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Von Prof. Dr. Dr. Ulrich Mueller

 

Unser Online-Handbuch wurde zwischen 2008 und 2011 mit einer Förderung der Robert Bosch Stiftung verfasst. Dieser Artikel spiegelt den Stand von 2009 wider.

Demografische Daten über Individuen stammen im Wesentlichen aus zwei Typen von Quellen: Sie fallen bei der fortlaufenden Registrierung personenbezogener Ereignisse im Rahmen staatlichen Verwaltungshandelns einschließlich staatlicher Daseinsfürsorge an, oder sie stammen aus Umfragen, die entweder als staatlich organisierten Total- oder Teilerhebungen (Zensen) mit Antwortpflicht oder als Erhebungen an Stichproben von Freiwilligen durchgeführt werden.

Allgemeine Bevölkerungsregister


In allen Staaten werden Geburt und Tod, Heirat und Scheidung durch staatliche oder religiöse Institutionen registriert. In modernen Staaten werden Auszüge oder Kopien dieser Dokumente an zentraler Stelle – typischerweise dem Nationalen Statistischen Amt – gesammelt und der Forschung zugänglich gemacht. In den USA übernimmt dies das National Vital Statistics System des National Center of Health Statistics , in Deutschland das Statistische Bundesamt in Wiesbaden, dort finden sich auch Links zu anderen statistischen Ämtern des In- und Auslands. In vielen Staaten wird auch die räumliche Mobilität registriert, also der Auszug aus oder der Einzug in eine Wohnung. Des Weiteren fallen große Mengen von Daten zu diesen drei zentralen demografischen Prozessen beim Eintritt und Austritt aus Institutionen, Arbeitsverhältnissen, Versorgungseinrichtungen und anderen biografischen Zäsuren an.


Die Statistischen Landesämter und das Statistische Bundesamt bauen außerdem zwei Forschungsdatenzentren auf, über die der Wissenschaft unter Wahrung der jeweiligen Zuständigkeitsbereiche Individualdaten für definierte Analysezwecke, aber auch ganze Datensätze für den wissenschaftlichen oder den allgemeinen Gebrauch zur Verfügung gestellt werden sollen. Die amtliche Statistik, der Gesetzgeber und auch die Rechtsprechung haben, ausländischen Vorbildern schließlich doch folgend, hier auf die Entwicklung rechenintensiver multivariater statistischer Analysetechniken reagiert, die Individualdaten statt Aggregat- oder Tabellendaten benötigen. Für viele Ereignisse gibt es darüber hinaus noch bevölkerungsbezogene Spezialregister.

Spezialregister


Nationale Mortalitätsregister, die es in vielen Staaten gibt – etwa in den USA, Großbritannien oder Australien, nicht aber in Deutschland –, enthalten Todesdatum, Sterbeort und zusätzliche Informationen über die Todesursache, zusammen mit identifizierender Information wie Name, Geburtsort und -datum sowie Personenidentifikationsnummer. Nationale Mortalitätsregister sind unverzichtbare Infrastruktureinrichtungen etwa für klinische Studien, sozioökonomische Panelerhebungen, genetische Studien, Qualitätskontrolle im Sozial- und Gesundheitsbereich, Identifizierung von Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, in bestimmten Berufen oder in bestimmten Regionen. Demografen nutzen solche Register zur Identifizierung von Mortalitätrisiken und für Sterbetafeln für spezifische Todesursachen.

Für medizinisch relevante demografische Daten von besonderer Bedeutung sind solche Spezialregister, die auf fortlaufender flächendeckender Dauerbeobachtung aus der medizinischen Versorgung der Bevölkerung beruhen. Dazu zählen etwa bevölkerungsbezogene Krebsregister, wie sie in einer wachsenden Zahl von Staaten, und auch deutschen Bundesländern bestehen, Fehlbildungsregister wie das regionale deutsche Register in Magdeburg und Mainz oder das International Clearinghouse for Birth Defects Monitoring Systems in Rom , eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Datenbanken aus flächendeckenden Perinatalerhebungen, aus Schulabgängeruntersuchungen, oder Unfallregister – vorbildlich ist das US National Center for Injury Prevention and Control. Eine besondere Rolle für die internationale bevölkerungsmedizinische Forschung spielen Länder, in denen in einem vereinheitlichten nationalen Gesundheitssystem alle Versorgungsdaten einer Person über deren Personen Identifikationsnummer zusammengespielt werden können. Das ist etwa in Skandinavien der Fall. Darüber hinaus sind flächendeckende Zwillingsregister wie etwa das dänische, welches an der Universität von Odense  geführt wird oder das schwedische am Karolinska Institut in Stockholm für die Forschung von großer Bedeutung.

