Pressemitteilung
  • - Düsseldorf 

Teilhabeatlas zeigt: Starke regionale Unterschiede bei Teilhabemöglichkeiten von jungen Menschen in Nordrhein-Westfalen

  • Demografischer Wandel Lebensverhältnisse in Stadt und Land

Düsseldorf, den 03. November 2025 – Wie gut können Kinder und Jugendliche in Nordrhein Westfalen an Bildung, Freizeit, digitaler Infrastruktur und gesellschaftlichem Leben teilhaben? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung „Teilhabeatlas vor Ort“ in der Jugendherberge Düsseldorf mit Diskutant:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Kinderarmut in den Städten besonders hoch 

In Nordrhein-Westfalen ist der Anteil junger Menschen, die in Familien aufwachsen, die Bürgergeld beziehen, in größeren Städten zumeist höher als auf dem Land. Nordrhein-Westfalen ist das Flächenbundesland mit der höchsten Bevölkerungsdichte und durch ausgeprägte Ballungsräume städtisch geprägt. Vor allem im Ruhrgebiet war die Kinderarmut 2022 hoch, etwa in Gelsenkirchen (37,1 Prozent), Essen (29,2 Prozent), in Duisburg oder Dortmund (beide 28 Prozent). In einigen Landkreisen wie Coesfeld (6,8 Prozent), Borken (6,9 Prozent) oder Olpe (7 Prozent) ist die Kinderarmut dagegen vergleichsweise gering. 

Ungleicher Start: Differenzen bei Kinderbetreuung und Schulabgänger:innen ohne Abschluss 

Auch die Kinderbetreuung ist in Nordrhein-Westfalen stark abhängig vom Kreis. Die höchsten  Betreuungsquoten von Vorschulkindern finden sich im Münsterland (Borken, Steinfeld, Coesfeld, Münster: 96 Prozent, Warendorf: 94 Prozent). Aber auch Großstädte wie Köln (94 Prozent) und Düsseldorf (93 Prozent) liegen über dem Bundesdurchschnitt (92 Prozent). Defizite finden sich in Kreisen Ostwestfalens wie Minden-Lübbecke (83 Prozent) sowie in Städten, die auch in anderen Aspekten benachteiligt sind, etwa Wuppertal im Bergischen Land  (82 Prozent) und Ruhrgebietsstädte wie Duisburg (76 Prozent) oder Gelsenkirchen (79 Prozent). 

Bei der Anzahl der Schulabgänger:innen ohne Abschluss zeigen sich ebenfalls regionale Unterschiede: Einige Städte, in denen die Kinderarmut hoch ist, weisen auch hohe Quoten von Schulabgänger:innen ohne Abschluss auf, etwa Herne (12,3 Prozent), Gelsenkirchen (10,5 Prozent) oder Duisburg (9 Prozent). In anderen Städten, in denen die Kinderarmut ebenfalls über  dem Durchschnitt liegt, gelingt es dagegen, nur wenige Schülerinnen und Schüler ohne einen  Abschluss aus der Schule zu entlassen, etwa in Bonn (4 Prozent) oder Mülheim an der Ruhr (4,2 Prozent). 


Verbesserungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen: 

„Unsere Studie hat gezeigt, dass die Teilhabebedingungen in Nordrhein-Westfalen je nach Region stark variieren. Es gibt Teilhabe-Spitzenreiter, die wirtschaftlich stark und mit gut ausgebauter Infrastruktur hohe Bildungschancen bieten. Daneben verdichten sich in einigen Städten Problemlagen und Teilhabehürden besonders mit Blick auf Wirtschaft und Bildung."  fasst Catherina Hinz, Geschäftsführerin des Berlin-Instituts, die Situation für Nordrhein-Westfalen zusammen. 

  • Nachhaltige Investition in Bildungs- und Betreuungsangebote überall 

„Es zeichnen sich bereits heute klare Handlungsempfehlungen ab.", sagt Peggy Eckert, Expertin für Demokratiebildung und Beteiligung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. „In 
Nordrhein-Westfalen sind bei Kinder- und Jugendbeteiligung bereits gute Ansätze in der Umsetzung. Sie hängen aber stark vom Engagement in den Kommunen, Kreisen und Städten ab. Beteiligung muss auf allen Ebenen strukturell verankert werden und in die Fläche wirken." 

