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In den meisten Entwicklungsprogrammen wird das hohe Bevölkerungswachstum höchstens am Rande erwähnt. Dabei hängt der Erfolg der Projekte meist direkt mit der demografischen Entwicklung zusammen, also damit, wie stark eine Bevölkerung wächst oder wie sich die Altersgruppen verteilen. So können sinkende Geburtenraten, in deren Folge sich das Bevölkerungswachstum abschwächt, zu einer treibenden Entwicklungskraft werden. Dies lehren die Erfahrungen der asiatischen Tigerstaaten. Den dortigen Entwicklungsschub der vergangenen Jahrzehnte ermöglichten zwei Veränderungen der Rahmenbedingungen, die auch in anderen Ländern von der Politik durch geeignete Maßnahmen geschaffen werden können:

  1. Zunächst muss im Laufe des demografischen Übergangs eine günstige Altersstruktur entstehen, ein sogenannter demografischer Bonus. Dies bedeutet, dass in einem Land möglichst viele Menschen im erwerbsfähigen Alter gegenüber wenigen abhängigen jungen und alten Menschen leben.
  2. Damit sich der der demografische Bonus in eine demografische Dividende verwandelt, also in einen volkswirtschaftlichen Gewinn, müssen die vielen Erwerbsfähigen auch die Chance bekommen, erwerbstätig zu werden.

Rückläufige Kinderzahlen haben seit Ende der 1960er Jahre in Südkorea zu einem wachsenden Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung geführt. Da das Land vorgesorgt hatte, fanden sie Arbeit. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg. Da dank gesunkener Fertilitätsraten der Erwerbsbevölkerung wenige junge Menschen gegenüber standen, verfügte sie über freie Mittel, um in verbesserte Bildung ihrer Kinder zu investieren.