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Spezial: Klima
Herausgegeben von Le monde diplomatique

 

Ein ungewohnter Anblick, völlig verzerrt - das soll eine Weltkarte sein? Der neue Klimaatlas von "Le monde diplomatique" ist voll von faszinierenden Grafiken. Eine davon zeigt den ökologischen Fußabdruck aller Länder der Erde. Also wie viel Fläche die Bevölkerung eines Landes für all seinen Lebensstandard in Anspruch nimmt, von den Straßen über die Landwirtschaft bis zum Abbau von Rohstoffen im eigenen Land oder anderswo. Die USA, Europa und Japan erscheinen darauf aufgebläht und übergewichtig, Südamerika dagegen abgemagert. Dem afrikanischen Kontinent ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen - seine Armut und die damit verbundene Unterernährung anzusehen. Es ist nur das Skelett eines Kontinents. Die Karte macht deutlich: Der Flächenverbrauch pro Kopf ist in den einkommensstarken Ländern sechsmal so hoch wie in den einkommensschwachen Ländern.

Umgekehrt leiden die armen Länder überproportional an den Folgen der Erderwärmung, für die sie kaum verantwortlich sind: Trockenheit und Überschwemmungen, Wüstenbildung und Zyklone treffen damit obendrein diejenigen, die sich am wenigsten vor diesen Naturkatastrophen schützen können und die von der Landwirtschaft als Einkommensquelle und zur Ernährung weitaus abhängiger als die reichen Nationen.

Der Atlas gliedert sich in zwei Teile: Der erste liefert Fakten zu den Ursachen, Phänomenen und Folgen des Klimawandels, der zweite Vorschläge, wie die Politik reagieren könnte - und müsste. Wen man mit den Argumenten Gerechtigkeit und Solidarität nicht überzeugen kann, der wird sich angesichts der wissenschaftlichen Fakten kaum der Notwendigkeit eines veränderten Handelns entziehen können. Und vielleicht hört er auf finanzielle Argumente: Der britische Ökonom Nicholas Stern hat schon 2006 vorgerechnet, dass die Umweltschäden, die insbesondere infolge der Klimaerwärmung entstehen, Kosten in Höhe von fünf bis 20 Prozent der Bruttosozialprodukte der Welt verursachen werden. Um den mittleren globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, wären dagegen nur Investitionen in Höhe von einem Prozent nötig.

Dieser Atlas der Globalisierung eignet sich hervorragend als Nachschlagewerk, um einen schnellen Überblick über verschiedene Aspekte des Klimawandels zu gewinnen, sei es etwa zu den CO2-Emissionen, zum Verkehr, zur Wasserversorgung oder zum Artensterben. Die Lösungsansätze, die das Klima-Spezial präsentiert, zeigen, dass von den wohlhabenden Ländern keinesfalls nur Verzicht gefordert ist: Eine Veränderung der Essgewohnheiten, der Energiepolitik, der Mobilität oder des Wohnens kann vielmehr mit technischen Innovationen verbunden sein, die unsere Lebensqualität verbessern. Ohnehin haben wir langfristig keine andere Wahl.

 

Rezension von Margret Karsch, Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

 

Le monde diplomatique: Atlas der Globalisierung spezial: Klima. Berlin 2008, 96 S., 10 Euro.

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