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von Rainer Münz

 

Definition

 

Internationale Migration ist eine spezifische Form räumlicher Mobilität. Herkunft und Ziel der Migranten liegen in verschiedenen Ländern. Dabei gelten nur jene Personen als internationale Migranten, die ihren Wohnsitz für eine bestimmte Mindestdauer oder für unbestimmte Zeit - eventuell für immer - ins Ausland verlegen. Touristen, Tages- oder Wochenpendler mit Arbeitsplatz im benachbarten Ausland und kurzfristig in einem andern Land beschäftigte Personen sind nach dieser UN-Definition keine internationalen Migranten.

Von welcher Aufenthaltsdauer an jemand als Migrant oder Migrantin gilt, ist von Land zu Land verschieden. In Deutschland erfassen offizielle Migrationsstatistiken auch Ausländer mit lediglich dreimonatigem Aufenthalt. In der Schweiz gelten nur Personen mit mindestens zwölfmonatigem Aufenthalt als Zuwanderer. In den USA können sich Studierende und temporäre Arbeitskräfte über mehrere Jahre aufhalten, ohne offiziell als Einwanderer gezählt zu werden. Im Gegensatz zu europäischen Volkszählungen erfasst der US-amerikanische Zensus auch illegal anwesende Personen ohne Aufenthaltsrecht. In etlichen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas werden Aus- oder Einwanderer in der amtlichen Statistik nicht eigens ausgewiesen. Andere Länder der "Dritten Welt" verfügen über gar keine amtliche Statistik. Deshalb lässt sich nicht genau angeben, wie viele internationale Migranten es derzeit weltweit gibt. Die Vereinten Nationen schätzten die Zahl der internationalen Migranten für das Jahr 2005 auf 191 Millionen. Das entspricht etwa drei Prozent der Weltbevölkerung.

UNHCR-Statistik zum 1. Januar 2006

Quelle: http://www.unhcr.de/pdf/594.pdf

Historischer Überblick


Räumliche Bewegung gab es zu allen Zeiten. Zu etwas Besonderem wurde sie erst mit der Sesshaft-Werdung von Menschen in der neolithischen Revolution. Beispiele für historisch folgenreiche Migrationsbewegungen sind die Germanische Völkerwanderung aus dem Ostsee-Raum in das Gebiet des römischen Reichs (4. bis 7. Jahrhundert), die Ausbreitung der Araber in Nordafrika und Mesopotamien (7. bis 9. Jahrhundert), die Einwanderung der Ungarn nach Europa (10. Jahrhundert) oder der osmanischen Türken nach Kleinasien (13. Jahrhundert). In allen diesen Fällen handelte es sich um eine Eroberungs- und Siedlungsmigration. Trotzdem waren daran in der Regel nur einige 10.000 Personen beteiligt.

Zu einem Massenphänomen wurde Migration erst während der industriellen Revolution. Eine Voraussetzung war die Entstehung industrieller Arbeitsplätze. Eine zweite Voraussetzung waren die erst seit damals existierenden Massenverkehrsmittel: Eisenbahn und Dampfschiff, später auch Autobus und Flugzeug. Denn dadurch konnten Menschen in größerer Zahl kostengünstig transportiert werden. Innerhalb Europas führte dieses zu einer erheblichen Binnenmigration, später auch zur Rekrutierung ausländischer Arbeitsmigranten. Arbeitskräfte wanderten zu Hunderttausenden aus den agrarischen Peripherien Europas in die Metropolen und Industrieregionen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Österreich-Ungarns. Frankreich begann als erstes europäisches Land bereits in den 1840er Jahren Ausländer als Arbeitskräfte ins Land zu holen, andere westeuropäische Länder folgten diesem Beispiel erst Mitte des 20. Jahrhunderts.

Daneben gab es Hunderttausende, die als Angehörige ethnischer oder religiöser Minderheiten verfolgt wurden und schließlich ins Ausland flohen: zum Beispiel im 16. Jahrhundert Juden aus Spanien und Portugal in die Niederlande und in die Türkei; im 17. Jahrhundert Hugenotten aus Frankreich nach Preußen sowie Anhänger diverser protestantischer Freikirchen aus England, West- und Mitteleuropa nach Amerika; im 18. Jahrhundert Protestanten aus Salzburg und den Habsburgischen Ländern; im 19. Jahrhundert vor allem osteuropäische Juden aus Russland, der Ukraine, dem heutigen Polen und dem Baltikum.