Staatlich organisierte Totalerhebungen (Zensen)


Staaten in regelmäßigen Abständen zu einem bestimmten Stichtag bei allen Personen im Staatsgebiet mit einem einheitlichen Fragebogen Strukturdaten über Biografie, Ausbildung, Beruf, Familien-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie Mobilitätsmuster. Die Vereinten Nationen drängen ihre Mitglieder auf die regelmäßige Durchführung im Zehn-Jahres-Rhythmus von solchen Volkszählungen mit Instrumenten, die eine Kompatibilität der damit gewonnenen Datensätze erlaubt. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zählten entsprechend einer Empfehlung der EU mehrheitlich im Jahr 2001. Die letzte Volkszählung wurde in Deutschland im früheren Gebiet der Bundesrepublik 1987, in der DDR im Jahre 1981 durchgeführt.

Volkszählungen sind unverzichtbar – aber teuer. Die Volkszählung der USA von 2000 kostete den US Steuerzahler laut US Bureau of the Census 2002 insgesamt 6,5 Milliarden US-Dollar. In vielen Ländern ist der politische Widerstand gegen Volkszählungen erheblich gewachsen, was wegen substantieller Teilnahmeverweigerungen bei bestimmten Subpopulationen (z.B. Studenten, Sozialhilfe empfangende Haushalte, ethnische Minderheiten) zu erheblichen Schäden an der Datenqualität führt (Schnell 1991). Deshalb wurden in vielen Ländern als Alternative zum konventionellen Volkszählungsmodell Verfahren eines registergestützten Zensus entwickelt. Das Verfahren basiert auf einem Zusammenspielen vorhandener Daten aus Verwaltungsregistern zu einem bestimmten Stichtag und einer Befragung der Eigentümer von Gebäuden über die in diesen lebenden Personen. Es liegt auf der Hand, dass die Qualität der Daten in den Registern ausschlaggebend ist für die Verlässlichkeit eines registergestützten Zensus. Fachleute beurteilen die Qualität der Daten in den deutschen Registern für unzureichend und blicken dem für 2010/2011 geplanten registergestützten Zensus mit Skepsis entgegen (Klingholz 2005, 2006).

Spezialerhebungen dienen dazu, die Verlässlichkeit von in großen demografischen Erhebungen gewonnenen Daten durch zusätzliche Untersuchungen zu überprüfen. Ein Beispiel hierfür etwa ist der Accuracy and Coverage Evaluation Survey, der im unmittelbaren Anschluss an das Hauptfeld der amerikanischen Volkszählung dessen Qualität und Abdeckungsgrad zu messen versucht.

Mikrozensus


Ergänzend zum Zensus gibt es in vielen Staaten einen Mikrozensus. Hierbei wird ein kleiner Anteil der Bevölkerung in wesentlich kürzeren Abständen als bei Volkszählungen befragt, wobei meist ein erheblich längeres Erhebungsinstrument zur Anwendung kommt. Im deutschen Mikrozensus  (siehe auch: Statistisches Bundesamt) wird jeweils einmal im Jahr ein Prozent aller Haushalte in Deutschland (derzeit 370.000 Haushalte mit 820.000 Personen) befragt. Jährlich wird ein Viertel aller in der Zufallsstichprobe enthaltenen Haushalte ausgetauscht, so dass jeder Haushalt vier Jahre in der Stichprobe verbleibt. Erhoben wird mit einem festen Grund- und einem rotierenden Ergänzungsfrageprogramm. Die Sachverhalte sind teils mit Auskunftspflicht belegt, teils werden sie auf freiwilliger Basis erhoben. Auch hier gibt es Verweigerungen in der Größenordnung von drei bis vier Prozent aller Haushalte.

