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Wie Vielfalt zusammenhält – Projekte, Initiativen und Menschen
Herausgegeben vom Bundesverband Deutscher Stiftungen

 

Wie lassen sich Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte in unsere Gesellschaft integrieren? Dieser Frage, einem der Topthemen des demografischen Wandels, widmet sich der neue Stiftungsreport 2008/09. Er beschreibt, wie sich Stiftungen in diesem Bereich engagieren und welche zivilgesellschaftliche Rolle ihnen dabei zukommt.

 

Seit der Jahrtausendwende wird sich die deutsche Politik der verpassten Chancen in Bezug auf die Integration von Zuwanderern bewusst. Dies zeigt sich in der Änderung des Einbürgerungsgesetzes, dem Nationalen Integrationsplan und den Integrationsgipfeln. Die Zahlen machen deutlich, wie überfällig solche Konzepte sind: Fast 20 Prozent der deutschen Bevölkerung weisen eine Migrationgeschichte auf. Viele von ihnen sind in Deutschland geboren und/oder besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Trotzdem sind sie im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. In Fachkreisen spricht man von einem „Brain Waste“, also der Verschwendung von Fähigkeiten, welche die schrumpfende und alternde deutsche Gesellschaft so gut gebrauchen könnte.

 

Vielen Stiftungen ist diese Problemlage bekannt. Sie mahnen die Politik nicht nur seit geraumer Zeit zum Handeln, sie tun auch selbst etwas. Das START-Projekt der Hertie-Stiftung, in dem begabte und engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund gezielt gefördert werden, ist nur ein Beispiel hierfür. Viele andere Initiativen stellt der Report in Fallbeispielen, Reportagen und Interviews vor. Das Spektrum reicht dabei von finanziell reich geförderten Großprojekten hin zu kleinen individuellen Engagements. Dies sind erste Schritte einer praktischen Integration. Klaus J. Bade, Begründer des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien mahnt deshalb zur Eile: „In Sachen Integrationsförderung gibt es keine Erkenntnislücke, sondern ein Umsetzungsproblem.“

 

Stiftungen bieten den idealen Rahmen für zivilgesellschaftliches Engagement. Ohne auf Wählerstimmen Rücksicht nehmen zu müssen sind sie schnell handlungsfähig und auch bereit, Fehler zuzugeben und ihren Kurs gegebenenfalls zu korrigieren. Sie können auf eigenes Risiko innovativ sein und somit Pionierleistungen vollbringen. Da wundert es nicht, dass die Akzeptanz der Stiftungen in der Bevölkerung kontinuierlich wächst. Während 2005 im Leben der meisten Bundesbürgerinnen und -bürger Stiftungen kaum eine Rolle spielten, ist inzwischen jede/r dritte Deutsche bereit, die Arbeit von Stiftungen zu unterstützen. 25 Prozent tun dies sogar bereits. Die breite Zustimmung schlägt sich in der Statistik nieder: Täglich werden drei neue Stiftungen gegründet.

 

Und noch eines bringt der Stiftungsreport zu Tage: Stiftungen hätten einen größeren finanziellen Spielraum, wenn sie ihr Geld besser verwalten (lassen) würden. „Banken und Berater müssen die Stiftungen künftig besser beraten, damit von den jährlichen Erträgen mehr Geld für das Gemeinwohl übrig bleibt“, meint Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Auch wollen die meisten Stiftungen in ethisch-ökologische Geldanlagen investieren, sehen dafür aber oft keine Möglichkeit. Dieses Potenzial hätten Banken und Finanzberater bisher verschlafen. Nichtsdestotrotz sind über 70 Prozent der befragten Stiftungen mit ihren Banken zufrieden.

 

Erfrischend unabhängig von parteipolitischen Gerangel bringt der Report zum Ausdruck, was Stiftungen im sozialen Engagement, insbesondere in der Integrationsförderung, auszeichnet: Unabhängige, praxisorientierte Initiativen auf der Grundlage der Erkenntnis, dass Vielfalt in jeder Hinsicht unsere Gesellschaft bereichert.

 

Rezension von Franziska Woellert, Nachdruck unter Quellenangabe (Franziska Woellert / Berlin-Institut) erlaubt.

 

Stiftungsreport 2008/09 „Wie Vielfalt zusammenhält – Projekte, Initiativen und Menschen“. Herausgegeben vom Bundesverband Deutscher Stiftungen in Kooperation mit der BMW Stiftung Herbert Quandt. 208 Seiten, 18,90 Euro

 

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