  • Stärkung der Selbstbestimmung bei Mobilität, finanzieller Unabhängigkeit und Sicherheit 

Im Fokus des Austauschs stand u.a. die Frage, wie Kinder und Jugendliche aktiv an  Entscheidungen beteiligt werden können, die ihr Leben betreMen – sei es in Schule, Kommune oder Freizeit. Deutlich wurde: „Echte Mitbestimmung braucht Räume, Strukturen und eine Kultur, die junge Stimmen ernst nimmt." (Peggy Eckert, DKJS). Johanna Okroi (DKJS) ergänzt: „Beteiligung muss altersintegriert und in verschiedenen Bereichen verankert werden. 
Echte Beteiligung braucht Zeit. Aber es ist nur fair, die auch wirklich zu investieren." 


Die Stärkung der Selbstbestimmung war zentrales Thema – beispielsweise in Bezug auf  Mobilität, finanzielle Unabhängigkeit und sichere öffentliche Räume. „Ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz, wie es in NRW eigentlich besteht, muss auch wirklich funktionieren. Auch hier sind Verbindungen auf dem Land z. T. nicht sicher. Hinzu kommen Gefärdungen des Radverkehrs in den Großstädten, die jungen Menschen Alternativen zu Bahn und Auto erschweren. Und: Jugendliche, die kein oder nur sehr wenig Taschengeld erhalten, müssten finanziell unterstützt werden, um sie gleichzustellen. Um Beteiligung wirklich weiterzubringen und zu verstetigen, sind an vielen Stellen Investitionen dringend nötig.", fasst Jasper Mönning vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, konkrete Maßnahmen und Forderungen zusammen. „Um faire Teilhabemöglichkeiten zu schaMen, braucht es engagierte Akteur:innen aus Politik, Bildung, Jugendarbeit und Verwaltung.Gemeinsam sollen Maßnahmen entwickelt werden, die allen jungen Menschen in Nordrhein-Westfalen Chancen auf Teilhabe und Entwicklung ermöglichen – unabhängig von Herkunft oder Lebenslage.", schließt Catherina Hinz am Ende der Diskussionsrunde. 

Das Länderpapier zu Nordrhein-Westfalen mit zentralen Daten, Zahlen, Fakten und aus der Diskussion vor Ort abgeleiteten Handlungsempfehlungen sowie Grafiken zum Download für Ihre Berichterstattung finden Sie unten im Pressekit.

 

Weitere Informationen und Download

Alle Stops der Roadshow, die vollständige Publikation sowie interaktive Karten mit den Ergebnissen und die jeweiligen Länderpapiere mit abgeleiteten Handlungsempfehlungen finden Sie unter: www.teilhabeatlas.org

Auch die Auswertung aller regionalen Austauschrunden und daraus abgeleitet allgemeine Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen erscheint dort zum Jahreswechsel.            

Über die Herausgeber:innen

Der „Teilhabeatlas – Kinder und Jugendliche“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wüstenrot Stiftung, des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Ziel ist es, politische und zivilgesellschaftliche Entscheidungsträger:innen dabei zu unterstützen, gezielt für mehr Teilhabe von jungen Menschen in Deutschland zu wirken.

 

Pressekontakte:

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Catherina Hinz, hinz@berlin-institut.org, Tel.: +49 160 98966116

 

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung GmbH 

Anne Wagner, anne.wagner@dkjs.de, Tel.: +49 30 257676856  

 

Wüstenrot Stiftung 

Manuel Slupina, info@wuestenrot-stiftung.de, Tel.:  +49 7141 167565 00

ANSPRECHPARTNER:INNEN

Catherina Hinz

Geschäftsführende Direktorin

Telefon: 030 - 22 32 48 45

E-Mail schreiben: hinz@berlin-institut.org

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