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Seit 2013 leitet Bernd Sulz eine Mechatroniker-Akademie in Ägypten

Seit 2013 leitet Bernd Sulz eine Mechatroniker-Akademie in Ägypten. Das in Zusammenarbeit mit dem Verein Global Project Partners, der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer, dem Auswärtigen Amt und Mercedes-Benz entstandene Projekt hat bereits 20 Absolventen hervorgebracht. Weitere 40 studieren derzeit an der Akademie. Im Gespräch mit dem Berlin-Institut erklärt Bernd Sulz, warum Mercedes-Benz sich als deutscher Konzern für die Ausbildung der jungen Ägypter engagiert und welche Schwerpunkte er dabei setzt.

 

 

Warum ist es für Mercedes sinnvoll, die Ausbildung der Arbeitskräfte im Unternehmen zu übernehmen?

 

Zum einen aus sozialen Gründen. Wir wollen denjenigen eine Chance geben, die keine Möglichkeit haben, zu studieren. Außerdem gibt es ein klares Eigeninteresse. Durch bessere Arbeitskräfte steigern wir letztlich die Qualität und dadurch auch die Kundenzufriedenheit. In unseren Werkstätten haben wir zum Beispiel das Problem, dass die Mehrzahl der Techniker weder lesen noch schreiben, geschweige denn Englisch kann. Deshalb gibt es in der Werkstatt immer einen Ingenieur, der die englische Fachliteratur oder die Anweisungen aus dem System ausliest und mündlich weitergibt. Das ist nicht effizient.

 

Welche Anforderungen stellen Sie an die Bewerber für Ihre Akademie?

 

Zunächst sollten die Bewerber zwischen 18 und 22 Jahren alt sein. Sie sollten ein paar Worte Englisch sprechen, über Grundkenntnisse am PC verfügen und gerne mit den Händen arbeiten. Das polizeiliche Führungszeugnis muss sauber sein und sie sollten, wenn möglich, eine Fahrerlaubnis haben. Natürlich sollte auch die Persönlichkeit stimmen.

 

Wie schwer fällt es Ihnen, geeignete Bewerber zu finden?

 

Das ist extrem schwierig. Die 40 Teilnehmer des aktuellen Jahrgangs haben wir gerade so zusammenbekommen, obwohl wir 250 Bewerber hatten. Während der Ausbildungszeit unseres ersten Jahrgangs musste ich sogar acht Studenten entlassen, weil sie sich schlecht verhalten haben. Das war sehr problematisch. Die haben sich geprügelt und keinerlei Regeln beachtet. Irgendwann habe ich eine Trainerin eingestellt, die dann aus Mangel an Respekt selbst das Handtuch geworfen hat. Das Verhalten gegenüber dieser Frau war schlimm.

 

Was sind die Schwerpunkte der Ausbildung und wie kommen die Fähigkeiten der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt an?

 

Wir passen den Lehrplan ständig an. Insgesamt setzen wir stark auf Aspekte wie Sozialverhalten, Kommunikation und Teamspirit. Bei uns gibt es kaum Frontalunterricht. Stattdessen konfrontieren wir die Studenten mit Problemen, die sie selbst lösen müssen – indem sie Informationen suchen und die notwendigen Werkzeuge eigenständig einsetzen. Außerdem vermitteln wir vom ersten Tag an Englischkenntnisse. Die Studenten des ersten Abschlussjahrgangs haben sich während der 18-monatigen Ausbildungszeit zu wahren Rohdiamanten entwickelt. Sie sind in der Lage, sich selbst zu helfen. Sie können den Computer bedienen, die Informationen herausholen und letztlich auch das Fahrzeug programmieren. Entsprechend gut sind sie im ägyptischen Händlernetz aufgenommen worden. Alle haben nach Ausbildungsabschluss eine Weiterbeschäftigung gefunden.

 

Das Interview führte Ruth Müller am 07.10.2015 für die Studie „Krisenregion Mena. Wie demografische Veränderungen die Entwicklung im Nahen Osten und Nordafrika beeinflussen und was das für Europa bedeutet.“ Die Studie wurde gefördert vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

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