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Wenn die Deutschen stiften gehen

 

Das Medienecho auf den Stiftungsreport 2007 finden Sie in der Presseschau

 

Die deutsche Stiftungslandschaft blüht und gedeiht: Darüber informiert der StiftungsReport 2007, den der Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Berlin-Institut erarbeitet haben.

Stiftungen in Deutschland haben eine lange Tradition. Die ersten Einrichtungen dieser Art entstanden bereits im Mittelalter. Damals waren es vor allem Kirchen und weltliche Fürsten, die Stiftungen mit sozialen und mildtätigen Zwecken gründeten. Seit 1980 hat sich vor allem in Westdeutschland ein ungebrochener Stiftungsboom entwickelt. Denn viele Unternehmer der Nachkriegszeit sind nicht nur zu Wohlstand gekommen, sondern haben auch ein Alter erreicht, in dem man sich Gedanken um den sinnvollen Fortbestand des eigenen Kapitals macht.

Die Stiftungslandschaft ist also im Aufbruch - aber wo treibt sie hin? Orientieren sich die gemeinnützigen Organisationen an den neuen Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft oder frönen sie eher der Kunst und Kultur? Welche Ziele verfolgen die neu entstandenen Bürgerstiftungen, in denen sich engagierte Menschen mit Geld und Ideen zusammentun, um die Geschicke ihres eigenen kommunalen Umfeldes in die Hand zu nehmen?

Der StiftungsReport 2007 liefert Analysen und Statistiken zum deutschen Stiftungswesen, informiert über Trends und Ziele der Philanthropieszene und berichtet in Interviews mit Praktikern - vom SAP-Mitbegründer und Multimilliardär Hasso Plattner bis zum Ex-Außenminister und heutigen Chef der Deutsche-Telekom-Stiftung Klaus Kinkel - aus dem Alltag deutscher Stifter.

Hochburg des Stiftungswesens unter den deutschen Städten ist Hamburg mit der höchsten absoluten Zahl an Stiftungen. Gemessen an der Einwohnerzahl erweist sich allerdings Frankfurt am Main als rekordverdächtig. Auffällig viele Stiftungen sind in Städten angesiedelt, in denen bürgerschaftliches Engagement und Eigenverantwortung der Bewohner auf eine lange Tradition zurückblicken können, etwa in den Hansestädten Hamburg und Bremen. Heutzutage finden sich Stiftungen aber auch vermehrt dort, wo Universitäten und Verwaltungszentren zuhause sind. Stiftungen widmen sich der Wissenschaft und Forschung, dem Umwelt- und Naturschutz, sozialen und kulturellen Zwecken - Bereichen also, für die der Staat tendenziell weniger Mittel hat, oder in denen die Bürgergesellschaft wesentlich effizienter als die offizielle Bürokratie arbeiten kann.

Wer an Stiftungen denkt, dem fallen oft schillernde Persönlichkeiten wie John D. Rockefeller und Bill Gates oder längst verstorbene, hiesige Unternehmer wie Kurt A. Körber, Fritz Thyssen und Robert Bosch ein. Doch auch in Deutschland werden die Stifter immer jünger. Allerdings ist der mit Abstand größte Stifter im deutschen Staate noch immer der Staat selbst. Das Spektrum der gemeinnützigen Zwecke, die staatliche Stiftungen verfolgen, ist fast ebenso groß wie das Spektrum öffentlicher Aufgaben. Es reicht vom Umweltschutz (Deutsche Bundesstiftung Umwelt), über den Verbraucherschutz (Stiftung Warentest), die Kulturpflege (Stiftung Preußischer Kulturbesitz), die Bildung (Studienstiftung des Deutschen Volkes) bis zu sozialen Zielen (Conterganstiftung).

Anders als früher wird der größte Teil der Stiftungen (87 Prozent seit 1990) heute zu Lebzeiten der Stifter gegründet. Nachlassstiftungen, mit denen die Menschen erst nach ihrem Tod Gutes für die Gemeinschaft tun wollen, verlieren immer mehr an Bedeutung. Der Trend, sich selbst noch aktiv in der eigenen Stiftung engagieren zu wollen, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Stifter ihre Tat als persönliche Bereicherung betrachten. Er könnte aber auch ein Beleg dafür sein, dass Menschen heutzutage die Chance haben, in vergleichsweise jungen Jahren zu großen Vermögen zu kommen. Ähnlich wie die Stars der amerikanischen New Economy, von Bill Gates bis zum eBay-Gründer Jeffrey Skoll stiften diese Personen noch zu Lebzeiten Summen, die früher nur in Form einer Erbschaft dem Stiftungswesen zugute kamen.

Keine eigenen Kinder zu haben, motiviert Stifter offensichtlich besonders: 42 Prozent aller Stifter sind ohne Nachwuchs, in der Gesamtbevölkerung sind es lediglich 30 Prozent. Die meisten Menschen entscheiden sich zwischen ihrem 60. und 69. Lebensjahr dafür, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Angesichts des demografischen Wandels stehen die Zeichen damit gut, dass in den kommenden Jahren große Summen in Stiftungen übergehen werden. Dies ist sicher die nachhaltigste Form der Gelderhaltung, denn Stiftungen sind verpflichtet, ihr Kapital zu erhalten und inflationssicher zu vermehren. Sie dürfen ihre gemeinnützige Arbeit nur aus den Kapitalerträgen und zusätzlichen Einkünften finanzieren.

Der StiftungsReport wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Körber-Stiftung in Hamburg gefördert.

Zum Inhaltsverzeichnis des Reports (PDF, 26 KB)

Die Zahl der Stiftungen in Deutschland ist in den letzten zwanzig Jahren stark gestiegen. Spätestens seit den neunziger Jahren kann man in Westdeutschland einen Stiftungsboom beobachten. In Ostdeutschland wächst die Zahl der Neugründungen bedeutend langsamer. Die Gründungswelle nach dem Ende der DDR ist abgeebbt. Diese Entwicklung hängt vor allem damit zusammen, dass in Ostdeutschland weniger Menschen leben und diese zudem über weniger Geld verfügen. Da in Deutschland das Stiftungsvermögen überwiegend aus unternehmerischer Tätigkeit stammt, hat die Gesamtwirtschaft entscheidenden Einfluss auf die Stiftungslandschaft.

Das bevölkerungsreichste Bundesland liegt vorne: Nordrhein-Westfalen hat die meisten Einwohner und die höchste Zahl der Stiftungen. Doch die Einwohnerzahl ist nicht alleine ausschlaggebend für die in den Bundesländern unterschiedlich ausgeprägte Stiftungsfreudigkeit: Bayern liegt nur knapp hinter NRW, und Berlin fällt gegenüber Hamburg deutlich zurück. Ausschlaggebend scheint vielmehr das Vorhandensein einer Stiftungskultur zu sein, wie sie insbesondere in den alten Kaufmannsstädten und in Städten mit Universitäten oder mit Verwaltungssitz verbreitet ist. Dass eine solche in der DDR gänzlich fehlte, trägt zur Erklärung der niedrigen Anzahl von Stiftungen in Ostdeutschland bei.

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