern zu beobachten. Diese Bevölkerungsentwicklung hat Auswirkungen auf die Gesellschaft, lässt aber auch die Wirtschaft nicht unberührt. Unternehmen weltweit müssen sich auf eine ältere Belegschaft und ältere Kunden einstellen, beide mit anderen Bedürfnissen als die der bisher im Fokus stehenden jüngeren Generationen.

Fast in Drittel der japanischen Bevölkerung wird im Jahr 2030 zur Generation 65plus zählen

Die mittlere Variante der Bevölkerungsvorausberechnungen geht davon aus, dass der Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten weiter stark wachsen wird – insbesondere in Japan und Südkorea (Datengrundlage: UN Population Division DESA).

Japan erlebt momentan die schnellsten demografischen Veränderungen innerhalb der führenden Industrienationen. Es ist aber nicht das einzige Land, auf das die Alterswelle zurollt. Auch in Deutschland geht die Entwicklung in eine ähnliche Richtung. Die Bevölkerungsalterung und der Geburtenrückgang sind auch auf dem deutschen Heimatmarkt und in den Mutterhäusern über kurz oder lang ein Thema. Ohne Frage wird der demografische Wandel zu den Herausforderungen gehören, denen sich global tätige Unternehmen in Zukunft stellen müssen. Erfahrungen in Japan können nicht nur wertvolle Hinweise für die gesellschaftlichen Implikationen des demografischen Wandels liefern, sondern auch Trends, Chancen und innovative Ansätze für die sich entwickelnden Märkte aufzeigen.

Im Jahr 2005 ist Japans Bevölkerung zum ersten Mal geschrumpft - auch seine Erwerbsbevölkerung. Sollten keine Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Senioren oder Frauen am Erwerbsleben zu beteiligen, wird die arbeitende Bevölkerung stark abnehmen. Einem Weißbuch des japanischen Kabinettamtes zufolge wird die Erwerbsbevölkerung von 66,57 Millionen im Jahr 2006 auf 42,28 Millionen Personen im Jahr 2050 sinken. Schon bis zum Jahr 2030 wird ein Rückgang um mehr als zehn Millionen Erwerbspersonen befürchtet. Prognosen zufolge wird bis zum Jahr 2015 bereits ein Viertel aller Japaner über 65 Jahre alt sein, bis zum Jahr 2025 bereits jeder Dritte. Bei den Frauen ist das Phänomen unter anderem aufgrund der höheren Lebenserwartung sogar noch stärker ausgeprägt als bei den Männern. 2009 machten die über 64-Jährigen 22,7 Prozent der Bevölkerung aus, bei den Frauen steht dieser Prozentsatz sogar bereits bei 25,4 Prozent, das heißt jede vierte Frau in Japan ist mindestens 65 Jahre alt (Männer: 20,0 Prozent). Die Generation 50plus liegt bei 43 Prozent der Gesamtbevölkerung und wird schon bald – Prognosen sehen den Prozentsatz im Jahr 2030 bei 54,03 Prozent – die Mehrheit in Japan bilden.

Japans Bevölkerung schrumpft weiter

Von 2005 bis 2050 wird die Bevölkerung Japans den Vorausberechnungen (mittlere Variante) zufolge um ein Fünftel schrumpfen. Auch Russland und Deutschland werden massiv an Einwohnern verlieren (Datengrundlage: UN Population Division DESA).

Japans Bevölkerungsstruktur hat sich bereits von der Form der traditionellen Bevölkerungspyramide abgekehrt und wird in den nächsten Jahren mehr und mehr die Form einer Raute annehmen. Damit wird sich die klassische Struktur im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf stellen. Die Anzahl der älteren Menschen in Japan wird weiterhin ansteigen, während die Bevölkerung insgesamt aufgrund geringer Geburtenraten Hochrechnungen zufolge auf zirka 95 Millionen im Jahr 2050 schrumpfen wird.

Japan: wenig Nachwuchs, viele ältere Menschen

Die Altersstruktur der japanischen Bevölkerung hat sich seit 1950 stark verändert: Glich sie 1950 noch einer Pyramide, so sind die am stärksten besetzten Altersgruppe heute die der um die 30-Jährigen sowie der Mittfünfziger. Bis 2050 wird sich der Schwerpunkt zu der Generation 65plus verschieben, nach unten hin werden die Altergruppen immer schwächer besetzt sein (Datengrundlage: National Institute of Population and Social Security Research).

