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Spurensuche im Niemandsland
von Michael Jürgs

 

In Zukunft wird der Anteil älterer Menschen in der deutschen Bevölkerung stetig größer. Dank des medizinischen Fortschritts leben wir immer länger. Und weil wir immer weniger an "einfachen", früher tödlichen Infektionskrankheiten sterben, erkranken immer mehr Menschen an chronischen Zerfallserscheinungen wie der Alzheimerschen Krankheit. Denn das Risiko für Demenzen steigt mit dem Alter rapide an. Während von den 65-Jährigen gerade jeder 26. Alzheimer bekommt, ist es bei den 85-Jährigen schon jeder Dritte. Die Kranken- und Pflegekassen und letztlich jeder einzelne Privathaushalt müssen sich auf eine ständig steigende Zahl von Alzheimer-Patienten einstellen.

Vor hundert Jahren, als der Nervenarzt Alois Alzheimer auf einer Tagung der Südwestdeutschen Irrenärzte am 3. November 1906 in Tübingen von der "eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde" seiner Patientin Auguste Deter berichtete, stieß er bei den Fachkollegen zunächst auf wenig Interesse. Lange blieb die Krankheit von untergeordneter Bedeutung - schlicht und einfach, weil es wenige Fälle gab. Erst seit die amerikanische Schauspielerin Rita Hayworth in den 1980er Jahren an Alzheimer erkrankte, aber vor allem als der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan mit seinem Leiden an die Öffentlichkeit trat, findet die Krankheit öffentliche Beachtung. Heute sind in Deutschland etwa eine Million Menschen betroffen, in den USA vier, weltweit zwölf Millionen - und es wird intensiv nach Ursachen und Therapieansätzen geforscht.

Menschen mit Alzheimer verlieren nach und nach ihr Gedächtnis und damit die Erinnerung an ihre eigene Persönlichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium sind sie komplett auf fremde Hilfe angewiesen. Was genau die Alzheimersche Demenz auslöst, ist noch immer wenig verstanden. Als Hauptrisikofaktor nennen Mediziner das Alter selbst.

Mangels Therapie raten Mediziner auf die wichtigsten Risikofaktoren selbst Einfluss zu nehmen: Bluthochdruck, hoher Kalorienverbrauch und Übergewicht, Cholesterin und Diabetes mellitus stehen im Zusammenhang mit Alzheimer. Doch es gibt auch genetische Faktoren, die auf die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, einwirken. Wie groß der Einfluss von Genen ist, welche Rolle Umweltfaktoren spielen und welche Rolle der Zufall spielt, ist noch umstritten.

Manche Forscher, die neue Alzheimer-Medikamente entwickeln, hoffen, dass es bald gelingen wird, die Krankheit aufzuhalten, auch wenn sie bereits ausgebrochen ist. Es werden sowohl Stoffe gesucht, die Enzyme daran hindern, dass sich Plaques überhaupt bilden, als auch solche, die die vorhandenen Plaques auflösen und über die Blutbahn abführen können. Doch bisher haben Stoffe, die im Tierversuch Wirkung zeigten, sich am Menschen nicht bewährt. Im praktischen Alltag mit Demenzkranken zeigt sich denn auch menschliche Nähe und Zuwendung als das wirkungsvollste Medikament, so das Fazit von Michael Jürgs, Autor des Buches "Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland".

Literatur: Michael Jürgs, Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland, Bertelsmann, München, 2006

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