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Atlas des mutations spatiales de la Suisse
Von Martin Schuler, Pierre Dessemontet, Christophe Jemelin, Alain Jarne, Natacha Pasche, Werner Haug

Der "Atlas des räumlichen Wandels der Schweiz" bietet eine Vielfalt von Ansichten der demografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in dem Alpenland.

 

Die Alpentäler im Herzen der Eidgenossenschaft, die mit ihrer bäuerlichen Folklore bis heute das Bild der Schweiz prägen, entleeren sich zusehends. Derweil sind die Agglomerationen, die Speckgürtel der Städte in den tieferen Lagen, immer mehr zu einer urbanen Großregion zusammengewachsen, in der die Grenzen zwischen Stadt und Land allmählich verschwimmen. In dem schmalen Korridor entlang der Bahnstrecke vom Genfersee zum Bodensee konzentrieren sich die Unternehmen, denen das Alpenland seinen Wohlstand verdankt – und das "Humankapital", abgewandert aus den strukturschwachen Gebieten oder zugewandert aus dem Ausland. Die Einzugsgebiete der helvetischen Metropolen Genf, Basel und Zürich reichen weit über die Grenzen hinaus, sie sind deshalb offener gegenüber Europa als die ländlichen Regionen. Aber auch innerhalb der Agglomerationen zeigen sich neue wirtschaftliche und soziale Differenzierung.

 

Diese Entwicklungen gibt es zwar anderswo auch. In der Schweiz vollziehen sie sich jedoch auf engstem Raum: 41.000 Quadratkilometer Landesfläche, weniger als Niedersachsen hat, davon allerdings nur etwa 30 Prozent nicht von Bergen verstellt. Was das bedeutet, lässt sich im "Atlas des räumlichen Wandels der Schweiz", den das Bundesamt für Statistik in Neuchâtel im Verlag der Neuen Zürcher Zeitung herausgegeben hat, bis in die kleinsten Details verfolgen. Die Schweizer Statistiker können nicht nur auf die Daten regelmäßig stattfindender Volkszählungen zurückgreifen, um zeitliche Abläufe sichtbar zu machen. Diese und alle anderen Erhebungsdaten sind auch - "weltweit wohl einmalig", wie es im Vorwort heißt -, mit Raumkoordinaten versehen, "was fast beliebige Zusammenfassungen und Kombinationen ermöglicht".

 

Tatsächlich bietet der Atlas dem staunenden Betrachter die verblüffendsten Ansichten der Schweiz und ihrer rund sieben Millionen Bewohner: Wohnumfeld und Bildungsgrad, Sprache, Religion, Familienformen, gesellschaftliche Schichtung, Abstimmungsverhalten, Landwirtschaft, Industrie, Tourismus und so weiter. Dabei füllt allein die Mobilität der arbeitenden Bevölkerung 21 der insgesamt 416 großformatigen Seiten. Aus Grafiken mit Häuschen und Klötzchen lässt sich da etwa ablesen, dass die meisten Pendler in Einfamilienhäusern der Baujahre 1971 bis 1990 oder in Wohnblocks aus der Nachkriegszeit wohnen, der größte Teil von ihnen auf einer Meereshöhe zwischen 400 und 500 Meter, in der Nähe lokaler Bahnhöfe oder höchstens vier Kilometer vom nächsten Autobahnanschluss entfernt. Die Gemeinden, aus denen Menschen wegpendeln, sind in Karten farblich abgestuft markiert, andere Karten zeigen die wichtigsten Pendlerziele in Form von Sternen oder die bevorzugten Verkehrsmittel der Pendler.

 

Eine originelle Sichtweise ermöglichen die Anamorphose-Karten, in denen beispielsweise bevölkerungsstarke Gemeinden zwar in ihren geografischen Grenzen belassen werden, aber proportional zur Zahl ihrer Bewohner "aufgeblasen" dargestellt sind – während die Alpen praktisch verschwinden. Überraschend auch der "Bevölkerungsschwerpunkt", der seit 1850 kontinuierlich nach Westen gewandert ist, von 1870 bis 1960 nach Norden und seither wieder massiv in Richtung Genferseeregion. Eingebettet sind die Karten und grafischen Darstellungen in ausführliche Erklärungen und Analysen. Natürlich zweisprachig, auf Deutsch und Französisch.

 

Rezension von Sabine Sütterlin, Nachdruck unter Quellenangabe (Sabine Sütterlin / Berlin-Institut) erlaubt.

 

Martin Schuler, Pierre Dessemontet et al.: Atlas des räumlichen Wandels der Schweiz – Atlas des mutations spatiales de la Suisse. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel,
Verlag Neue Zürcher Zeitung,
Zürich 2007,
416 Seiten,
98 SFr.

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