Ausgelöst durch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur wird die Bevölkerung im er­werbsfähigen Alter in Zukunft in vielen Ländern immer stärker abnehmen. In Japan wurde diese Entwicklung unter dem Schlagwort "Jahr-2007-Problem" (nisennananen mondai) thematisiert, mit dem die planmäßige Pensionierung der Baby-Boomer-Generation ab 2007 bezeichnet wurde. Die japanische Baby-Boomer-Generation umfasst nach der engen Definition die Jahrgänge 1947 bis 1949 und macht einen beachtlichen Anteil der Erwerbsbevölkerung aus. Legt man die weite Definition, die auch die Jahrgänge 1950 und 1951 mit einschließt, zugrunde, so gibt es insgesamt 10,7 Millionen Baby-Boomer in Japan, von denen 2006 8,2 Millionen zur Erwerbsbevölkerung gehörten, mehr als 12 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung.

Japan verliert an Menschen im erwerbsfähigen Alter

Die mittlere Variante der Bevölkerungsvorausberechnungen geht von starken prozentuale Änderung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) aus – sowohl in den Jahren 2005 bis 2020 als auch in den Jahren 2020 bis 2050. Südkorea und China werden mittelfristig zwar noch Zuwächse verzeichnen, dann aber ebenfalls zunehmend weniger Menschen in dieser Altergruppe haben. Eine Ausnahme bilden die USA (Datengrundlage: UN Population Division DESA).

Ursprünglich sollte ein Großteil dieser Baby-Boomer mit Erreichen des 60. Lebensjahres zwischen 2007 und 2009 in den Ruhestand gehen. Die erwartete Pensionierungswelle zusammen mit dem demografischen Wandel in Form von Bevölkerungsalterung und -schrumpfung hätte für Unternehmen und Wirtschaft einige Probleme mit sich gebracht. Zum einen sind unter den Ruhestandskandidaten wichtige Wissensträger, zum anderen wurde ein Mangel an Arbeitskräften befürchtet.

Arbeitskräftemangel und Wissensverlust

 

Unternehmen müssen damit rechnen, dass der Arbeitskräftepool junger Japaner über kurz oder lang deutlich abnehmen wird. Diese Entwicklung – gekoppelt mit einer schrumpfenden Gesamtbevölkerung – führt dazu, dass sich Unternehmen in den kommenden Jahren vermutlich auf ein steigendes Durchschnittsalter ihrer Belegschaft einstellen müssen. Des Weiteren werden sich mit einer alternden Belegschaft auch Arbeitsabläufe und das Arbeitsumfeld langfristig ändern, denn ältere Mitarbeiter haben andere physiologische wie psychologische Möglichkeiten und Bedürfnisse und stellen auch andere Anforderungen an ihr Arbeitsumfeld.

Unter den alternden Mitarbeitern sind oft wichtige Wissensträger und Experten, deren nahende Pensionierung zu Wissensverlust und Erfahrungsschwund führt - vor allem dann, wenn ein besonders geburtenstarker Jahrgang, wie beispielsweise Japans Baby-Boomer, gleichzeitig in Rente geht und eine Firma den Abgang mehrerer Wissensträger auf einmal verzeichnen muss. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch die japanische Art des Wissensmanagements in Organisationen, die vor allem auf implizitem, schwer kodifizierbarem Wissen basiert. Nachdem sich japanische Firmen hauptsächlich auf die direkte Weitergabe von Wissen durch persönliche Kommunikation und Interaktion konzentriert haben, gibt es eine große implizite Wissensbasis, die nie wirklich externalisiert – also von implizitem in explizites Wissen umgewandelt – oder schriftlich dokumentiert wurde. Jetzt könnte dieses Wissen im wahrsten Sinne des Wortes einfach zur Türe hinaus spazieren, wenn die Baby-Boomer in den Ruhestand gehen. Außerdem ist in Firmen mit traditionell japanischem Beschäftigungssystem – lebenslange Anstellung und Senioritätsprinzip – die Notwendigkeit für eine systematische und explizite Wissensdokumentation bei weitem nicht so groß wie bei Betrieben mit höherer Fluktuation wie in vielen Firmen in Europa und Nordamerika. Wissen wird in japanischen Firmen hauptsächlich im direkten Kontakt – sowohl während der Arbeitszeit als auch abends bei den häufigen gemeinsamen Abendessen durch "nomunication" (Japanisch nomu = trinken) – sowie durch on-the-job training in impliziter Form weitergegeben. Dies braucht natürlich Zeit, so dass ein gleichzeitiges Ausscheiden vieler Wissensträger sofort zu einem großen Problem wird.

