Familie

Eine wirksame Familienpolitik sorgt für faire Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern. Ein ausreichendes Angebot von Kitas und die Bereitstellung von Kindergeld tragen dazu bei, dass Kinder unter gleichen Bedingungen aufwachsen können– unabhängig von Lebensumständen oder Einkommen der Eltern. Die Familienpolitik ist nicht nur für das Kindeswohl wichtig, sondern auch ein wichtiges Instrument für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Noch immer sind Frauen von geschlechterbasierten Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Im Zuge der Familiengründung reduzieren sie häufig ihre Arbeitszeit, was mit schlechteren Aufstiegschancen im Beruf und geringeren Renten verbunden sein kann. Dies führt auch dazu, dass Frauen im Alter öfter vom Einkommen ihres Ehemannes oder nach dessen Tod von der Hinterbliebenenrente abhängig sind. Bessere Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung von Familienaufgaben und der Ausbau von Angeboten zur Kinderbetreuung können dem Problem entgegenwirken. Die nächste Bundesregierung kann dies unterstützen, indem sie Menschen, die für die Familie den Beruf unterbrechen, die Arbeitszeit stark reduzieren oder in Minijobs arbeiten, den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert. Alle Parteien haben eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Blick. Ihre vorgeschlagenen Strategien unterscheiden sich jedoch und setzen verschiedene Schwerpunkte in der Familienpolitik.

CDU/CSU

Die CDU/CSU möchte Gleichberechtigung in der Familie fördern und gerade Väter dazu ermutigen, das Elterngeld stärker zu nutzen. Dazu möchte die CDU/CSU die Partnermonate um weitere zwei auf insgesamt 16 Monate ausweiten, wenn sowohl Vater als auch Mutter Elternzeit nehmen. Um Kindern in ihrer Entwicklung zu helfen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, verspricht die CDU/CSU den Kita-Ausbau und die Weiterentwicklung der Qualität über das Jahr 2022 hinaus weiter zu fördern. Zudem möchte sie den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende verdoppeln und perspektivisch auf 5.000 Euro erhöhen. Um mehr Zeit für Familie und Beruf zu schaffen, sollen Familien im Alltag durch steuerliche Berücksichtigung haushaltsnaher Dienstleistungen entlastet werden. Außerdem setzt sich die Union dafür ein, dass Geburtsurkunde, Kindergeld, Elterngeld und Kinderzuschlag sowie das Bildungs- und Teilhabepaket digital beantragt werden können, um Bürokratie abzubauen.

SPD

Die SPD möchte Männer und Frauen bis zum Jahr 2030 in allen gesellschaftlichen Bereichen gleichstellen. Dafür schlagen sie ein Vier-Säulen-Modell vor. Die erste Säule sieht zwei Wochen Elternschaft direkt nach Geburt eines Kindes für beide Elternteile vor. Die zweite Säule soll das bestehende ElternGeldPlus ausweiten, um das Gehalt von Elternteilen aufzustocken, die bis zum achten Geburtstag ihres Kindes weniger arbeiten. Drittens solle die im Zuge der Covid-19-Pandemie erhöhte Anzahl an Kinderkrankentage dauerhaft von 10 auf 20 Tage pro Kind im Jahr ausgeweitet werden. Die vierte Säule soll laut Wahlprogramm sicherstellen, dass die Pflege von Angehörigen besser mit der Erwerbsarbeit vereinbar ist. Außerdem möchte die SPD mit dem Konzept der Kindergrundsicherung eine gute soziale Infrastruktur und gerechte Bildung für alle Kinder sichern. Zudem soll ihre Teilhabe durch beitragsfeie Kitas, Ganztagsangebot für Schulkinder und kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs verbessert werden. Auch das Kindergeld soll nach Unterstützungsbedarf angepasst werden, damit die Teilhabe aller Kinder ermöglicht wird.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen möchten gendersensible Berufsberatungen einführen, um Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu stärken. Außerdem möchten sie mit einem sogenannten Entgeltgleichheitsgesetz kleine und große Unternehmen dazu verpflichten, über ihre Maßnahmen zum Abbau des eigenen Pay-Gaps, also den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen, zu berichten. Um vor allem Frauen nach der Geburt eines Kindes den Wiedereinstieg in die Berufswelt zu erleichtern, verfolgen die Grünen ein Recht auf die Rückkehr in Vollzeit nach der Elternzeit. Außerdem möchten sie mit dem KinderZeitPlus-Konzept die Elternzeit auf bis zu zwei Jahre ausweiten. Sowohl Väter und Mütter sollen diese bis zum 14. Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen können. Zudem wollen die Grünen eine Kindergrundsicherung einführen, um Familien zu stärken. Besonders Alleinerziehende, die heute das höchste Armutsrisiko aufweisen, sollen mit einer Steuergutschrift entlastet werden.

