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Neue Antworten auf scheinbar einfache Fragen
Von Ursula Staudinger, Heinz Häfner (Hg.)

 

Immer weniger Kinder, immer mehr immer ältere Menschen - der demografische Wandel ist eine große Herausforderung für alle Mitglieder der Gesellschaft. Er wirkt in sämtliche Lebensbereiche. Die Politik muss die Sozialversicherungssysteme, die Alters-, die Pflege- und die Krankenversicherung an die Veränderungen anpassen und neue Lösungen finden, damit diese weiter ihre Funktionen erfüllen.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat 2006 eine fächerübergreifende Konferenz organisiert, um zunächst auf die Frage "Was ist Alter(n)?" eine Antwort zu finden. Inzwischen ist der Tagungsband erschienen, und die Autorinnen und Autoren weisen nicht nur auf die Komplexität und Breite der Veränderungen hin, die die Alterung der Gesellschaft für den Einzelnen und für die Gemeinschaft mit sich bringt, sondern liefern auch Anregungen, wie den zu erwartenden Schwierigkeiten angemessen begegnet werden kann.

Die ersten Beiträge nehmen den Körper aus biologischer, biochemischer und medizinischer Perspektive in den Blick. Sie erläutern den Prozess des Alterns, der auf molekularer und zellulärer Ebene abläuft, ebenso wie die körpereigenen Regenerations- und Erneuerungsprozesse, die nicht nur von den Genen, sondern auch von äußeren Faktoren wie dem Verhalten beeinflusst werden.

Dem Verhalten widmet sich auch der zweite Block von Beiträgen. Darin wird die Frage beantwortet, warum die Menschen unterschiedlich altern, und wieso bestimmte Fähigkeiten in verschiedenem Maße von dem Alterungsprozess betroffen sind. Altern ist somit kein kontinuierlicher Prozess, sondern erfordert spezifische Anpassungsleistungen für bestimmte Herausforderungen.

Die dritten und vierten Teile beschreiben die Bedeutung des Alterns in Gesellschaft und Politik. Das Spektrum der Themen reicht dabei von der Zuwanderung als einer Möglichkeit, den demografischen Alterungsprozess abzumildern, bis hin zu den zwiespältigen Erfahrungen, die die Menschen schon immer mit dem Alter gemacht haben. Die Vielfalt der Altersbilder wird dabei über Beiträge aus der Geschichts- und der Literaturwissenschaft wie aus der Philosophie deutlich.

Im Ausblick plädiert der Tagungsband dafür, das Altern als Prozess zu begreifen, der gestaltbar ist. Die Politik dürfe keine Lebensformen vorschreiben, sondern müsse der Vielfalt Raum geben. Gleichzeitig muss sie dafür sorgen, dass die Älteren, sofern sie dazu in der Lage sind, die Möglichkeiten auch nutzen, länger und verantwortlich an der Gesellschaft teilzuhaben. Bei der Erwerbsarbeit könnte dies etwa durch Anreize, länger zu arbeiten, durch lebenslanges Lernen, durch flexible Arbeitszeiten oder dadurch geschehen, dass zivilgesellschaftliches Engagement gefördert wird. Alle müssten umdenken, die Jüngeren und die Älteren, damit der Gewinn an Jahren des Gebens an die Gemeinschaft mit einem Gewinn an Lebenszufriedenheit verbunden ist.

Anders und nüchtern-realistisch ausgedrückt: Wenn wir schon alt werden müssen, was unzweifelhaft mit Einbußen und Einschränkungen verbunden ist, dann sollten wir wenigstens das Beste für uns selbst und für die Gemeinschaft draus machen.

Rezension von Margret Karsch, Nachdruck unter Quellenangabe (Margret Karsch / Berlin-Institut) erlaubt.

Ursula M. Staudinger / Heinz Häfner (Hg.): Was ist Alter(n)? Neue Antworten auf scheinbar einfache Fragen. Mit 24 Abbildungen, davon 17 in Farbe. Springer, Berlin / Heidelberg 2008, 248 S., 29,95 Euro.

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