 

Aufgeschobener Ruhestand?

 

Allerdings ist die befürchtete Pensionierungswelle bisher ausgeblieben. Laut der "Labour Force Survey" des japanischen Ministry of Internal Affairs and Communications stiegen die Beschäftigtenzahlen in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen von 2007 bis 2008 um 9,3 Prozent, und von 2008 bis 2009 dann nochmals um vier Prozent. Dies spricht eindeutig gegen eine große Anzahl an Rentenabgängen in dieser Altersgruppe. Auch eine im August 2008 unter den Baby-Boomern durchgeführte Umfrage der Japan Organization for Employment of the Elderly and Persons with Disabilities ergab ein ähnliches Bild: Lediglich 20,6 Prozent der befragten Baby-Boomer gaben an, derzeit nicht zu arbeiten. Mehr als drei Viertel arbeiten nach wie vor Vollzeit, und etwa ebenso viele gaben an, aus finanzieller Notwendigkeit heraus weiter zu arbeiten. Gegen eine Pensionierungswelle spricht auch der hohe Anteil an Erwerbstätigen unter den älteren Generationen, speziell unter den Männern: die Erwerbsquote unter Männern im Alter von 60 bis 64 Jahren erhöhte sich von 70,9 Prozent im Jahr 2006 auf 76,5 Prozent im Jahr 2009 (bei den Frauen von 40,2 Prozent auf 44,6 Prozent); für Männer im Alter von 65 bis 69 Jahren steht sie 2009 bei 49,4 Prozent (Frauen 27,0 Prozent) und für Männer über 69 beträgt sie immerhin noch 19.9 Prozent (Frauen 8,3 Prozent). Zwischen 2005, dem Jahr vor Inkrafttreten der Novelle des "Gesetzes zur Stabilisierung der Beschäftigung älterer Personen", und 2009 hat sich die Anzahl der regulären Arbeitnehmer im Alter von 60 bis 64 Jahren um 80,8 Prozent, und die derjenigen 65 und älter um 104,9 Prozent erhöht; eine deutliche Auswirkung der im Jahr 2006 in Kraft getretenen Gesetzesnovelle. Diese stellt Firmen mit einem internen Ruhestandsalter von weniger als 65 Jahren vor die Wahl, entweder die interne betriebliche Altersgrenze anzuheben oder gar abzuschaffen oder ein Weiterbeschäftigungssystem einzuführen. Ziel der Novelle ist es, eine Anpassung des Rentenalters auf 65 Jahre bis zum Jahr 2013 zu erreichen. Eine Weiterbeschäftigung über dieses Alter hinaus bleibt den Firmen freigestellt.

Unabhängig davon, wann genau welche Generation in den Ruhestand gegangen ist und gehen wird: eine Rentenwelle im Jahre 2007 ist ausgeblieben. Auch eine ausschließliche Verschiebung des Rentenalters der Baby-Boomer auf 65 Jahre und eine damit einhergehende 2012-Problematik erscheint angesichts der zahlreichen Möglichkeiten für Firmen und Arbeitnehmer und einem effektiven Ruhestandsalter von fast 70 Jahren (für Männer) unwahrscheinlich. Trotzdem bleiben die Herausforderung einer alternden und schrumpfenden Be­völkerung und damit das Problem alternder Belegschaften und des Arbeitskräftemangels bestehen. Das verlangt nach Lösungen in allen Teilbereichen der Unternehmensstrategie.

Japan reagiert mit Gesetzesänderungen

Die Novelle des "Gesetzes zur Stabilisierung der Beschäftigung älterer Personen" (in Kraft getreten 2006) enthält verschiedene Maßnahmen, welche die Beschäftigung Älterer sichern sollen (Datengrundlage: Ministry of Health, Labour and Welfare).