FDP

Die FDP möchte die Karrierechancen von Frauen verbessern, indem sie sich für Weiterbildungen und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzt. An Hochschulen und in Betrieben soll die Kinderbetreuung ausgebaut und flexibilisiert werden. Ab Ende des Mutterschutzes versprechen die Liberalen eine steuerlich absetzbare Kinderbetreuung. Außerdem möchte die FDP einen Partnerschutz analog zum bereits bestehenden Mutterschutz einführen, damit Väter nach der Geburt des Kindes zehn Arbeitstage zur Betreuung freinehmen können. Zudem sollen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichtet werden, die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen auszuwerten und offenzulegen – sowohl der durchschnittliche als auch der mittlere Verdienstunterschied sowie der prozentuale Anteil von Frauen und Männern in den jeweiligen Gehaltsgruppen. Nach Ansicht der FDP sei dies die Grundlage für die eigenverantwortliche Lösung des Gender-Pay-Gaps durch Arbeitgeber:innen und Beschäftigte.

Die Linke

Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fordern die Linken eine gebührenfreie, öffentliche Kinderbetreuung. Außerdem plädieren sie für eine Vier-Tage-Woche, Begrenzung von Überstunden, einen Anspruch auf familienfreundliche Schichtzeiten und einen Mindestlohn von 13 Euro, damit Erwerbstätigen mehr Zeit für die Familie bleibt. Der Niedriglohnsektor soll abgeschafft werden, damit „alle von ihrer Arbeit leben können“. Dazu sind Geschlechtergerechtigkeit und eine gerechte Aufteilung von Familienaufgaben ein großes Thema im Wahlprogramm der Linken. So wolle man beispielsweise diejenigen Väter, die bereits ein Drittel der Elternzeit übernommen haben, mit einem weiteren zusätzlichen Monat Elternzeit belohnen. Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sollen nach der Agenda der Linken ein Ende haben. Um gleiche Teilhabechancen für Kinder zu ermöglichen, solle die Betreuung für Kinder aller Altersgruppen gebührenfrei sein, die Kindertagesbetreuung flächendeckend ausgebaut und mehr Erzieher:innen eingestellt werden

AfD

Die AfD möchte anstelle von Gleichstellungsbeauftragten sogenannte Familienbeauftragte einführen. Über soziales Marketing soll für Familiengründungen und das Leitbild der 3-Kind-Familie geworben und informiert werden. Damit Elternteile flexibel zwischen Berufstätigkeit und Erwerbspause wechseln können, möchte die AfD ein Betreuungsgeld für Eltern bzw. Großeltern für die ersten drei Jahre nach Geburt eines Kindes einführen. Außerdem sollen Familien Ausgaben für ihre Kinder steuerlich absetzen können und sie so finanziell entlastet werden. Ihre Familienpolitik sieht außerdem vor, dass Eltern bei der Geburt jedes Kindes eine Rückzahlung bereits gezahlter Rentenbeiträge in Höhe von 20.000 Euro erhalten, ohne dass sich das auf die Rente im Alter auswirkt.

Susanne Dähner

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