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Von Margret Karsch und Rainer Münz

 

Die zentralen Faktoren, die Bevölkerungsentwicklungen bestimmen, sind Fertilität, Mortalität und Migration.

Hinsichtlich der Entwicklung der Fertilität kommt den Geschlechterrollen und der Familienplanung besondere Bedeutung zu, wobei hier die Kontrazeption in Europa und die Kontrazeption weltweit getrennt betrachtet werden. Bei der Mortalität spielt die Immunschwächekrankheit Aids global eine unterschiedlich starke Rolle. Neben allgemeinen Informationen zu HIV/Aids verdient die stark divergierende regionale Dynamik besondere Beachtung. Der Faktor Migration, dem sich verschiedene Migrationstheorien widmen, lässt sich differenzieren in Internationale Migration, Binnenmigration und Umweltmigration. Des Weiteren sind in diesem Zusammenhang andere mögliche Ursachen von Migrationsbewegungen wie Flucht und Vertreibung sowie als Folge die Integration relevant.

Weitere Schlüsselbegriffe und -konzepte, die hier vorab definiert werden, um das Verständnis der Artikel sicherzustellen, sind "Gesamtfruchtbarkeitsrate", "Lebenserwartung bei der Geburt", "Säuglingssterberate" und "Morbidität".


Fertilität

 

Die Fertilität bezeichnet die Zahl der Lebendgeburten von Frauen. Sie ist zu unterscheiden von der Fortpflanzungsfähigkeit, also der biologischen Fruchtbarkeit. Die Fertilität wird von zahlreichen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und anderen umweltspezifischen Bedingungen beeinflusst.

 

Gesamtfruchtbarkeitsrate

 

Die Gesamtfruchtbarkeitsrate (beziehungsweise Total Fertility Rate, TFR) fasst die Fertilität aller Frauen an einem Bezugspunkt zu einer einzigen Zahl zusammen. Diese entspricht der Gesamtkinderzahl einer Frau, die sie haben würde, wenn die Fruchtbarkeitsziffern eines bestimmten Jahres für ihre gesamte gebärfähige Zeit auf sie zuträfen. Die Gesamtfruchtbarkeitsrate ist ein zusammengesetztes Maß: Keine einzelne Frau würde sich ihr Leben lang entsprechend der alterspezifischen Fruchtbarkeitsziffern eines einzelnen Jahres verhalten. In Wirklichkeit ändern sich die alterspezifischen Ziffern von Jahr zu Jahr, wenn auch nur geringfügig.

So können etwa Frauen, die im Jahr 2007 zwischen 15 und 19 Jahre alt waren, in diesem Lebensalter weniger Kinder bekommen als diejenigen, die 1980 dieser Altersgruppe angehört haben, weil sie erst zu einem späteren Zeitpunkt ihr erstes Kind bekommen möchten. Somit spiegeln die jährlichen Schwankungen der Gesamtfruchtbarkeitsrate das Lebensalter von Frauen bei ihrer ersten Geburt wider, das sich auf die durchschnittliche Kinderzahl auswirkt. Doch auch wenn man jährliche Veränderungen berücksichtigt, kommt die Gesamtfruchtbarkeitsrate dem aktuellen Stand der Fertilität einer Bevölkerung sehr nahe.

Weltweit liegt die Gesamtfruchtbarkeitsrate derzeit bei 2,4 Kindern pro Frau. In den Industrieländern bringen Frauen derzeit durchschnittlich 1,6 Kinder zur Welt, während in den Entwicklungsländern 2,6 Kinder pro Frau geboren werden (3,0 ohne China).

Dabei schwanken die Raten von Land zu Land erheblich. In vielen Ländern Subsahara-Afrikas, Süd- und Südostasiens sowie des Nahen Ostens liegt die Gesamtfruchtbarkeitsrate bei über fünf Kindern:

  • Afghanistan: 6,2
  • Jemen: 5,2
  • Liberia: 5,4
  • Somalia: 6,4
  • Uganda: 6,2

In den meisten Industrieländern dagegen erreicht die Gesamtfruchtbarkeitsrate nicht mehr das Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau, ab dem sich die Zahl einer Bevölkerung langfristig stabilisiert, indem sich jede Generation selbst "ersetzt".

  • Bulgarien: 1,5
  • Dänemark: 1,8
  • Deutschland: 1,4
  • Frankreich: 2,0
  • Italien: 1,4
  • Spanien: 1,4

Mortalität / Sterblichkeit

 

Die rohe Sterberate (Crude Death Rate) bezeichnet die Zahl der Sterbefälle pro 1.000 Einwohner in einem Jahr. Sie ist stark vom Anteil der Älteren in einer Bevölkerung beeinflusst und sagt daher für sich allein nicht viel aus über den Gesundheitszustand und die Sterblichkeit in einem bestimmten Land aus.

So hat Schweden beispielsweise mit 82 Jahren eine hohe Lebenserwartung bei der Geburt, gleichzeitig aber auch eine rohe Sterberate von 10 Sterbefällen pro 1.000 Einwohner. In Nicaragua liegt die Lebenserwartung mit durchschnittlich 74 Jahren zwar niedriger, doch wegen des weitaus höheren Anteils jüngerer Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung beträgt die Sterberate in Nicaragua nur fünf.

Lebenserwartung bei der Geburt

 

Die Lebenserwartung bei der Geburt umfasst die durchschnittliche Zahl an Jahren, die ein Neugeborenes unter Berücksichtigung der in seinem Geburtsjahr vorherrschenden Sterberaten zu leben erwarten kann. Mit steigendem Alter nimmt die Lebenserwartung eines Individuums aufgrund des medizinischen Fortschritts im Allgemeinen zu.

Die Lebenserwartung bei der Geburt wird stark von der Rate der Säuglings- und Kindersterblichkeit und von Krankheiten wie HIV/Aids beeinflusst, deren Opfer vornehmlich relativ junge Altersgruppen angehören.

Säuglingssterberate

Die Säuglingssterberate bezeichnet die Zahl der Sterbefälle von Kindern unter einem Jahr je 1.000 Lebendgeburten im gleichen Zeitraum. Die Säuglingssterberate gilt als guter Indikator für den Stand der Gesundheitsversorgung in einem Land.

Morbidität

 

Die Morbidität umfasst alle Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen, die in einer Bevölkerung vorkommen. Daten über ihr Auftreten, ihre Häufigkeit und Verteilung können zur Bekämpfung ihrer weiteren Ausbreitung und manchmal auch zur Analyse ihrer Ursachen beitragen.

Literatur / Links

 

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung / PRB: Datenreport 2007.

Arthur Haupt / Thomas T. Kane (1999): Handbuch Weltbevölkerung, Stuttgart.

Carl Haub (2002): Dynamik der Weltbevölkerung, Stuttgart.

Population Reference Bureau (2012): 2012 World Population Data Sheet, Washington, DC.

 

Artikel von Oktober 2007, aktualisiert durch Mitarbeiter des Berlin-Instituts im Oktober 2012

 

Nachdruck und Weiterverwendung des Artikels unter Angabe der Quelle erlaubt. Um Zusendung eines Belegexemplars wird gebeten.

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