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Einmal jährlich veröffentlicht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen Beschäftigungsausblick, der detaillierte Informationen über die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungssituation in den Mitgliedsländern enthält. Ziel des Berichtes ist es, höhere Beschäftigung, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie steigenden Lebensstandart zu fördern. Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung, sinkender Fertilitätsraten und Wanderungsbewegungen benötigen die OECD-Länder flexible und effiziente Arbeitsmärkte.

Der aktuelle Bericht hebt positiv hervor, dass Arbeitsmarktreformen in den OECD-Ländern einiges verbessert haben. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2007 5,6 Prozent, das sind 0,3 Prozent weniger als im Oktober 2006 und 0,9 Prozent weniger als im September 2005. Darüber hinaus hat sich die Beschäftigungsquote erhöht. Zwei Drittel der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter gehen einer Beschäftigung nach, ein Wert, der bisher noch nicht erreicht worden war.

Aber noch immer gibt es Bevölkerungsgruppen, die von dem Fortschritt ausgeschlossen sind. Laut dem aktuellen Beschäftigungsausblick tritt in vielen Unternehmen Diskriminierung am Arbeitsplatz nach wie vor häufig auf. Besonders betroffen sind Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten. Frauen sind am Arbeitsmarkt nach wie vor unterrepräsentiert, die Wahrscheinlichkeit eine Erwerbstätigkeit auszuüben ist bei dieser Bevölkerungsgruppe um 20 Prozent geringer als bei männlichen Mitstreitern. Gleichzeitig verdienen sie bei gleicher Tätigkeit durchschnittlich 17 Prozent weniger als Männer. Bei Angehörigen ethnischer Minderheiten fällt die Arbeitssuche trotz gleicher Qualifikationen deutlich länger aus als bei Mitgliedern der Majorität. Auch Jugendliche, ältere Menschen und Behinderte sind in vielen OECD Ländern am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert. Der Bericht beschäftigt sich daher auch mit der Frage, wie gleichwertige Beschäftigungschancen für alle Akteure des Arbeitsmarktes gewährleistet werden können.

Die OECD geht darüber hinaus der Frage nach, wie der Konjunkturzyklus die Jugendarbeitslosigkeit prägt und wie schnell junge Menschen ins Berufleben einsteigen können. Dies verläuft in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Während Jugendliche in den USA, Korea, Großbritannien und Irland nach weniger als zwei Jahren eine Festanstellung gefunden haben, dauert es in Deutschland, Griechenland, Italien und Spanien bis zu vier Jahre. In der Übergangszeit gehen viele Jugendliche einer Teilzeitbeschäftigung nach, der Anteil dieser Gruppe hat sich in den letzten Jahren erhöht. Für viele Jugendliche ist es schwer, im Anschluss den Sprung in die Festanstellung zu schaffen.

Der Bericht beschäftigt sich auch mit informeller Beschäftigung - also im Wesentlichen Schwarzarbeit - in sieben OECD-Ländern und der Frage, wie die Staaten dieser entgegenwirken können. Schließlich werden ausführlich die Auswirkungen des Arbeitsmarktes auf die Gesundheit und die Rolle multinationaler Unternehmen analysiert, die im Zuge der Globalisierung stetig zunimmt.

Die OECD legt mit dem Band eine Studie über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung und gleichzeitig einen Ausblick auf das Jahr 2009 vor. Zu Beginn eines jeden Kapitels werden die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. In allen Kapiteln werden die Ergebnisse statistisch aufbereitet. Detaillierte grafische Darstellungen illustrieren die Beispiele. Die Tabellen und Grafiken sind mit einem Link versehen, so dass die entsprechenden Daten herunter geladen werden können.

 

Rezension von Mareike Lettow, Nachdruck unter Quellenangabe (Mareike Lettow / Berlin-Institut) erlaubt.

 

OECD (Hg.): OECD Employment Outlook 2008. Paris. 368 S., 80 Euro

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