Bevölkerungsdauerbeobachtung


In den meisten entwickelten Staaten haben sich in den letzten Jahrzehnten Projekte der Bevölkerungsdauerbeobachtung mit Mitteln der empirischen Sozialforschung etabliert, die ebenfalls zu einer unersetzlichen Quelle für demografische Informationen geworden sind. Hierbei werden repräsentative Bevölkerungsstichproben, meist in der Größenordnung zwischen 1.000 und 10.000 Befragten, mit einem immer wiederkehrenden Grundprogramm und einem rotierenden Ergänzungsprogramm befragt. Man spricht bei einem solchen Erhebungsdesign von Trenderhebungen. Seit längerem laufende Unternehmen dieser Art sind in Deutschland die Allgemeine Bevölkerungsumfrage für die Sozialwissenschaften (ALLBUS)  (erste Erhebung 1980), der Wohlfahrtssurvey, welcher speziell für die Messung der individuellen Wohlfahrt und Lebensqualität konzipiert ist (erste Erhebung 1978), der General Social Survey (GSS) (erste Erhebung 1972) der USA oder der British Social Attitude Survey (BSAS)  (erste Erhebung 1983). Im International Social Survey Programme (ISSP) (erste Erhebung 1984) wird solche Dauerbeobachtung mit weitgehend identischen Instrumenten in mittlerweile 38 Mitgliedsländern durchgeführt. Große Bedeutung hat rasch der European Social Survey  erworben (erste Erhebung 2001).


Von besonderer Bedeutung für Kausalanalysen auf Individualebene sind repräsentative Panelerhebungen. Hierbei wird regelmäßig eine Ausgangsstichprobe befragt. Panelerhebungen sind unerlässlich, will man wissen, in welcher Reihenfolge bestimmte Ereignisse typischerweise in individuellen Lebensläufen auftreten oder welches von zwei statistisch miteinander assoziierten Ereignissen typischerweise vor dem anderen auftritt. Durch Nachziehungen können die ursprünglichen Stichproben erweitert und verbessert werden. Darüber hinaus gibt es aber immer noch eine Reihe für Panelerhebungen typische Probleme mit Konsequenzen für die Qualität der erhobenen Daten, die Trenderhebungen zum gleichen Thema unverzichtbar machen. Eine Mittelposition zwischen Panel- und Trenderhebungen sind Erhebungen an rollierenden Stichproben, wo die einzelnen Fälle nur eine von vorneherein festgelegte Zahl von Wellen in der Grundgesamtheit bleiben. Der deutsche Mikrozensus ist eine solche Erhebung an rollierenden Stichproben.

In Deutschland gibt es das Sozio-ökonomische Panel (SOEP)  (erste Erhebung 1984). Andere wichtige Panelerhebungen sind die Panel Study on Income Dynamics der USA (PSID) (erste Erhebung 1968), die Health and Retirement Study (HRS) (erste Erhebung 1992) der USA, der British Household Panel Survey  (erste Erhebung 1991); der Schweizer Haushaltspanel (erste Erhebung 1999) und der Europäische Haushaltspanel (ECHP) (erste Erhebung 1994, das nach der Welle 2001 eingestellt wurde). Als Ersatz wurde vom Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft Eurostat das Projekt „EU Statistics of Income and Living Conditions“ (EU-SILC) konzipiert, welches eine große Trenderhebung, also eine Serie von Querschnittserhebungen mit kompatibler Stichprobe und Instrument, mit einer Panelerhebung an einer rollierenden Unterstichprobe kombiniert.

Eine umfangreiche Link-Bibliothek zu sozioökonomischen Panelerhebungen in aller Welt mit nützlichen Informationen über Laufzeiten, Stichproben, Variablen findet sich auf der Netzseite des PSID . Das  Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung unterhält eine umfangreiche Link-Bibliothek zu sozioökonomischen Erhebungen der Bevölkerungsbeobachtung überhaupt in Europa mit nützlichen Informationen über Laufzeiten, Stichproben, Variablen. Unter den beiden Adressen finden sich auch Hinweise auf vielfältige Versuche einer Vereinheitlichung von einschlägigen Datenbasen aus mehreren Ländern. Der Zugang zu den meisten deutschen Datensätzen erfolgt über das Zentralarchiv für empirische Sozialforschung ZA an der Universität zu Köln und das Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Anaylsen ZUMA; beide zu erreichen unter der Netzseite ihrer Dachorganisation.

