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Handlungsbedarf erfassen
von Silvia Gerisch, Kornelius Knapp & Karin Töpsch

 

Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen die Altenpflege vor große Herausforderungen: Einerseits steigt die Zahl der Pflegebedürftigen zukünftig an, andererseits reduziert sich die Zahl der Berufseinsteiger aufgrund des demografischen Wandels und der geringen Attraktivität des Berufsbildes kontinuierlich. Die Folge ist, dass viele Pflegeeinrichtungen ihre Stellen nicht mehr adäquat besetzen können. Neben dem Fachkräftemangel erhöht sich auch das durchschnittliche Alter der Pflegekräfte.


Der vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung verfasste Leitfaden „Demografiefeste Personalpolitik in der Altenpflege. Handlungsbedarf erfassen“ beschreibt die Herausforderungen des demografischen Wandels und stellt Unternehmen Handlungsstrategien vor, wie sie diesen Entwicklungen begegnen können. Die Forscherinnen und Forscher haben den leicht verständlichen und übersichtlichen Leitfaden im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts „Älter werden in der Pflege“ erarbeitet.


Dass die Alterung der Gesellschaft Folgen für den Arbeitsmarkt im Bereich Pflege hat, liegt auf der Hand. Zukünftig wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen rasant erhöhen: Im Jahr 2020 wird es laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes gegenüber 2005 mehr als ein Drittel pflegebedürftige Personen geben, bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl um mehr als die Hälfte erhöhen und schließlich bis ins Jahr 2050 verdoppeln. Zudem steigt die Zahl hochaltriger, multimorbider, chronisch kranker und dementer Personen, die pflegebedürftig sind.


Durch die wachsende Zahl Pflegebedürftiger, den Mangel an jungen, qualifizierten Arbeitskräften sowie die beschlossenen Pflegereformen und die damit einhergehenden Rationalisierungen werden sich die Anforderungen an die Kompetenzen und Leistungskraft des Pflegepersonals erhöhen: Durch den veränderte Pflegebedarf gibt es eine höhere Nachfrage nach spezialisierten Leistungen der Behandlungspflege und nach individueller Betreuung. Die Arbeitskräfte stehen unter erheblichen Zeit- und Kostendruck, auch wegen der starken Konkurrenz in diesem Sektor. Dadurch, dass zunehmend moderne Kommunikations- und Dokumentationsmittel eingesetzt werden, ist das Personal gefordert, sich ständig weiterzubilden.


Aber auch die physischen und psychischen Belastungen beeinflussen den Alltag der Arbeitskräfte. Sind Mitarbeiter überfordert, besteht die Gefahr, dass die Qualität der Pflege leidet, die Motivation zur Arbeit nachlässt und in Extremfällen sogar zu Fehltagen führt, wodurch wiederum die Belastung für andere Mitarbeiter ansteigt. Schon jetzt ist der Krankenstand im Pflegesektor höher als in anderen Berufsgruppen. Dies hängt auch mit dem hohen Anteil an älteren Beschäftigten in der Pflege zusammen. Denn sind diese krank geschrieben, fehlen sie im Mittel länger als die jüngeren Mitarbeiter.


Wollen die Pflegeeinrichtungen mittel- und langfristig über kompetentes und belastbares Personal verfügen sowie deren Leistungsfähigkeit erhalten, müssen sie geeignete personalpolitische Entscheidungen treffen. Zur Analyse der Ausgangssituation und möglicher personalwirtschaftlicher Probleme stellt der Leitfaden einen „Quick-Check“ vor, den jedes Unternehmen eigenständig durchführen kann. Der „Quick-Check“ besteht aus elf Fragen unterteilt in zwei Fragekomplexe, die mit „trifft eher zu“ und „trifft eher nicht zu“ beantwortet werden können. Werden bestimmte Fragekomplexe mehrfach mit „trifft eher zu“ beantwortet, wird empfohlen, entweder mit einer Alterstrukturanalyse oder mit einer demografiebezogenen Arbeitssituationsanalyse fortzufahren.


Beide Verfahren ermöglichen es, die Ursachen der Probleme zu erfassen und eine Strategie zu entwickeln, um den Herausforderungen zu begegnen. Die Alterstrukturanalyse dient dazu, die Personal- und Alterstruktur der Belegschaft zu überprüfen und die voraussichtliche Entwicklung abzuschätzen. Die Ergebnisse liefern Aufschluss über den zukünftigen Handlungsbedarf des Unternehmens. Die demografiebezogene Arbeitssituationsanalyse ist eine qualitative Befragungsmethode, die Ergebnisse über die Anforderungs- und Belastungssituation der Beschäftigten liefert. Neben den Problemen sollen gleichzeitig Ideen und Lösungsvorschläge erfragt werden.


Mit diesen beiden Instrumenten und den daraus abzuleitenden konkreten Maßnahmen und Empfehlungen bietet der Leitfaden praktische Unterstützung bei der Personalpolitik von Unternehmen, die in der Altenpflege tätig sind. Mit nur rund 50 Seiten in großzügigem Layout liegt damit ein Heft vor, das komprimierte Informationen enthält, durch die übersichtliche Darstellung der Fakten dabei gut lesbar ist und schnell zum Punkt kommt. Mindestens sensibilisiert es für das Thema – wer in der Altenpflege eine zukunftsweisende Personalpolitik betreiben will, kann darüber hinaus einiges lernen, um sein Unternehmen gut auf den demografischen Wandel vorzubereiten.


Gerisch, Silvia / Knapp, Kornelius & Töpsch, Karin: (2009): Demografiefeste Personalpolitik in der Altenpflege. Handlungsbedarf erfassen, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, Leitfaden für die Bildungspraxis, Band 39, Bielefeld. 58 S., ISBN 978-3-7639-4274-9, 17,90 Euro.

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23 March 2010

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