Schon seit dem Zeitalter der Entdeckungen und Eroberungen wurde Europa zu einem Auswanderungskontinent. Insgesamt wanderten zwischen 1750 und 1950 rund 70 Mio. Personen aus Europa nach Übersee, insbesondere nach Nord- und Südamerika, Algerien, ins südliche Afrika, Palästina, Australien und Neuseeland. Zu den Auswanderern gehörten politische und religiöse Dissidenten, Abenteurer, aber vor allem Arme und Besitzlose.

Zum Teil handelte es sich bei den europäischen Überseewanderungen um eine Siedlungsmigration in jene Kolonien, die mehrere europäische Staaten zwischen dem 16. und frühen 19. Jahrhundert erobert hatten. Erst durch diese Siedler stellten Menschen europäischer Herkunft in etlichen dieser Kolonien ab dem 19. Jh. die Mehrheit, während die Einheimischen zur Minderheit wurden.

Überseewanderungen stellten bereits teilweise eine moderne Form der Arbeitsmigration dar. Diese erfolgte allerdings nicht nur aus Europa nach Nord- und Südamerika. Innerhalb des britischen Empire wurden Inder seit dem 19. Jahrhundert als Arbeitskräfte nach Ost- und Südafrika, in die Karibik, Guyana und nach Fiji gebracht. In Südostasien rekrutierten Briten und Niederländer in größerer Zahl chinesische Arbeitskräfte für die wachsende Plantagenwirtschaft. Aber auch im westlichen Teil der USA und Kanadas wurden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert chinesische Arbeitsmigranten für den Eisenbahnbau und als Holzarbeiter rekrutiert. Unmittelbarer Vorläufer dieser internationalen Migration von Arbeitskräften war der internationale Sklavenhandel. Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert wurden rund 12 Millionen Menschen - vor allem Bewohner des subsaharischen Afrikas - als Sklaven nach Nord- und Südamerika verkauft. Rund zwei Millionen Afrikaner kamen als Sklaven in arabische Länder.

Haupttypen der Migration im 20. Jahrhundert


Deportation, Flucht und ethnische Säuberung


Im 20. Jahrhundert wanderte weltweit die bislang größte Zahl von Menschen. Zu einem beträchtlichen Teil handelte es sich dabei um unfreiwillige Wanderungen: also um Flucht, Vertreibung oder staatlich erzwungenen Austausch von Bevölkerungen. Auslöser von Massenflucht und Vertreibung waren zum Beispiel die russische Oktoberrevolution von 1917 (1,5 Millionen), der türkisch-griechische Krieg von 1922 (zwei Millionen), Politik und Rassenwahn des nationalsozialistischen Deutschland (sechs Millionen KZ-Opfer, 8,5 Millionen Zwangsarbeiter), die politische Neuordnung nach dem Ende des Weltkriegs II (zwölf Millionen vertriebene Deutsche, zwölf Millionen vertriebene Polen und Ukrainer), die Gründung Indiens und Pakistans 1947 (elf Millionen vertriebene Moslems und Hindus) und die Gründung Israels (0,8 Millionen vertriebene Palästinenser). Allein in Europa waren im 20. Jahrhundert fast 45 Millionen Menschen von Flucht, Deportation und ethnischer Säuberung über Landesgrenzen betroffen.

Nach 1950 kam es zum Massenexodus aus kommunistisch regierten Ländern; insbesondere aus der DDR (1950 bis 1961 sowie 1989), der Volksrepublik China (ab 1950), Ungarn (1956), Kuba (ab 1959), der Tschechoslowakei (1968), Polen (1980/81), Rumänien (1990/91) und Albanien (ab 1990). In der Zeit des Kalten Kriegs erhielten diese Migranten im Westen als politische Flüchtlinge Asyl, obwohl bei vielen wirtschaftliche Motive im Vordergrund standen. Seit den 1990er Jahren haben Asylbewerber in Westeuropa, den USA und Australien hingegen wesentlich geringere Chancen, als Flüchtlinge anerkannt zu werden.

