Zuwanderung

Zuwanderung

Im Osten noch immer kaum Migranten

 

Ein Land mit zwei Zuwanderungsgeschichten

In den 30 Jahren seit der Wiedervereinigung unterlag die Zuwanderung starken Schwankungen, abhängig von den Gründen, die Menschen in die Emigration trieben. In den 1990er Jahren flohen viele Menschen vor Konflikten auf dem Balkan. Der Fall des Eisernen Vorhangs ermöglichte es zudem Angehörigen deutschstämmiger Minderheiten aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, in die Bundesrepublik zu ziehen. Mit der Jahrtausendwende ebbte die Einwanderung ab. Mit der neuen Freizügigkeit für Osteuropäer und den harten Folgen der Wirtschaftskrise in  Südeuropa wuchs die Zahl der Zuwanderer ab 2010 wieder an. Hinzu kamen bewaffnete Konflikte außerhalb Europas, die Tausende aus ihren Heimatländern vertrieben. Im Jahr 2015 betrug der Wanderungsüberschuss 1,14 Millionen Personen – so viel wie nie zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik. In den Folgejahren nahm die Zahl der Einwanderer wieder ab, lag aber 2019 noch immer bei rund 330.000 im Saldo.

Zuwanderer aus dem Ausland zieht es seit jeher in die wirtschaftlich erfolgreichen Regionen. Der Ausländeranteil spiegelt dies auch noch wider, wenn die ökonomische Blütezeit bereits vergangen ist, wie im Ruhrgebiet. Heute leben viele der Menschen mit ausländischem Pass in den drei Stadtstaaten sowie in Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf und Köln. In der DDR betrug der Ausländeranteil Ende 1989 gerade einmal ein Prozent. Lange änderte sich daran kaum etwas. Zwischen 1995 und 2010 blieb der Ausländeranteil zwischen Rügen und Erzgebirge vielerorts unter drei Prozent. In Regionen, denen viele Einheimische den Rücken kehrten, gab es auch für Migranten keinen Grund sich niederzulassen. Mit dem wachsenden Zuzug Geflüchteter seit Beginn der  2010er Jahre sind erstmalig größere Migrantengruppen auch in die ländlicheren Regionen des Ostens gekommen. In einigen Landkreisen wie im sächsischen Meißen oder im brandenburgischen Märkisch-Oderland verdoppelte sich der Ausländeranteil zwischen 2013 und 2017. Trotz gewachsenem Zuzug der letzten Jahre stellen Ausländer in den ostdeutschen Flächenländern bis heute nur einen geringen Bevölkerungsanteil.

 

Quellen:
Statistisches Bundesamt (2018). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland 1991-2017. Bevölkerung. Wiesbaden.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2019). Aktuelle Zahlen zu Asyl. Nürnberg.

Statistisches Bundesamt (2019). Bevölkerung und Erwerbstätigkeit Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus
2018.
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (2020). ALLBUS 1980-2018 - Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften. GESIS Datenarchiv ZA5274 Datenfile Version. Köln.

 

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