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Handbuch für Kommunen
Stadt Arnsberg

Die Stadt Arnsberg im Sauerland hat etwas über 74.000 Einwohner. Geschätzte 1.200 sind an einer Demenz erkrankt. Davon leben über 60 Prozent zu Hause und werden von Angehörigen unterstützt. Mit diesen Zahlen liegt Arnsberg ziemlich genau im gesamtdeutschen Durchschnitt. Weit überdurchschnittlich ist allerdings, was die Kommune tut, um die Lebensqualität ihrer demenzkranken Bürger und deren Angehöriger zu verbessern – und wie sie dabei professionelles mit zivilgesellschaftlichem Engagement verknüpft.

Arnsberg ist ein Modell dafür, "wie Kommunen fantasievoll mit dem demografischen Wandel umgehen können", heißt es im "Demenz-Report" des Berlin-Instituts. Jetzt hat die Fachstelle Zukunft Alter der Arnsberger Stadtverwaltung ihre Erfahrungen in einem Handbuch für Kommunen veröffentlicht. Nachahmung ausdrücklich erwünscht.

Das Handbuch "Arnsberger 'Lern-Werkstadt' Demenz" besteht aus zwei Teilen. Unter dem Titel "Strategie" setzt sich der erste Teil damit auseinander, warum Kommunen sich überhaupt mit Demenz befassen sollten, und schildert, wie es in Arnsberg dazu kam. Vor drei Jahren lud die Verwaltung die Einwohner zum Nachdenken darüber ein, wie sie selbst dazu beitragen könnten, Menschen mit Demenz ein besseres Leben zu ermöglichen. Dies setzte eine intensive öffentliche Diskussion in Gang. Menschen aller Generationen und aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft entwickelten eine Fülle von Ideen. Heute arbeiten Kindergärten mit Altenheimen zusammen. Rüstige Senioren gehen mit unruhigen Demenzkranken wandern. Handwerker haben sich das Knowhow für den demenzgerechten Umbau von Wohnungen erarbeitet.

Der zweite Teil ist mit "Praxis" überschrieben. Darin werden die vielen Maßnahmen und Vorhaben im Detail geschildert, gegliedert nach den unterschiedlichen Gruppen: Stadt, Bürger, Ehrenamtliche, Familien und Betroffene selbst. Von der Ausrichtung einer Initiativkonferenz über Plakataktionen für die Bürger oder den Aufbau eines Beratungsnetzwerks bis hin zum Tanztee für Menschen mit und ohne Demenz bietet das Handbuch vielfältige Anregungen. Überdies ist es lebendig und somit gut nachvollziehbar geschrieben. Wo immer möglich, sind die Beispiele mit Links und Adressen versehen. Auf jedes der Unterkapitel folgt eine Merkliste. Darin stehen zum Ankreuzen so einfache, aber wichtige Sätze wie: "Ziele und Leitbilder entwickeln: Wo wollen wir hin? Was wollen wir erreichen?"

Ein guter Anfang. Denn eines stellte schon der "Demenz-Report" des Berlin-Instituts klar: Es muss etwas geschehen, wenn sich der Anteil Demenzkranker an der Bevölkerung Deutschlands bis 2030 verdoppelt, im gleichen Zeitraum aber nur noch etwa halb so viele Menschen im erwerbsfähigen Alter als professionell Pflegende oder als Betreuungspersonen innerhalb der Familie zur Verfügung stehen.

 

Rezension von Sabine Sütterlin, Nachdruck unter Quellenangabe (Sabine Sütterlin/ Berlin-Institut) erlaubt.

 

Stadt Arnsberg (Hg.) (2011): Arnsberger "Lern-Werkstadt" Demenz. Handbuch für Kommunen. Arnsberg. Online abrufbar unter www.projekt-demenz-arnsberg.de oder kostenlos zu beziehen über die Fachstelle Zukunft Alter der Stadt Arnsberg. Ansprechpartner: Martin Polenz, Lange Wende 16a, 59755 Arnsberg, 02932 201 2206, m.polenz(at)arnsberg.de

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