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  • Neue Publikation 

Altersfreundlichkeit in Zeiten der Corona-Pandemie

  • Demografischer Wandel Lebensverhältnisse in Stadt und Land

Die Corona-Krise hat die soziale Teilhabe älterer Menschen erheblich eingeschränkt und die altersfreundliche Politik der Kommunen vor große Herausforderungen gestellt. Dank ihrer Flexibilität und Innovationskraft konnten Kommunen dennoch in kürzester Zeit sowohl den Infektionsschutz organisieren, als auch das Risiko abmildern, dass ältere Menschen vereinsamen. Wie sie diese Aufgabe gemeistert haben, welche Gelingensfaktoren das Entstehen neuer Lösungen begünstigt haben und was sich langfristig aus der Bewältigung dieser Krise lernen lässt, beschreiben das Berlin-Institut und die Körber-Stiftung in der neuen Publikation „Kommunale Innovation – Altersfreundlichkeit in Zeiten der Corona-Pandemie“.

In zwölf Gemeinden und Städten hat das Berlin-Institut im Juli mit den Verantwortlichen vor Ort über den Umgang mit der Krise gesprochen. Von Kropp in Schleswig-Holstein bis Ostfildern bei Stuttgart berichten die Befragten, wie sich die Arbeit mit und für Ältere verändert hat und welche neuen Formate in ihren Kommunen eingeführt wurden, um Begegnungen zu ermöglichen und Barrieren abzubauen. Digitalschulungen, Fenstergespräche und Lieferdienste gehören vielerorts zum neuen Repertoire. „Die befragten Kommunen vertrauen auf ihre gestalterischen Fähigkeiten, ihre Selbstwirksamkeit und schaffen ein funktionierendes Miteinander von Verwaltung, Zivilgesellschaft, sozialen Trägern und Unternehmen vor Ort“, so Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. Wo sie gemeinsam Lösungen finden und erproben, entsteht gleichzeitig ein verlässliches und belastbares Ökosystem für soziale Innovationen auch für künftige Herausforderungen auf kommunaler Ebene.

In den Gesprächen haben sich drei Erfolgsfaktoren für die Innovationskraft der Gemeinden ergeben: Die Verwaltungen hielten direkten Kontakt zu den älteren Bürgerinnen und Bürgern, um auf Bedürfnisse und Notlagen schnell reagieren zu können. Sie konnten zudem auf ein stabiles Netzwerk aus Verwaltungen, sozialen Trägern und ehrenamtlich Aktiven in Vereinen und Nachbarschaftsinitiativen bauen, mit denen sie gemeinsam neue altersfreundliche Ideen entwickeln und umsetzen. „Entscheidend war, dass die Leiterinnen und Leiter der Verwaltungen offen sind für Vorschläge aus den eigenen Reihen oder der Bürgerschaft und Innovationskultur vorleben,“ betont Karin Haist, Leiterin der Projekte demografische Zukunftschancen in der Körber-Stiftung. Dies erfordert auch einen gewissen Mut in den Rathäusern: Denn nicht jede neue Idee funktioniert auf Anhieb. Solche Risiken müssen Kommunen aber eingehen, wenn sie offen für Kreativität und Innovationen sein wollen. 

Soziale Innovationen entstehen vor Ort

Wie keine andere politische Ebene kennen Kommunen die Lebenslagen der Menschen vor Ort, wissen um deren Nöten und Belange und haben direkten Kontakt zu aktiven Mitstreitern bei sozialen Trägern und in der Bürgerschaft. Deshalb sind sie es, die besonders gut mit angepassten Lösungen das Lebensumfeld ihrer (älteren) Bürgerinnen und Bürger gemeinschaftlich gestalten können. Hier zeigt sich die Erkenntnis, dass dort, wo die Menschen auf Probleme stoßen, auch Ideen entstehen, wie diese zu bewältigen sind. Das in Deutschland tief verankerte Subsidiaritätsprinzip, bei dem Kommunen eine größtmögliche Selbstbestimmung und Eigenverantwortung haben, schafft so den Nährboden für soziale Innovationen. Durch die kleinräumige Zuständigkeit in der Krisenbewältigung sind während der Pandemie im ganzen Land vielfältige Lösungen entstanden. „Der vielgescholtene „Flickenteppich“ ist daher kein Nachteil, sondern Ausdruck der kommunalen und bürgerschaftlichen Fähigkeiten. Die zahllosen Konzepte und Ideen sollten zum Nachahmen und Abgucken anstiften“, so Manuel Slupina, Mitautor der Publikation.

Wandel, Veränderung und Disruption, wenn auch nicht immer wie im aktuellen Ausmaß, sind normal. Auch künftig werden Städte und Gemeinden vor Aufgaben stehen, die komplex und kaum lösbar scheinen. Die Bevölkerung altert und auch Themen wie die Klimakrise oder Zuwanderung erfordern soziale Innovationsfähigkeit auf lokaler Ebene. Deshalb sollten Kommunen die Krise nicht ungenutzt lassen, sondern den lokalen und (über-)regionalen Austausch vorantreiben. Gelingt es ihnen zudem, vor Ort gute Bedingungen für Kreativität und Innovation zu schaffen, sind sie nicht nur für künftige Herausforderungen gerüstet, sondern stärken auch das Gefühl in ihrer Bürgerschaft, mit vereinten Kräften etwas bewegen zu können. „Diese herausragende Rolle müssen Bund und Länder anerkennen, sagt Catherina Hinz. „Und sie müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Kommunen dieser Verantwortung gerecht werden können.“

Die Publikation wurde vom Berlin-Institut in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung erstellt.


Über die Körber-Stiftung
Gesellschaftliche Entwicklung braucht Dialog und Verständigung. Die Körber-Stiftung stellt sich mit ihren operativen Projekten, in ihren Netzwerken und mit Kooperationspartnern aktuellen Herausforderungen in den Handlungsfeldern »Innovation«, »Internationale Verständigung« und »Lebendige Bürgergesellschaft«. Die drei Themen »Technik braucht Gesellschaft«, »Der Wert Europas« und »Neues Leben im Exil« stehen derzeit im Fokus ihrer Arbeit. 1959 von dem Unternehmer Kurt A. Körber ins Leben gerufen, ist die Stiftung heute mit eigenen Projekten und Veranstaltungen national und international aktiv. Ihrem Heimatsitz Hamburg fühlt sie sich dabei besonders verbunden; außerdem unterhält sie einen Standort in Berlin.
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