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A microinsurance compendium
Von Craig Churchill (Hg.)

 

Wo Krankheit Einkommensausfälle, wo Dürre Hunger und wo Naturkatastrophen Obdachlosigkeit bedeuten und betroffene Menschen unausweichlich in eine Spirale aus Armut und Elend stürzen, bieten Mikroversicherungen Schutz. Sie sind somit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Armut. Denn für eine nachhaltige Entwicklung ist es wichtig, gerade gering verdienende Haushalte gegen drohende Risiken und Gefahren abzusichern.

Der entscheidende Unterschied von Mikroversicherungen zu gewöhnlichen Versicherungen besteht darin, dass sie sich an Kunden richten, die über ein zu geringes Einkommen verfügen, um sich die Beiträge der gewöhnlichen Versicherungen leisten zu können. Mikroversicherungen bemessen ihre Beiträge an diesen niedrigen Einkommen und erfassen dadurch eine neue Zielgruppe.

Kann diese Rechnung aufgehen? Sie geht auf. Mit dem Konzept lassen sich teilweise sogar Gewinne erwirtschaften. Auf über 250 Millionen neue Kunden schätzt der Allianzkonzern, der sich im Bereich Mikroversicherungen in Asien engagiert, das Marktpotenzial allein in Indien. Das jüngst erschienene Kompendium „Protecting the poor. A microinsurance compendium“ fasst aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zusammen. Das Buch basiert auf einem weltweiten Forschungsprojekt verschiedener nationaler Entwicklungsagenturen sowie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und berichtet Erfahrungen von rund vierzig Versicherungsanbietern aus insgesamt fünfundzwanzig Fallstudien in Asien, Afrika und Lateinamerika. Die an dem Projekt beteiligten Experten, zumeist aus der Entwicklungszusammenarbeit und dem Versicherungswesen, sind die Autoren des Buches. Darin liegt die Stärke der Publikation, denn das Thema wird detailliert und fachgerecht aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt der Veröffentlichung: Wie funktionieren Mikroversicherungen? Welche Organisationsmöglichkeiten gibt es? Wie tragen staatliche und private Akteure zum Funktionieren des Mikroversicherungswesens bei? Mit welchen Hindernissen ist beim Aufbau neuer Versicherungsstrukturen in Entwicklungsländern zu rechnen? Themen wie Unternehmensführung, Vermarktungstechniken und Finanzmanagement werden ausführlich in allen Facetten erörtert. Die Autoren diskutieren unterschiedliche Versicherungsprodukte wie eine Kranken- oder Lebensversicherung für Arme und sie analysieren die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Kindern. Alle Kapitel bauen durch zahlreiche Fallbeispiele einen starken Bezug zur Praxis auf. Verschiedene Schaubilder und Tabellen illustrieren die Beispiele.

Das Kompendium richtet sich in erster Linie an Versicherungen, Banken, Finanzexperten, Regierungen und Nichtregierungs-Organisationen. Die Leser erfahren in insgesamt zwölf Strategien mit all ihren Pros und Contras, wie sich Mikroversicherungen aussichtsreich und nachhaltig einführen lassen. Hieraus müssen sie jedoch am Ende selbst die passende Handlungsempfehlung herauslesen.

Wenngleich sich aus dem Buch kein allgemeingültiges Patentrezept zum Aufbau von Mikroversicherungen ableiten lässt, bietet es zumindest die Bausteine für das eigene Vorgehen. Durch den starken Praxisbezug und die Erkenntnisse, die sich aus den weltweiten Erfahrungen ergeben, bietet es dem Leser dennoch – so das erklärte Ziel der Publikation – die Möglichkeit, aus den Erfahrungen anderer zu lernen und deren Fehler zu vermeiden.

 

Rezension von Lilli Sippel, Nachdruck unter Quellenangabe (Lilli Sippel / Berlin-Institut) erlaubt.

 
Churchill, Craig (Hg.) (2008): Protecting the poor. A microinsurance compendium. New Delhi, 654 S., 80 US-Dollar.

 

Erhältlich bei:
International Labor Organization

 

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