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Society - Economy - Environment
Ulrike Tappeiner, Axel Borsdorf, Erich Tasser (Hg.)

 

Der Alpenraum ist eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Gebiete Europas. In vielen Diskussionen über Entsiedlung ländlicher Räume, Klimawandel, Transitverkehr und Tourismusentwicklung dienen die Alpen als Beispiel. Der vom EURAC-Institut für Alpine Umwelt und der Universität Innsbruck herausgegebene Alpenatlas gibt einen Überblick über die soziale, wirtschaftliche und ökologische Situation in der gesamten Gebirgszone. Er beschreibt Entwicklungen und ermöglicht sowohl Vergleiche zwischen einzelnen Regionen als auch einen genauen Blick auf bestimmte Gegenden - von Nizza am Fuße der südfranzösischen Seealpen bis Maribor in der slowenischen Untersteiermark.

Das Kompendium liefert die Informationen in Deutsch, Französisch, Italienisch, Slowenisch und Englisch und veranschaulicht sie anhand von mehr als 100 Karten. In der zu dem Projekt gehörenden Datenbank im Internet sind nicht nur die Karten, sondern auch die zugrunde liegenden Daten einsehbar. Leider sind diese oft schon sieben Jahre alt, aber eine sinnvolle Harmonisierung, wie sie bei so vielen unterschiedlichen Quellen und damit Definitionen und Erhebungsmethoden unerlässlich ist, braucht wohl ihre Zeit.

Deshalb ist nicht ganz klar, ob der Alpenraum noch immer 5.888 Gemeinden umfasst, wie es in dem Werk heißt. Denn während sich einzelne Orte innerhalb der Gebirgskette durch den Bevölkerungsschwund förmlich auflösen, wachsen andere zu städtischen Zentren zusammen. Vor allem in Gegenden, in denen die Menschen die Landwirtschaft aufgegeben haben, und wo auch mit Tourismus kein Einkommen zu erwirtschaften ist, lassen sich viele Bedürfnisse jüngerer Leute nicht erfüllen. Diese ziehen weg, und in der Folge haben die Regionen mit Überalterung, Entvölkerung und Isolation zu kämpfen. Auf der anderen Seite finden in sogenannten Gunstlagen Agglomerationsprozesse statt. Die alpinen Zentren sind in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Der größte Ballungsraum ist Grenoble in Frankreich mit 415.000 Einwohnern, es folgen Innsbruck mit 250.000 sowie Bozen und Trient in Italien mit 200.000 und Klagenfurt in Österreich mit 150.000 Einwohnern.

Der Alpenatlas analysiert die Gemeinden anhand verschiedener Indikatoren, beispielsweise der besiedelbaren Fläche: Auf nur 17,3 Prozent des Alpenraums lässt sich überhaupt leben. Bezieht man die Bevölkerung von 13,7 Millionen Einwohnern auf diesen Wert und nicht auf die Gesamtfläche, so gehört die Bergregion mit 414 Personen pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Gegenden Europas. Zum Vergleich: In Deutschland wohnen auf einem Quadratkilometer 231 Menschen, den Rekord innerhalb der EU-27 halten die Niederlande mit 485 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Ballungszentren, wie Grenoble mit 6.282 Einwohnern pro Quadratkilometer, sind vergleichbar mit denen außerhalb der Alpen - etwa Mailand, wo 6.988 Menschen auf dieser Fläche leben. Berlin hingegen kommt gerade mal auf 3.812 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das Kompendium lädt zum Blättern ein und liefert zahlreiche detaillierte Informationen - wer sich für die Alpen und seine Bewohner interessiert, der sollte das Buch unbedingt einmal zur Hand nehmen.



Eurac/Universität Innsbruck (Hg.): Alpenatlas. Society - Economy - Environment. 280 S. 168 Abb., 150 in Farbe. Heidelberg 2008. 49,95 €.

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