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Der demografische Bonus ist nicht mehr als eine Chance. Er lässt sich erst in eine Dividende verwandeln, wenn ein Land sein großes Angebot an arbeitsfähigen jungen Menschen auch zu nutzen weiß. Dafür müssen die vielen, meist niedrig qualifizierten Erwerbsfähigen auch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Südkorea hat das einst geschafft, indem es zunächst billige Industriegüter für den Weltmarkt produzierte. Der Wirtschaftsboom brachte Arbeit für Millionen. Ein kontinuierlich steigender Bildungstand machte die Herstellung von höherwertigen Gütern und eine höhere Wertschöpfung möglich. Obwohl die Zahl der Personen im arbeitsfähigen Alter in Südkorea zwischen 1990 und heute von 30 Millionen auf beinahe 35 Millionen angestiegen ist und auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wuchs, änderte das nichts an der Beschäftigungsquote. Von einem Einbruch in Folge der Asienkrise gegen Ende der 1990er Jahre abgesehen, waren stetig knapp unter 60 Prozent der über 15-Jährigen beschäftigt. Damit lag Südkorea immer leicht über dem Beschäftigungsniveau von Deutschland. Im selben Zeitraum legte das Bruttoinlandsprodukt kräftig zu und bescherte dem Land in den 1990er Jahren Wachstumsraten von über neun Prozent. Heute hat sich das Wachstum etwas verlangsamt.

Industrielle Massenfertigung war der asiatische Weg zur Nutzung der demografischen Dividende. Andere Länder in Lateinamerika, etwa Brasilien, haben mehr von der Produktion landwirtschaftlicher Güter profitiert. Welchen Weg Afrika gehen kann, ist bislang nicht entschieden, denn die Grundvoraussetzungen für eine demografische Dividende sind vielerorts noch gar nicht geschaffen. Zudem fehlt häufig eine Infrastruktur zum Aufbau einer leistungsfähigen Volkswirtschaft, von der Elektrizitätsversorgung bis zu guten Verkehrs- und Handelswegen.

Quelle: Population Division of the Department of Economic and Social Affairs of the United Nations Secretariat, World Population Prospects: The 2010 Revision. / World Bank Data (2012).

Südkoreas arbeitsfähige Bevölkerung wächst. Doch weil die Wirtschaft Arbeitskräfte braucht, bleibt die Beschäftigungsquote hoch. Das Land macht so Gebrauch vom demografischen Bonus.