Im späten 20. Jahrhundert führten Bürgerkriege und gewaltsame politische Konflikte in Angola, Mosambik, El Salvador, Guatemala, dem Sudan, Kambodscha, Afghanistan, Ruanda, dem Kaukasus, dem Irak, der Türkei sowie in Kroatien, Bosnien und dem Kosovo zu erheblichen Flüchtlingsströmen. Nur eine Minderheit der Flüchtlinge konnte später wieder in die Heimat zurückkehren. Der größere Teil blieb im Ausland; viele lebten über Jahre und manche sogar über Jahrzehnte in Flüchtlingslagern. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) schätzt, dass es im Jahr 2007 rund 9,68 Millionen internationale Flüchtlinge gab. Hinzu kamen zum selben Zeitpunkt etwa 20 Millionen Binnenvertriebene sowie mehrere Millionen palästinensische Flüchtlinge, die nicht unter das Mandat des UNHCR fallen.

Die zehn größten Herkunftsländer von Flüchtlingen im Jahr 2005

Quelle: http://www.unhcr.de/pdf/594.pdf

Entkolonialisierung, postkoloniale Migration

Durch die Entkolonialisierung kehrten seit den 1950er Jahren eine große Zahl von kolonialen Siedlern, Beamten und Soldaten nach Großbritannien, Frankreich und in die Niederlande, 1974/75 schließlich nach Portugal zurück. Auch die in den 1990er Jahren erfolgte Rückwanderung von rund fünf Millionen ethnischen Russen aus Zentralasien, dem Kaukasus und dem Baltikum nach Russland ist letztlich das Resultat eines Entkolonialisierungsprozesses.

Seit den 1950er Jahren wanderten auch einheimische Bewohner der ehemaligen Kolonialgebiete Süd- und Südostasiens, Afrikas und der Karibik in die ehemaligen "Mutterländer". Motive hierfür waren schlechte Lebensbedingungen sowie politische und ethnische Konflikte in den neu gegründeten Staaten der Dritten Welt. Gefördert wurde dieser Migrationstypus von der zunehmenden Nachfrage nach billigen, weniger qualifizierten Arbeitskräften in Europa.

Die postkolonialen Wanderungen wurden anfangs dadurch erleichtert, dass die Mutterländer Bewohnern ihrer ehemaligen Überseegebiete die Staatsbürgerschaft zuerkannten oder sie zumindest als bevorzugte Einwanderer behandelten und diese meist schon Englisch, Französisch, Niederländisch oder Portugiesisch sprachen. Dies erleichterte die Einwanderung von Iren, Indern, Pakistanern, Bangladeschern und englischsprachigen Afrokaribiern nach Großbritannien, von Vietnamesen, Nord- und Westafrikanern nach Frankreich sowie von Molukkern und Surinamern in die Niederlande.

Arbeitsmigration

In den USA begann die gezielte Rekrutierung von Arbeitsmigranten bereits im späten 19. Jahrhundert, als Chinesen in den Westen der USA geholt wurden. Später kamen temporäre Arbeitskräfte vor allem aus Mexiko. Zwischen 1942 und 1964 erfolgte die Rekrutierung von Mexikanern auf Basis des so genannten "Bracero-Programs". Im Gegensatz zu regulären Immigranten war bei diesen Arbeitskräften keine dauerhafte Niederlassung in den USA vorgesehen. Auch nach 1964 kamen in größerer Zahl irreguläre Migranten vor allem aus Mexiko und Südamerika in die USA. Viele von ihnen konnten ihren Status 1986 bis 1989 legalisieren. Im Jahr 2006 ergab eine Schätzung, dass erneut zehn bis 13 Millionen irreguläre Migranten, überwiegend Arbeitsmigranten, in den USA lebten.

In Europa haben Frankreich und die Schweiz eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte. Mitte der 1950er Jahre begannen auch andere Länder Westeuropas, wenig qualifizierte Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren. Diese Arbeitskräfte kamen anfangs aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland, später auch aus Nordafrika, der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Meist erfolgte dies im Rahmen bilateraler Verträge zwischen den Herkunfts- und Zielländern. Anfang der 1970er Jahre erreichte die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte in Westeuropa ihren ersten Höchststand. Nach dem ersten Ölpreisschock 1973 erfolgten in Westeuropa ein Anwerbestopp für Arbeitsmigranten und Zuzugsbegrenzungen für Bewohner ehemaliger Kolonialgebiete. In der Folge kam es jedoch durch den Nachzug von Familienangehörigen und durch Netzwerkmigration zu einer weiteren Zuwanderung von Personen aus den Herkunftsländern der Arbeitsmigranten.