Demografischer Wandel – Wandel der Märkte

 

Der demografische Wandel bringt auch eine Verschiebung der Marktsegmente mit sich: So steht dem – gemessen an der Anzahl junger Leute – immer kleiner werdenden Jugendsegment ein ständig wachsendes Seniorensegment gegenüber. In der Tat beunruhigen viele Marktteilnehmer die schrumpfende Kundenbasis junger dynamischer Käufer und die oft noch unbekannten Ansprüche einer älteren Zielgruppe. Der demografische Wandel bringt daher besonders für die Unternehmen Probleme mit sich, die ihr Marktangebot nicht anpassen oder ihre Abnehmerzielgruppe nicht erweitern. Allerdings bestimmt nicht nur die Anzahl potenzieller Kunden die Geschäftsmöglichkeiten: Kaufkraft und Konsumverhalten spielen eine entscheidende Rolle und können eine sinkende Kundenzahl unter Umständen kompensieren.

In Japan stehen momentan die Baby-Boomer als wichtigste Gruppe der älteren Konsumenten im Mittelpunkt der Geschäftsaufmerksamkeit. Die japanische Baby-Boomer-Generation galt schon immer als enorm aktive und tatkräftige sowie auch konsumorientierte, wohlhabende Bevölkerungsgruppe, die zudem eine ausgeprägte Neugier für technische Neuerungen und eine entsprechende Kaufbereitschaft mitbringt. Mit der Pensionierung kommt dann noch die neu gewonnene freie Zeit hinzu. Dies macht diese kaufkräftige und konsumwillige Generation als potenzielle Zielgruppe im Silbermarkt für Unternehmen besonders interessant. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Senioren ihr akkumuliertes Einkommen und Vermögen eher ausgeben als sparen. Japanische Privathaushalte mit Haushaltsvorständen über 50 Jahren geben pro Kopf erheblich mehr Geld für den Konsum aus als die Altersgruppen zwischen von 30 und 49 Jahren. Über welch immense Kaufkraft die Senioren verfügen, macht auch ein Blick auf die Ersparnisse deutlich: So besitzen japanische Haushalte mit Haushaltsvorständen über 59 Jahren durchschnittliche Ersparnisse von knapp 20 Millionen. Die Senioren bilden damit die Spitzengruppe aller Altersgruppen. Pro Person ergeben sich für die Generation der über 70-jährigen Japaner damit statistisch im Durchschnitt Ersparnisse von mehr als zehn Millionen Yen, dicht gefolgt von den 60- bis 69-Jährigen mit 8,6 Millionen Yen. Laut den neuesten Schätzungen aus dem Jahr 2009 halten ältere Menschen in Japan tatsächlich einen überdurchschnittlich hohen Anteil des persönlichen Finanzvermögens: Leute in ihren 50ern besitzen 21 Prozent, jene in ihren 60ern sogar 31 Prozent des Gesamten und jene, die 70 Jahre oder älter sind, 28 Prozent, das heißt zusammen genommen besitzt die Generation 50plus in Japan etwa 80 Prozent des gesamten persönlichen Finanzvermögens. Außerdem haben sie in der Regel kaum Schulden und leben meist in einer eigenen Immobilie. Allerdings gilt dies keinesfalls für alle älteren Menschen in Japan und für die Zukunft lässt sich eher ein Anstieg an ärmeren Senioren erwarten. Momentan ist der Silbermarkt aber tatsächlich noch ein Wachstumsmarkt, sowohl auf der Nachfrager- als auch auf der Anbieterseite. So sind beispielsweise seit Mitte der 1980er die Konsumausgaben der über 60-Jährigen deutlich stärker angestiegen als die der 35- bis 39-Jährigen. Allerdings hinterlässt auch hier die Finanzkrise ihre Spuren und einige Firmen mussten feststellen, dass etwa der Konsum durch die Baby-Boomer-Generation sich nicht so stark entwickelt hat wie ursprünglich erwartet. Anstatt ihr Vermögen für sich selbst auszugeben, müssen nun viele Baby-Boomer ihre Kinder oder Enkelkinder finanziell unterstützen oder sparen aufgrund der unsicheren Zukunft ihr Geld.

