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von Reiner Klingholz

 

Eine stabile Umwelt ist unabdingbar für die menschliche Existenz. Menschen brauchen Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken, Böden, auf denen sich Lebensmittel erzeugen lassen, Gewässer, die Fisch liefern, Wälder, die Grundwasser speichern und ein Klima, an das sich die verschiedensten Kulturen jeweils angepasst haben.

Einfache Arithmetik zeigt, dass Probleme entstehen, wenn mehr Menschen um die gleichen Ressourcen konkurrieren. Viele Rohstoffe verlieren bei diesem Prozess gleichzeitig noch an Qualität: Wasser wird dann nicht nur knapp, sondern auch verschmutzt. Böden erodieren oder versalzen. Wälder büßen ihren Wert als Erosionschutz oder genetische Ressource ein.

Auf regionaler Basis und in Einzelfällen hat die Menschheit schon lange ihre Fähigkeit bewiesen, Umweltprobleme zu lösen. So entstand das Prinzip der Nachhaltigkeit einst in der deutschen Forstwirtschaft, als die Übernutzung der Wälder den Bestand ganzer Regionen bedrohte. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet ursprünglich, einem Wald jährlich nur soviel Holz zu entnehmen, wie im gleichen Zeitraum nachwächst.

Dieses Prinzip gilt es heute für alle Bereiche der Umwelt global umzusetzen, was angesichts wachsender Weltbevölkerung und steigenden Rohstoffkonsums besonders schwierig ist. Allerdings stehen heute technische Mittel zur Verfügung, die es ermöglichen, Ressourcen besser, nachhaltiger und effizienter zu nutzen als je zuvor. Zumindest theoretisch sind die globalen Umweltprobleme trotz wachsender Weltbevölkerung lösbar.

Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet beispielsweise, möglichst reiche Erträge zu erwirtschaften, ohne die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu gefährden. Hohe Erträge sind besonders in Regionen wichtig, wo ansonsten die verbliebenen Wälder für neue Agrarflächen kahl geschlagen müssten.

Nachhaltige Waldwirtschaft bedeutet in vielen tropischen Regionen erst einmal, einen alten Zustand wiederherzustellen. Also Teile der in den letzten Jahrzehnten kahl geschlagenen Flächen, die oft nach kurzer landwirtschaftlicher Nutzung unbrauchbar geworden sind, wieder aufzuforsten.

Ein nachhaltiger Umgang mit Trinkwasser stellt in bestimmten Gegenden, in denen wenige oder über das Jahr verteilt sehr ungleichmäßige Niederschläge fallen, ein schier unlösbares Problem dar: Dann nämlich, wenn die Bevölkerungsdichte so hoch ist, dass die Wasserressourcen schlicht und einfach nicht ausreichen, um den Bedarf für Haushalte, Landwirtschaft und Industrie zu decken.

Im Bereich Energie und Klima ist es derzeit sogar unmöglich, nachhaltig zu wirtschaften. Von den traditionellen Energieträgern taugt nur das Holz zur nachhaltigen Nutzung. Die Mengen reichen aber selbst bei kluger Bewirtschaftung der Wälder nicht annähernd aus, um den weltweiten Energiehunger zu decken. Auch die anderen Quellen erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonnenkraft stehen derzeit noch nicht in ausreichender und technisch ausgereifter Form zur Verfügung, um den Energiehunger der Menschheit zu decken.

Fossile Ressourcen – Kohle, Erdöl und Erdgas – stehen zwar in ungeheuren Mengen in der Erdkruste zur Verfügung, sie erneuern sich aber viel zu langsam. Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas wäre per se kein Problem, würde nicht die dabei entstehenden Abgase zu massiver lokaler Umweltverschmutzung führen und als Treibhausgase zur globalen Klimaveränderung beitragen.

Bei den Energierohstoffen liegt das Problem nicht nur in der Begrenztheit der Quellen, sondern vor allem in der Endlichkeit der Senken: Die Atmosphäre vermag sich nur einer bestimmten Menge an Treibhausgasen innerhalb der natürlichen Kreisläufe wieder zu entledigen. Für radioaktiv strahlende Abfälle der Kernenergie fehlt es generell an Abbauwegen, die in historischen Zeiträumen zu unschädlichen Endprodukten des Atommülls führen könnten.

Nachhaltige Energiepolitik heißt deshalb, dass auch den nächsten Generationen ausreichend Energie für alle Lebensbereiche zur Verfügung stehen muss, ohne dass dabei bestimmte Bereiche des Lebens beeinträchtigt werden. Dabei ist es gleichgültig, welche Energiequellen genutzt werden. Langfristig bergen regenerative Quellen wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft, sowie Biomasse, also Solarenergie im weitesten Sinne, das höchste Potenzial, zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft zu kommen.

Mittelfristig kommt es darauf an, Energie so effizient wie möglich zu nutzen, also aus der eingesetzten Kilowattstunde oder dem getankten Liter Treibstoff so viel wirtschaftlichen Gegenwert wie möglich zu ziehen. Der Weg, Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch zu entkoppeln, ist in Industrieländern zwar längst eingeschlagen, doch aufgrund immer weiter steigender Ansprüche werden alle technischen Fortschritte bisher meist überkompensiert: Etwa im Verkehr, wo die Motoren der Automobile zwar immer sparsamer werden, der Gesamtenergieverbrauch jedoch weiter steigt, weil immer mehr Menschen mit immer stärkeren Autos immer häufiger und weiter unterwegs sind. Nachhaltige Energiewirtschaft bedeutet deshalb für die Bewohner der Industrienationen auch, weniger zu konsumieren – zumindest auf überflüssige Dinge zu verzichten.

 

Stand: April 2008

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