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Eine qualifizierte Erwerbsbevölkerung trägt maßgeblich zum Wohlstand moderner Wissensgesellschaften bei. Sie erwirtschaftet die Mittel, mit denen wir unseren Lebensunterhalt bestreiten und die wirtschaftlich Abhängigen finanziell absichern. Darüber hinaus schafft sie Arbeitsplätze, den wichtigsten Faktor für gesellschaftliche Teilhabe in unserer Gesellschaft. Wie leistungsfähig die Wirtschaft eines Landes ist, hängt grundsätzlich von zwei Faktoren ab – von der Zahl der Arbeitskräfte sowie von deren Produktivität. Beide Größen werden auch von demografischen Faktoren beeinflusst. In Deutschland könnten sich vor allem zwei demografische Entwicklungen auf unseren Wohlstand auswirken:

  1. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Mit dem demografischen Wandel verschieben sich die zahlenmäßig größten Altersgruppen der Bevölkerung in ein immer höheres Alter. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 (bald 66) Jahren wird somit immer kleiner. Sie dürfte bis 2050 um etwa elf Millionen Menschen abnehmen. Das sich ausdünnende Arbeitskräfteangebot könnte künftig zum beschränkenden Faktor für Wachstum werden. Der Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter geht einher mit einer Zunahme der Personen im Rentenalter. Diese Entwicklung wird Druck auf die sozialen Sicherungssysteme ausüben und die Abgabenlast für Erwerbstätige erhöhen. Dies könnte dazu führen, dass einheimische Fachkräfte abwandern und die Erwerbsbevölkerung zusätzlich schrumpft.
  2. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter steigt. Während heute noch die 45- bis 49-Jährigen die zahlenmäßig größte Fünfjahresgruppe innerhalb der Erwerbsbevölkerung stellen, werden es im Jahr 2030 die 60- bis 64-Jährigen sein. Das kann einerseits Auswirkungen auf das Arbeitskräfteangebot haben – nämlich dann, wenn mehr Personen gesundheitsbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Andererseits könnte die Produktivität aufgrund der Alterung der Belegschaften leiden.

Die Politik muss ihren Teil dazu beitragen, dass wir den Rückgang und die Alterung des Erwerbspersonenpotenzials so gut wie möglich meistern. Zwei Ziele stehen dabei im Vordergrund:

  • Dem zahlenmäßigen Schwund des Arbeitskräftepotenzials entgegenwirken
  • Die potenziellen Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt aktivieren und dort besser integrieren

Die Bundesregierung hat sich mit dem Konzept Fachkräftesicherung und ihrer Demografiestrategie dazu bekannt, in beiden Bereichen tätig zu werden. Problematisch ist allerdings, dass sie Einwanderung und Erwerbsförderung nicht als gleichrangige Ziele ansieht. Dabei geht es nicht um ein „entweder – oder“, sondern um ein „sowohl – als auch“. Nur, wenn es gelingt, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen und gleichzeitig die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter durch Einwanderung zu stärken, können die negativen Folgen der demografischen Alterung spürbar eingedämmt werden.