Unter 20-Jährige konsumieren am meisten

Am wenigsten gibt die Gruppe der Haushalte mit Haushaltvorständen im Alter von 30- bis 39-Jahren für Konsum aus. Mit steigendem Alter wachsen dann auch die durchschnittlichen monatlichen Konsumausgaben für eine Person pro Haushalt. Erst ab einem Alter von 70 Jahren sinken die Ausgaben wieder (Datengrundlage: Ministry of Internal Affairs and Communications).

Je älter, desto mehr Ersparnisse

Die Altersgruppe der über 69-Jährigen hat im Durchschnitt etwa doppelt soviel Ersparnisse angehäuft wie die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen (für eine Person pro Haushalt nach Alter des Haushaltsvorstands in Millionen Yen, 2008, in Haushalten mit zwei oder mehr Personen). Die höchsten Schulden hat die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (Datengrundlage: Ministry of Internal Affairs and Communications).

Der Silbermarkt oder "Wachstumsmarkt Alter" wird sehr unterschiedlich definiert und umfasst je nach Auslegung alle Menschen über 50 oder 55 Jahre (Generation 50plus oder 55plus) bis ins hohe Alter von 90 bis 100 Jahren. Das bedeutet, dass auch jüngere Altersgruppen als die Baby-Boomer, insbesondere aber ältere Generationen ebenfalls zu diesem Segment gezählt werden.

In Japan werden 2025 die über 50-Jährigen etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen und der Anteil der über 65-Jährigen wird bis zum Jahre 2050 von 18,5 Prozent im Jahr 2002 bereits auf 35,6 Prozent angestiegen sein. Vielen von Japans Senioren geht es finanziell so gut, dass man sie als rojin kizoku, "alter Adel", bezeichnet. Allerdings gilt dies keinesfalls für alle älteren Menschen in Japan und für die Zukunft lässt sich eher ein Anstieg an ärmeren Senioren erwarten. Momentan ist der Silbermarkt aber tatsächlich noch ein Wachstumsmarkt, sowohl auf der Nachfrager- als auch auf der Anbieterseite. Seit Mitte der 1980er sind die Konsumausgaben der über 60-Jährigen deutlich stärker angestiegen als die der 35- bis 39-Jährigen.

Auf Anbieterseite entstehen als Reaktion auf die Alterung und die damit aufkommenden neuen Wünsche und Bedürfnisse verschiedene neue Geschäftszweige und -möglichkeiten. Japanische Unternehmen haben daher schon früh und zum Teil mit großem Erfolg begonnen, bestehende Produkte zu adaptieren und neue Produkte, Technologien für diese Zielgruppe zu entwickeln. Ob benutzerfreundliche Handys oder Roboter für die Altenpflege oder Premiumangebote, um das Rentnerleben zu genießen, immer mehr japanische Unternehmen stellen sich mit innovativen Produkten auf den wach¬senden Markt für die alternde Bevölkerung ein. Allerdings gilt dies nach wie vor nur für eine eingeschränkte Anzahl an Pionierfirmen, und selbst diese haben erst die Spitze des Eisbergs dieses großen Marktpotenzials erreicht.

Literatur / Links

 

Florian Kohlbacher / Cornelius Herstatt (2008): The Silver Market Phenomenon: Business Opportunities in an Era of Demographic Change. Berlin.

Florian Kohlbacher / Pascal Gudorf / Cornelius Herstatt (2009): Silver Business in Japan: Auswirkungen des demographischen Wandels auf Personalpolitik und Marketing. Hgg. v. der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Japanstudien und dem Institut für Technologie- und Innovationsmanagement an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH). Tokio/Hamburg-Harburg. http://www.japan.ahk.de

UN Population Division DESA (2009): World Population Prospects – The 2008 Revision Population Database. New York. esa.un.org/unpp/

National Institute of Population and Social Security Research (2009): Jinko piramiddo dota [Population Pyramid Data]. Tokio. www.ipss.go.jp

Ministry of Health, Labour and Welfare (2006) 65 sai made no teinen no hikiage nado no sumiyaka na jisshi wo! [The Prompt Implementation of the Raise of the Mandatory Retirement Age to 65 Years etc.]. Tokio. www.mhlw.go.jp

Ministry of Internal Affairs and Communications (2009): Family Income and Expenditure Survey. Statistics Bureau. Tokio. http://www.soumu.go.jp

 

Stand: Mai 2010

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