In Summe brachte die Internationalisierung der europäischen Arbeitsmärkte über 30 Millionen Menschen nach Westeuropa oder aus peripheren Regionen Westeuropas - wie Irland, Portugal, Süditalien, Finnland - in die industriellen Zentren und Großstädte. Nur ein Teil dieser Arbeitskräfte blieb im Zielland. Viele kehrten später ins Herkunftsland zurück.

Neben den regulären gibt es in Europa eine wachsende Zahl illegaler und irregulärer Arbeitsmigranten. Viele von ihnen bleiben nur für wenige Wochen oder Monate, wodurch in den letzten Jahren neue Typen von Saisonarbeit und Pendelwanderung über größere Entfernungen entstanden sind. Seit den späten 1980er Jahren erhielten in den EU-Staaten und der Schweiz insgesamt 3,8 Millionen irreguläre Migranten eine temporäre oder langfristige Aufenthaltsgenehmigung. Hauptherkunftsländer und -regionen dieser Personen waren Albanien, Bulgarien, Ecuador, Kolumbien, Marokko, Polen, Rumänien, die Ukraine,  einige andere Länder des Balkans, Südamerikas sowie Süd- und Südostasien.

Außerhalb Europas und Nordamerikas findet Arbeitsmigration derzeit vor allem aus Süd- und Südostasien in die arabischen Golf-Staaten, aus angrenzenden Staaten des südlichen Afrika nach Südafrika, innerhalb Südostasiens nach Malaysia und Singapur sowie innerhalb Südamerikas aus ärmeren Andenstaaten nach Brasilien und Argentinien statt.

Ethnisch privilegierte Migranten


Etliche Staaten haben spezielle Einwanderungsprogramme für Angehörige ihrer "eigenen" ethnischen oder religiösen Diaspora. Bekanntestes Beispiel ist Israel, wo alle Personen jüdischer Abstammung beziehungsweise jüdischen Glaubens einwandern dürfen (1948 bis 2004: drei Millionen). Deutschland gewährt seit 1950 Angehörigen deutscher Minderheiten in Ostmittel- und Osteuropa das Recht auf Einwanderung und direkten Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft (1950 bis 2005: 4,5 Millionen). Russland akzeptierte während der 1990er Jahre die Zuwanderung von Bürgern anderer Nachfolgestaaten der UdSSR (1990 bis 2000: rund fünf Millionen), darunter mehrheitlich ethnische Russen.

 

Migranten weltweit

 

Derzeit gibt es nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit 191 Millionen internationale Migranten. Das heißt: Drei Prozent der Weltbevölkerung leben außerhalb des Landes, in dem sie geboren wurden. Wichtigstes Ziel von Migranten ist Nordamerika, gefolgt von Westeuropa, den arabischen Golf-Staaten und Australien. Große Zahlen von (überwiegend unfreiwilligen) internationalen Migranten gibt es darüber hinaus in der unmittelbaren Nachbarschaft politischer Krisenregionen.

In den USA und in Kanada geben Volkszählungen Auskunft über die zugewanderte Bevölkerung. Nach einer längeren Periode mit restriktiver Migrationspolitik lebten 1950 in den USA zehn Millionen eingewanderte Personen (6,9 Prozent der Bevölkerung). Bis 1970 fiel dieser Anteil auf 4,7 Prozent und stieg seither kontinuierlich auf 12,4 Prozent beziehungsweise 37,2 Millionen Zuwanderer (2007).

Zugewanderte Bevölkerung in den USA und Kanada, 1950 bis 2001

Quelle: US census, Canadian census

In Kanada veränderte sich der Anteil der Zugewanderten in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. kaum, während die Zahl deutlich stieg: von 2,1 Millionen beziehungsweise 14,7 Prozent der Gesamtbevölkerung (1951) auf über 3,8 Millionen, beziehungsweise 15,9 Prozent (1981) auf 5,4 Millionen beziehungsweise 18,4 Prozent (2001). Insgesamt lebten zu Beginn des 21. Jhdts. in Nordamerika rund 42 Millionen Menschen, die in einem Drittstaat zur Welt kamen. In Australien lag der Anteil der zugewanderten Bevölkerung bei 24,1 Prozent (2006: 5,0 Millionen).

