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Hintergrund

Beiträge im Newsletter zum Thema

 

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in Kooperation mit dem Institut für Soziologie der Universität Tübingen das Forschungsprojekt "Geschlechterunterschiede in Bildungsverhalten und Bildungserfolg – Zur Relevanz von familiären und regionalen Bedingungen im innerdeutschen Vergleich" bearbeitet. Im Rahmen des auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegten Projekts sollten nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Ursachen der Bildungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen erzielt werden, sondern es ist auch eine Broschüre für Praktiker und die Öffentlichkeit entstanden, welche die insgesamt vorliegenden Forschungsergebnisse bündelt und Handlungsempfehlungen ableitet.

Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Empirische Bildungsforschung – Chancengerechtigkeit und Teilhabe – Sozialer Wandel und Strategien der Förderung“ finanziell gefördert. Dr. Steffen Kröhnert fungierte als Projektkoordinator und Projektleiter am Berlin-Institut. Prof. Dr. Steffen Hillmert ist Projektleiter am Institut für Soziologie der Universität Tübingen.

 

 

Hintergrund

 

Das leistungs- und ergebnisbezogene Zurückbleiben von Jungen gegenüber Mädchen im allgemeinbildenden Schulsystem in Deutschland ist, wenngleich signifikant, in den vergangenen Jahren nur allmählich auf die wissenschaftliche und politische Agenda gelangt. Die gegenwärtige Regierungskoalition hat erstmals das Ziel einer eigenständige Jungen- und Männerpolitik in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen und damit einem offenbar werdenden Problemfeld Rechnung getragen. Allerdings gibt es bislang nur wenige wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, was die Ursachen des entstandenen Gender-Gap im Bildungssystem sind – und wie ihnen zu begegnen ist. Dieses Projekt will zur Behebung dieses Defizits einen Beitrag leisten.

Seit der Wiedervereinigung hat sich vor allem in den neuen Bundesländern eine erhebliche Diskrepanz in den formalen Bildungsabschlüssen von jungen Frauen und Männern herausgebildet. Mitte der 1990er Jahre kamen in Ostdeutschland auf 100 männliche Abiturienten über 150 weibliche. In Westdeutschland lag der Frauenanteil an den Schulabgängern mit Abitur bei etwas über der Hälfte. Heute liegt er in Ost und West bei rund 55 Prozent. Junge Männer verlassen die Schule nicht nur seltener mit Hochschulreife, sondern sind auch unter den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss stark überrepräsentiert, die besonders schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben. Auf 100 männliche Schulabgänger ohne Abschluss kommen nur 64 weibliche. Dabei ist das Bildungsgefälle zwischen Mädchen und Jungen besonders in ländlich-peripheren ostdeutschen Regionen eklatant. 

Ungeklärt ist bisher die Frage nach den Determinanten dieser diskrepanten Entwicklung. Die Befunde legen nahe, dass nicht allein Faktoren des Bildungssystems, sondern vor allem auch spezifische gesellschaftliche Bedingungen zu den Diskrepanzen im Bildungserfolg beitragen. Das vorliegende Projekt beabsichtigt, Geschlechterunterschiede im Bildungsverhalten im innerdeutschen Ost-West-Vergleich sowie mit Fokus auf die Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu analysieren. In einem breiten Analyseansatz soll das Zusammenwirken von individueller Leistungsfähigkeit, familiärem Hintergrund, kollektiv-normativen Faktoren der Herkunftsgesellschaft, schulischen Kompositionseffekten, institutionellen Faktoren sowie regionalen sozioökonomischen und geografischen Faktoren untersucht werden. Hierfür werden Reanalysen von Sekundärdaten um zusätzliche Regionaldaten aus der amtlichen Statistik bzw. aus eigener Erhebung ergänzt.

Der regionale Ansatz des Projektes soll es ermöglichen, Rahmenbedingungen zu identifizieren, die einer Gleichstellung der Geschlechter beim Bildungserfolg förderlich bzw. hinderlich sind und aus denen sich gegebenenfalls auch Handlungsoptionen zur Geschlechtergleichstellung in diesem Bereich ableiten lassen.

 

 

Beiträge im Newsletter zum Thema

Newsletter Demos 180, 17. November 2014

Die Vermessung der Bildungswelt

Bildungsbericht konstatiert Fortschritte und verweist auf verbliebene Herausforderungen – detailliert widmet er sich der Situation von Menschen mit Behinderung.

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Newsletter Demos 144, 15. November 2012

Geschlechterunterschiede bei Bildungsabschlüssen 1995 bis 2010

Im Westen verbessern sich die Mädchen, im Osten holen Jungen auf

Im Osten unterschieden sich die Bildungsabschlüsse zwischen Männern und Frauen in den 1990er Jahren extrem, 50 Prozent mehr Mädchen als Jungen erreichten dort eine Hochschulreife. Im Westen herrschten damals noch fast ausgewogene Verhältnisse. Seitdem haben sich Ost und West bei den Bildungsabschlüssen nach Geschlecht angenähert – allerdings auf einem Niveau, das deutlich vom Gleichstand abweicht. Gegenwärtig entfallen in Deutschland auf 100 männliche Schulabgänger mit Hochschulreife 124 weibliche. Auf 100 Männer ohne Hauptschulabschluss kommen hingegen nur 64 Frauen.

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Umgekehrte Vorzeichen

Mädchen bekamen schon immer bessere Schulnoten als Jungen - heute setzen sie ihre Leistung auch in höhere Schulabschlüsse um

Seit Jahren versucht die Bildungs- und Sozialpolitik, Benachteiligungen bestimmter sozialer Gruppen in der Gesellschaft abzumildern. Das gelingt nicht immer, wie sich beispielsweise daran zeigt, dass Kinder aus „bildungsfernen“ Elternhäusern seit Jahrzehnten weitgehend unverändert wesentlich geringere Chancen auf einen hohen Schulabschluss haben als Kinder von Akademikern. Doch in einem anderen Bereich hat sich viel getan. Mehr noch: Beim Bildungserfolg von Jungen und Mädchen haben sich mittlerweile die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Heute sind nicht mehr die Mädchen die Benachteiligten im Bildungssystem, wie es praktisch im gesamten 20. Jahrhundert der Fall war, sondern die Jungen.

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Europa als Ziel?

Die Zukunft der globalen Migration

Atlas der Globalisierung

mit Beiträgen von Alisa Kaps, Tanja Kiziak, Reiner Klingholz, Manuel Slupina und Sabine Sütterlin

Von individuellen und institutionellen Hürden

Der lange Weg zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter

Afrikas demografische Vorreiter

Wie sinkende Kinderzahlen Entwicklung beschleunigen