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Zwei Frauen gestalten Integration
von Gündogdu Hatice, Ulrike Zenk

 

Das Buch enthält einen Briefwechsel zwischen zwei befreundeten Lehrerinnen aus dem Sauerland. Beide sind Deutsche, eine von ihnen ist türkischstämmig. Auf ganz persönliche Weise tauschen sich die beiden Kolleginnen darüber aus, was sie unter Integration verstehen und wie man sie fördern kann. Die Perspektiven der 1952 geborenen Ulrike Zenk und der 26 Jahre jüngeren Hatice Gündogdu unterscheiden sich oft deutlich – doch führt der Austausch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis, so dass sich ein interkulturelles Gespräch in bester aufklärerischer Tradition entwickelt.



Gündogdu und Zenk unterrichten an einer Schule, zu deren Einzugsgebiet Werdohl gehört – eine Stadt, in der mehr als 30 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund haben, etwa 60 Prozent davon sind türkischstämmig. Die Schule ist deshalb besonders stark gefordert die Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, sensibel auf kulturelle Unterschiede zu reagieren und Lösungen für etwaige Konflikte zu finden. Dazu sollen auch die „Integrationsklassen“ beitragen, deren Klassenlehrerin Hatice Gündogdu ist: Türkischstämmige Kinder und Jugendliche erhalten bei schulischem Misserfolg außerhalb des Unterrichts die Möglichkeit, an Deutschförder- und muttersprachlichem Türkischunterricht sowie einer AG teilzunehmen. Hier arbeiten die Schülerinnen und Schüler nicht nur Unterrichtsstoff nach, sondern sie sprechen auch in angstfreier Atmosphäre über private Probleme – etwa über Pläne von Eltern zur Verheiratung ihrer Tochter in die Türkei und die Widerstände der Jugendlichen gegen solche Maßnahmen. In dieser Gruppe sind die Notwendigkeit und der Druck geringer, die Umstände zu erklären.

Integration ist ein offener Prozess – und auch das Buch folgt einem offenen und persönlichen Dialog, in dem einzelne Beobachtungen und Anekdoten wie der Umgang mit Kochrezepten oder damit, dass das Auto nicht anspringt, dazu führen, dass die Bilder von „Deutschen“ und „Türken“ verschwimmen. Ob in diesen Beispielen tatsächlich „die Deutsche“ von „der Türkin“ lernt oder umgekehrt, oder ob hier nicht auch die unterschiedlichen Generationen oder einfach zwei individuelle Personen ihre jeweilige Sicht der Dinge schildern, ist nicht immer zu erkennen. Dennoch machen die Briefe deutlich, dass es weder „die Deutsche“ noch „die Türkin“ gibt – was beispielsweise schon aus dem Hinweis von Hatice Gündogdu deutlich wird, dass eine Muslima ein Kopftuch aus verschiedenen Gründen tragen kann: aus religiöser Überzeugung, aber auch aus reinem Modebewusstsein.

Das Buch fordert denn auch auf, die eigenen Vorurteile in Frage zu stellen und das Potenzial zu nutzen, das im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund liegt. Darüber hinaus weist es auf die notorischen Schwächen unseres Bildungssystems hin und zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf. Zugleich fordert es jeden Einzelnen auf - aus der deutschen wie aus der Migrantengesellschaft –  aufeinander zuzugehen. So schreibt Hatice Gündogdu : „Wenn jede hundertste Person mit Migrationshintergrund so eine Freundin hätte wie dich, hätten wir keine Probleme mehr.“ Allen, die sich mit Integrationsarbeit beschäftigen, ist dieses Buch zu empfehlen.

Hatice Gündogdu/Ulrike Zenk: Kampf der Kulturen? Zwei Frauen gestalten Integration. Vorwort von Ahmet Toprak. Norderstedt 2008. 146 Seiten, 12,90 Euro.

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