Gesundheitstrend- und Gesundheitspanelerhebungen


Von besonderer Bedeutung für demografische Fragestellungen sind Gesundheitstrend- und Gesundheitspanelerhebungen, die zum Teil seit über 60 Jahren laufen.


Die weltweit wohl umfassendste Trenderhebung zu Gesundheitsthemen ist der National Health Interview Survey (NHIS) der USA mit durch das ganze Jahr hindurch Woche für Woche an national repräsentativen Stichproben mit einer jährlichen Stichprobengröße von gegenwärtig 36.000 bis 47.000 Haushalten mit 90.000 bis 125.000 Individuen durchgeführt wird (erste Erhebung 1969). Ebenfalls vom National Center for Health Statistics werden Spezialtrenderhebungen an grossen Stichproben mit ähnlicher Methodik durchgeführt, etwa der National Survey of Family Growth (NSFG) (erste Erhebung 1973) mit gegenwärtig etwa 20.000 Männern und Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren oder der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) (erste Erhebung 1960) mit bis zu 30.000 Individuen, die nicht nur befragt, sondern in mobilen Einrichtungen auch umfassend medizinisch untersucht werden.

Die nicht notwendigerweise umfangreichsten, aber wegen ihrer sehr langen Laufzeit wohl für Industriestaaten bedeutsamsten Gesundheitspanelerhebungen laufen in England. Hier sind insbesondere die drei Geburtskohorten-Panels zu nennen, bei denen Kinder mit der Geburt in die Beobachtungsgruppe gezogen wurden und fortlaufend weiterbeobachtet werden: National Survey of Health and Development, NSHD am University College of London  – Kinder mit dem Geburtsdatum 3. bis 9. März 1946, National Child Development Study (NCDS) – Kinder mit dem Geburtsdatum 3. bis 9. März 1958 und 1970 British Cohort Study, BCS70 (Kinder mit dem Geburtsdatum 5. bis 11. April 1970 (die beiden letzteren am Centre for Longitudinal Studies, an dem auch andere bevölkerungsmedizinisch interessante Panelerhebungen wie etwa die Millennium Cohort Study mit 20.000 Babies, geboren während der zwölf Monate ab Juni 2001, organisiert werden oder mindestens Datensätze zugänglich gemacht werden.

Eine interessante Neuentwicklung dürfte der zukünftige US National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) werden, der seit Januar 2002 mit dem Survey of Food Intakes by Individuals (CSFII) des U.S. Department of Agriculture’s (USDA) zum National Food and Nutrition Survey (NFNS) vereinigt wurde, also dieselben Befragten hat. Weiterhin wird der neue NHANES dieselben primären Stichprobeneinheiten (Landkreise = counties) wie der NHIS und Teile des Haushaltsfragebogens mit dem NHIS gemeinsam haben. Vorgesehen sind Verknüpfungsmöglichkeiten mit der nationalen Gesundheitsversicherung der älteren Bevölkerung Medicare und dem Mortalitätsregister National Death Index. Diese Kombinations- und Verknüpfungsmöglichkeiten entsprechen dem Survey Integration Plan des zuständigen Bundesministeriums Department of Health and Human Services’ für diese und alle anderen grossen, von der US Bundesregierung finanzierten Vorhaben der Bevölkerungsdauerbeobachtung. Die Erfahrungen bei der Umsetzung dieses Integrationsplans werden in der Sozialforschung weltweit mit Spannung erwartet.

Gegenüber solchen ausländischen Vorbildern nehmen sich deutsche Anstrengungen um eine Bevölkerungsdauerbeobachtung in Morbidität und Mortalität bescheiden aus.