1950 lebten in der westlichen Hälfte Europas (alte EU-15, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz) nur 3,8 Millionen Ausländer. Bis 1970/71 stieg diese Zahl auf fast elf Millionen. 2005 lebten gut 24 Millionen Ausländer in diesen 18 Staaten Europas. Zählt man die zehn neuen EU-Staaten dazu, stieg die Anzahl der Ausländer in Europa (EU-25, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz) auf 26,6 Millionen. Hinzu kamen rund acht Millionen eingebürgerte oder bereits als Staatsbürger des Ziellandes eingewanderte Personen.

1950 war die Zahl der Ausländer in Frankreich bei weitem am größten. 1970 war Deutschland innerhalb Europas das Land mit der größten Zahl wohnhafter Ausländer. Danach folgten Frankreich, Großbritannien und die Schweiz. Die Mehrheit dieser Ausländer waren Arbeitsmigranten.

Heute leben in der EU-25, den übrigen EWR-Staaten und der Schweiz zusammen rund 472 Millionen Menschen. Etwa 42 Millionen von ihnen sind Zuwanderer, haben also ihren Geburtsort in einem anderen europäischen oder aussereuropäischen Land. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, denn etliche Länder Europas unterscheiden in ihrer Statistik nicht detailliert zwischen den im eigenen Land und den anderswo Geborenen, sondern zwischen In- und Ausländern. Primäres Unterscheidungsmerkmal ist also in mehreren Ländern die Staatsbürgerschaft, nicht das Geburtsland. In diesen Fällen sind wir auf Schätzungen angewiesen. Trotzdem ist klar: Heute leben in West- und Mitteleuropa deutlich mehr Zuwanderer als in den USA. Zieht man allerdings die Wanderungsbewegungen zwischen den EU/EWR-Staaten ab (was in den USA der dortigen Binnenwanderung entspräche), liegen die USA weiterhin vor West- und Mitteleuropa.

Europa; Ausländische (I) und zugewanderte(II) Bevölkerung EU/EWR in 2005

Anmerkungen: (I) EU-Bürger und Bürger von Drittstaaten. (II) In anderen EU-Staaten und in Drittstaaten geborene Personen. (III) Ohne Malta. (IV) Nur griechischer Teil von Zypern. Quelle: OECD (2006) and United Nations World Population Fund, State of World Population 2006.

Wichtigstes Zielland in West- und Mitteleuropa ist die Bundesrepublik Deutschland mit ca. 10,1 Millionen Zuwanderern. Weltweit ist dies (nach den USA und Russland) die drittgrösste zugewanderte Bevölkerung. Danach folgen Frankreich (6,5 Millionen), Grossbritannien (5,4 Millionen), Spanien (4,8 Millionen) und Italien (2,5 Millionen). Auch in der Schweiz (1,7 Millionen), den Niederlanden (1,6 Millionen), Österreich (1,2 Millionen), Schweden (1,1 Millionen) und Griechenland (1,0 Millionen) in ist eine beträchtliche Zahl der Einwohner im Ausland geboren.

Im europäischen Durchschnitt beträgt der Anteil der Zuwanderer etwa 8,6 Prozent. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Zuwanderer in Kleinstaaten wie Luxemburg (37,4 Prozent) und Liechtenstein (33,9 Prozent) am grössten. Unter den Flächenstaaten Europas hat die Schweiz mit rund 22,9 Prozent den grössten Zuwandereranteil. Danach folgen Lettland (19,5 Prozent) und Estland (15,2 Prozent) und, wobei dort der überwiegende Teil der im (heutigen) Ausland geborenen Bevölkerung zu sowjetischer Zeit als Binnenwanderer ins Land gekommen war. Deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegen auch Österreich (15,1 Prozent), Irland (14,1 Prozent), Zypern (13,9 Prozent), Schweden (12,4 Prozent), Deutschland (12,3 Prozent) und Spanien (11,1 Prozent).

Mehr als die Hälfte aller Zugewanderten besitzt nur die Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes. Insgesamt lebten 2005 in West- und Mitteleuropa rund 24 Millionen ausländische Staatsbürger.

Literatur / Links

 

www.census.gov

www.unhcr.org

 

Stand: April 2009

Artikel als PDF

 

 

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