Pressemitteilung
  • - Dresden 

Teilhabemöglichkeiten in Sachsen sind vom Wohnort abhängig

  • Demografischer Wandel Lebensverhältnisse in Stadt und Land

Dresden, 04. November 2025- Wie gut können Kinder und Jugendliche in Sachsen an Bildung, Freizeit, digitaler Infrastruktur und gesellschaftlichen Leben teilhaben? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung Teilhabeatlas vor Ort im Haus der Kirche in Dresden mit Diskutant:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Geringere Kinderarmutsquote, aber mehr Schüler:innen ohne Abschluss in Sachsen

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutliche regionale Unterschiede in den Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Sachsen. Insgesamt leben hier weniger Kinder in Armut oder Armutsgefährdung als im Bundesdurchschnitt, und auch die frühkindliche Betreuung ist über-durchschnittlich gut ausgebaut. In Sachsen ist der Anteil der Schulabgänger:innen ohne Abschluss jedoch höher als der Durchschnitt in Gesamtdeutschland -nur im Landkreis Meißen lag er 2022 mit 6,6 Prozent knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 6,8 Prozent. Der Anteil der Schulabgänger:innen ohne Abschluss ist vor allem dort hoch, wo sich auch andere Teilhabehürden verdichten, etwa in Chemnitz (14 Prozent), Nordsachsen (10,5 Prozent), Mittelsachsen ( 9,7 Prozent) oder im Kreis Görlitz (9,7 Prozent).

Der Freistaat altert

Mit Ausnahme der Uni-Städte Dresden (25,8 Prozent) und Leipzig (25,7 Prozent) ist der Anteil junger Menschen in Sachsen geringer als im Bundesdurchschnitt. In manchen Regionen wie dem Vogtlandkreis (20,1 Prozent) oder dem Kreisen Görlitz und Zwickau (je 20,8 Prozent) ist nur noch rund jede fünfte Person jünger als 25 Jahre. Junge Menschen sind in der Minderheit, ihrer Stimme fehlt es daher an Gewicht.

  • Übergang Schule-Beruf stärken

„Es zeichnen sich bereits heute klare Handlungsempfehlungen ab “, so Peggy Eckert, Expertin für Demokratiebildung und Beteiligung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. „In den Städten und Kreisen mit hohem Anteil an Schulabgänger:innen ohne Abschluss muss besonders deutlich mehr in Maßnahmen investiert werden,  die jungen Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf, Ausbildung und Studium unterstützen. Für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig vom sozialen Status, Herkunft und Geschlecht. Um junge Menschen in Sachsen zu halten und Abwanderung der jungen Generation zu vermeiden, muss außerdem deutlich mehr Fokus auf Freizeitangebote und Möglichkeiten der Beteiligung gelegt werden, insbesondere in ländlichen Räumen“.

  • Stärkung der Selbstbestimmung bei Mobilität finanzieller Unabhängigkeit und in der Schule

Im Fokus des Austauschs stand u.a. die Frage wie Kinder und Jugendliche aktiv in Entscheidungen beteiligt werden können, die ihr Leben betreffen - sei es in Schule, Kommune oder Freizeit. Deutlich wurde: „Echte Mitbestimmung braucht Räume und Strukturen und eine Kultur, die junge Stimmen ernst nimmt. Am Beispiel Schule bedeutet das nicht zuletzt, Themen wie Wellbeing und mentale Gesundheit zu stärken. Die Schulen müssen aber auch in ihrer Autonomie gestärkt werden, um gleichzeitig Bildungschancen vor Ort zu schaffen. Schule muss zum sozialen Lern- und Lebensort werden der Selbstwirksamkeit erlebbar macht.“

  • Echte Beteiligung braucht Begleitung, Übersetzung und Vertrauen 

Johanna Okroi von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung macht deutlich: „Echte Beteiligung braucht Moderation und Übersetzungsleistung zwischen jungen Menschen und Entscheider:innen“. Und Jasper Mönning, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Berlin Instituts ergänzt: „Selbstbestimmung von Jugendlichen muss auch wirklich zugelassen werden. Jugend bedeutet Ausprobieren, sie braucht Vertrauensvorschüsse - Versicherungsschutz steht hier beispielsweise oftmals im Weg, wenn es zum Beispiel um die Öffnung von Schulhöfen nach Schulschluss geht, um so mittelbar Aufenthaltsräume zu schaffen. Dezentrale mobile Orte können geschaffen werden, um die Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen und sich wirklich gern aufhalten.“

 

Das Länderpapier zu Sachsen mit zentralen Daten, Zahlen, Fakten und aus der Diskussion vor Ort abgeleiteten Handlungsempfehlungen sowie Grafiken zum Download für Ihre Berichterstattung finden Sie unten im Pressekit.

Weitere Informationen und Download

Alle Stops der Roadshow, die vollständige Publikation sowie interaktive Karten mit den Ergebnissen und die jeweiligen Länderpapiere mit abgeleiteten Handlungsempfehlungen finden Sie unter: www.teilhabeatlas.org

Auch die Auswertung aller regionalen Austauschrunden und daraus abgeleitet allgemeine Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen erscheint dort zum Jahreswechsel.            

Über die Herausgeber:innen

Der „Teilhabeatlas – Kinder und Jugendliche“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wüstenrot Stiftung, des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Ziel ist es, politische und zivilgesellschaftliche Entscheidungsträger:innen dabei zu unterstützen, gezielt für mehr Teilhabe von jungen Menschen in Deutschland zu wirken.

 

Pressekontakte:

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Catherina Hinz, hinz@berlin-institut.org, Tel.: +49 160 98966116

 

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung GmbH 

Anne Wagner, anne.wagner@dkjs.de, Tel.: +49 30 257676856  

 

Wüstenrot Stiftung 

Manuel Slupina, info@wuestenrot-stiftung.de, Tel.:  +49 7141 167565 00

ANSPRECHPARTNER:INNEN

Catherina Hinz

Geschäftsführende Direktorin

Telefon: 030 - 22 32 48 45

E-Mail schreiben: hinz@berlin-institut.org

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