Unter der Bezeichnung Nationaler Gesundheitssurvey wurden in den Jahren 1984-1986 und 1987-1989 sowie 1990-1991 repräsentative Stichproben der erwachsenen westdeutschen Wohnbevölkerung in Querschnittserhebungen standardisiert befragt und die Ergebnisse klinischer und Laboruntersuchungen dokumentiert. Mit weitgehend gleicher Methodik wurde auch in den neuen Bundesländern 1991/92 der Gesundheitssurvey Ost vorgenommen. 1997/98 wurde ein Bundesgesundheitssurvey als erster gesamtdeutscher Survey durchgeführt. Bei Einbeziehung der Daten der früheren Surveys sind nun wie bei den kumulierten Datensätzen des ALLBUS oder des Wohlfahrtssurveys Trendanalysen möglich – auch bezüglich von Ost-West-Unterschieden.

Das Kernmodul des Gesundheitssurveys 1997/98 enthält die wesentlichen Merkmale und Indikatoren zur Beschreibung des gesundheitlichen Status, der Morbiditätsbelastung und grober regionaler Differenzen: demografische Standards, Angaben zur Inzidenz und Prävalenz von Krankheiten, Risikofaktoren, gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen und Lebensbedingungen sowie zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Zur standardisierten Befragung kommt eine medizinisch-physikalische Untersuchung, eine ärztliche Befragung zur Morbidität und zur Gesundheitsvorsorge, Labordiagnostik. Bei einem Teil der kompletten Fälle des Kernmoduls kamen als Ergänzungsmodule Arzneimittel; Ernährung; Umwelt, psychische Störungen zur Anwendung. Seit 2003 laufen ebenfalls am Robert-Koch-Institut telefonische Gesundheitssurveys (GSTel03 bis GSTel06) sowie der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey 2003-2006 (KiGGS). Die Datensätze der hier beschriebenen Gesundheitssurveys sind beim Robert-Koch-Institut in Berlin öffentlich zugänglich.

Es gibt in Deutschland bisher nur einen national repräsentativen Gesundheitspanel in Gestalt des Lebenserwartungssurveys des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden mit bisher zwei Wellen, wobei die erste Welle in West- und Ostdeutschland zu verschiedenen Zeitpunkten erhoben wurde: für Westdeutschland handelt es sich um die im Rahmen der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (DHP) 1984/86 in den alten Bundesländern durchgeführte Erhebung Nationale Untersuchung über Lebensbedingungen, Umwelt und Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), kurz Nationaler Gesundheitssurvey West genannt (8474 komplette Fälle). Für Ostdeutschland handelt es sich um die in den neuen Bundesländern 1991/92 durchgeführte Erste Nationale Untersuchung über Lebensbedingungen, Umwelt und Gesundheit in Deutschland Ost 1991/92, kurz Nationaler Gesundheitssurvey Ost genannt (1546 komplette Fälle). Diese beiden Erhebungen wurden oben bei den Nationalen Gesundheitssurveys bereits erwähnt. Die Wiederholungsbefragung lief 1998 unter dem Titel Untersuchung über Lebensbedingungen, Umwelt und Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland 1998 an Teilnehmern der beiden ersten Erhebungen mit Geburtsjahrgang 1952 und älter. Es wurde bei verstorbenen Teilnehmern das Todesdatum dokumentiert, so dass ein Studium des Mortalitätsrisikos in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand, dem Gesundheitsverhalten und der Morbidität bei der ersten Welle möglich ist. Datenhalter ist das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung am Statistischen Bundesamt in Wiesbaden.

Einen erschöpfenden Überblick über laufende Panel-Erhebungen mit Gesundheitsbezug im weiten Sinn in Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz bieten Mueller & Bormann 2004, 2005.

Pools von vorhandenen Datensätzen


Bei den meisten sozialwissenschaftlichen Erhebungen werden stets auch eine Reihe demografisch relevanter Informationen über die befragte Person oder den untersuchten Haushalt erhoben. Zum Zwecke der Vergleichbarkeit sollte dies stets nach einem national einheitlichen Standard geschehen. In der Bundesrepublik gibt es hier Demografische Standards, die von einer Arbeitsgemeinschaft aus der akademischen und kommerziellen Sozialforschung und dem statistischen Bundesamt herausgegeben und regelmäßig aktualisiert werden. Die damit erhobenen demografischen Daten können dann leicht für eigene Auswertungen gepoolt werden.

