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Interview mit Felix Finkbeiner, Mitbegründer der Stiftung "Plant-for-the-Planet"

 

Felix Finkbeiner wurde 1997 in München geboren und lebt mit seinen Eltern und zwei Schwestern in einem Dorf zwischen Ammersee und Starnberger See. Er besucht eine internationale Schule und engagiert sich seit dem dritten Schuljahr als Klassensprecher. Im Januar 2007 hielt er ein Referat über die Klimakrise und rief dazu auf, auf der ganzen Welt Bäume zu pflanzen. Kurz darauf gründete er die Schülerinitiative "Plant-for-the-Planet". In "Plant-for-the-Planet-Akademien" an verschiedenen Orten bilden sich seitdem Kinder und Jugendliche gegenseitig zu Multiplikatoren aus, die die Idee der Klimagerechtigkeit weiter verbreiten. Das Netzwerk ist inzwischen weltweit aktiv und startete während der UN-Vollversammlung am 21. September 2009 in New York eine Kampagne: "Stop talking. Start planting."

 

Du hast schon im Alter von neun Jahren eine Initiative angeregt, "Plant-for-the-Planet". Wie ist es dazu gekommen?

 

Angefangen hat es ungefähr vor drei Jahren. Da hat meine Lehrerin ein neues Unterrichtsthema begonnen: Klimawandel. Ich sollte dann in der Klasse ein Referat darüber halten. Beim Vorbereiten habe ich herausgefunden, dass Wangari Maathai, eine Frau in Afrika, in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat – zusammen mit ganz, ganz vielen anderen Frauen. Und das mit einem hochpolitischen Hintergrund!

 

Inwiefern hochpolitisch?

 

Sie hat das nicht nur gemacht, um etwas für das Klima zu tun, sondern damit hat sie den Frauen Macht gebracht. Die Frauen haben mit dem Pflanzen der Bäume gezeigt, dass sie für sich und ihre Zukunft sorgen können, indem sie der Abholzung etwas entgegensetzen.

 

Hast du, als du das gelesen hast, gedacht: "Das könnte man doch überall machen, das organisiere ich?"

 

Nein. Als ich dann das Referat gehalten habe, habe ich dann am Ende spontan gesagt: „Lasst uns in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen!“ Meine Lehrerin fand das klasse, ganz viele andere Mitschüler auch. Die haben mich dann zu den Klassensprechern geschickt, dann zur Direktorin, von dort aus wurde ich dann in andere Schulen geschickt - und in kurzer Zeit waren wir ganz viele Schüler von ganz vielen Schulen und haben uns dann entschieden, das zusammen zu starten.

 

Und wie viele Bäume sind seit 2007 gepflanzt worden? Wie behaltet ihr da den Überblick?

 

Jeder, der Bäume pflanzt, kann das auf der Website eintragen. Wir nähern uns unserem Ziel: Am 4. Mai werden wir zusammen mit 45 Umweltministern aus allen Teilen der Welt auf dem Peterberg bei Bonn den millionsten Baum pflanzen.

 

Wo in der Welt wachsen die gepflanzten Bäume denn nun überall?

 

Wir sind weltweit schon in 72 Ländern aktiv.

 

Was bringen denn diese eine Million Bäume für die CO2-Bilanz, hilft das gegen den Klimawandel?

 

Es ist klar, dass wir damit die Probleme nicht lösen können. Wir sind nicht naiv, wir wissen das. Und deswegen ist bei uns jeder Baum, den wir pflanzen, ein Symbol für Klimagerechtigkeit. Denn es kann nicht gerecht sein, dass manche Menschen am meisten CO2 herauspusten und andere Menschen am meisten darunter leiden müssen.

 

Was wären denn richtige, wichtige Ansätze im Klimaschutz aus deiner Sicht und aus Sicht deiner Mitschülerinnen und Mitschüler?

 

Wir Kinder sind überzeugt, dass wir die Probleme weltweit lösen müssen. Wir Kinder denken nicht nationalstaatlich, sondern wir verstehen uns als Weltbürger. Wir können die Probleme auch nur mit weltweiten Gesetzen lösen, nicht mit landesweiten.

 

Als UN-Kindervertreter engagierst du dich ja auch für die internationale Verständigung. Was machen du und deine Kollegen und Kolleginnen bei den Vereinten Nationen?

 

Erst einmal organisieren wir jedes Jahr ein Treffen, um gemeinsam zu reden.

 

Ist Klima da ein wichtiges Thema?

 

Wir haben verschiedene Themen, die wir bearbeiten. Aber die meisten Probleme der Welt kann man nicht alleine lösen, die muss man zusammen lösen. Zum Beispiel die Klima- und Gerechtigkeitskrise. Denn die Menschen in den armen Ländern werden immer weiter Bäume abholzen, solange sie davon leben.

 

Es gibt also auch konkrete lokale Probleme. Sprecht ihr, die Kindervertreter und die Kinder von “Plant-for-the-Planet“, nur über die ganz großen Themen, oder überlegt ihr auch, was man im Kleinen ändern kann? Fordert ihr beispielsweise eure Eltern auf, seltener das Auto und häufiger das Fahrrad zu benutzen, streitet ihr über solche Dinge?

 

Wir sprechen auch darüber, aber damit kann man die Probleme natürlich auch nicht lösen.

 

Unternimmt die Generation eurer Eltern und Großeltern deiner Meinung nach zu wenig, um die Umwelt und das Klima zu schützen?

 

Ein anderes Kind hat mir mal erzählt: Wenn man einen Affen aussuchen lässt, ob er jetzt eine oder später sechs Bananen will, nimmt er immer die eine jetzt. Das ist ein gutes Beispiel. Für uns Kinder ist Zukunft: 80 oder 90 Jahre, für die Erwachsenen vielleicht nur 20 oder 30 Jahre. Wenn die Erwachsenen so denken wie die Affen – dann sieht es schlecht aus.

 

Das Interview führte Margret Karsch.

Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

 

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