Spezialerhebungen zu demografischen Einzelthemen


Schließlich sind Spezialerhebungen zu demografischen Einzelthemen möglich, bei denen das Handlungsumfeld um bestimmte zentrale demografische Ereignisse (Heirat, Wanderung, Fortpflanzung) genauer untersucht wird. Besondere Erwähnung verdienen hier die Erhebungen im Rahmen des Demografic and Health Survey Program der U.S. Agency for International Development (USAID), die seit 1972 zu den genannten Themen in vielen Staaten Daten sammeln, die oft die wichtigste Datenquelle über die Demografie dieser Länder darstellen, und überdies der Wissenschaft verfügbar sind.

Literatur / Links

 

Accuracy and Coverage Evaluation Survey

Allgemeine Bevölkerungsumfrage für die Sozialwissenschaften (ALLBUS)


Bogue, D.J., Arriaga, E.E., Anderton, D.L. (Eds.) (1993): Readings in Population Research Methodology. Vol. I–VIII. Published for the United Nations Population Fund by Social Development Center: Chicago.


British Household Panel Survey


British Social Attitude Survey (BSAS)


Demografic and Health Survey Program der U.S. Agency for International Development (
USAID)

Europäische Union (EuroStat)

Europäische Haushaltspanel (ECHP)


European Social Survey

General Social Survey (GSS)

Health and Retirement Study (HRS)

International Clearinghouse for Birth Defects Monitoring Systems in Rom


International Social Survey Programme (ISSP)


Karolinska Institut Stockholm


Klingholz, R. (2005): Land ohne Daten. Plädoyer für eine Volkszählung. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.09.2005.

Klingholz, R. (2006): Zensus light. Die geplante Volkszählung verschenkt die Möglichkeit, Antworten auf die wichtigsten Zukunftsfragen zu liefern. DIE ZEIT 07.12.2006.

Krug, W; Nourney, M.;Schmidt, J. (2001): Wirtschafts- und Sozialstatistik. Gewinnung von Daten. Oldenbourg, München.

Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung


Mueller, U. (2000): Die Maßzahlen der Bevölkerungsstatistik. in: Mueller, U.; Nauck, B.; Diekmann, A. (eds.)(2000): Handbuch der Demografie. Vol. I-II. Springer: Heidelberg, Berlin, New York.

Mueller UO, Bormann C (2004) Panel-Erhebungen mit Gesundheitsbezug. ZUMA Nachrichten 55, 53-96.

Mueller UO, Bormann C (2005) Panel-Erhebungen mit Gesundheitsbezug.in Liechtenstein, Österreich und in der Schweiz. ZUMA Nachrichten 56, 49-67

Noelle-Neumann, E.; Petersen, T. (2000): Alle, nicht jeder. Einführung in die Methoden der Demoskopie. Springer: Heidelberg, Berlin, New York.

National Child Development Study (NCDS)

National Health Interview Survey (NHIS)

National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES)

National Survey of Family Growth (NSFG)

National Survey of Health and Development (NSHD)

Panel Study on Income Dynamics der USA (PSID)


Robert-Koch-Institut


Schmid, C. (2000): Zugang zu den Daten der Demografie. in U. Mueller, B. Nauck, A. Diekmann (eds.): Handbuch der Demografie. Vol. I-II. Springer.

Schnell, R. (1991): Wer ist das Volk? Zur faktischen Grundgesamtheit bei allgemeinen Bevölkerungsumfragen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43 (1): 106-137.

Schweizer Haushaltspanel

Sozio-ökonomisches Panel (SOEP)

Statistisches Bundesamts in Wiesbaden

System des National Center of Health Statistics


Universität von Odense

US National Center for Injury Prevention and Control


Vereinte Nationen (Population Division)

Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (gesis)

Zentralarchiv für empirische Sozialforschung (ZA) und Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Anaylsen (ZUMA)

 

Stand: Juli 2009

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