Ehrenamt

Überall in Deutschland engagieren sich Bürgerinnen und Bürger in Sportvereinen, sie fahren Bürgerbusse, um Lücken im Nahverkehrsangebot zu schließen oder sie organisieren Nachbarschaftshilfen für ältere Menschen. Vor allem in ländlichen Regionen, die besonders vom demografischen Wandel etwa durch Alterung und Abwanderung betroffen sind, leisten die Freiwilligen einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge und zu den Teilhabechancen vor Ort. Daher ist es für die Politik von der Kommunal- bis zur Bundesebene wichtig, für die tatkräftigen Menschen die richtigen Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement zu schaffen. Dazu zählt, dass sie Vereine, ehrenamtliche Initiativen und sonstige Engagierte möglichst unkompliziert mit Beratungsleistungen und niedrigschwelliger finanzieller Förderung unterstützen. So kann es gelingen, dass sich noch mehr Menschen beteiligen. Die meisten Parteien betonen in ihren Wahlprogrammen die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für lebenswerte Orte und versprechen, diese in Zukunft angemessen zu fördern.

CDU/CSU

Die CDU/CSU betont die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für den sozialen Zusammenhalt. Sie möchte Vereine unterstützen, mehr junge Erwachsene, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Senior:innen für den Dienst an der Gesellschaft zu gewinnen. Ihr Wahlprogramm sieht beispielsweise vor, Freiwilligendienste für junge Menschen attraktiver zu machen, indem Taschengelder für den Einsatz erhöht werden und Informationen zum Ehrenamt an Schulen vermittelt werden. Die Union möchte außerdem in Kreisen und Gemeinden zentrale Anlaufstellen fördern, die etwa Ehrenamtliche beraten, miteinander vernetzen und weiterbilden. Diese sollen vor allem in strukturschwachen ländlichen Regionen zum Einsatz kommen.

SPD

Die SPD spricht sich für eine bessere Vereinbarkeit vom Ehrenamt mit anderen Lebensbereichen aus. So möchte sie Arbeitnehmer:innen in die Lage versetzen, ihren gesetzlichen Bildungsurlaub zu nutzen, um sich für ehrenamtliches Engagement freistellen zu lassen. Außerdem plant sie, ein Freiwilligengeld einzuführen, um Jugendliche darin zu unterstützen, unabhängig vom Einkommen der Eltern, ein Freiwilligenjahr zur persönlichen Entwicklung und beruflichen Orientierung zu absolvieren. Die SPD erkennt auch die Rolle von Sport für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft an. Er sei wichtig für Inklusion und Integration und für die Bekämpfung von Diskriminierung.

Bündnis 90/Die Grünen

Für die Grünen ist bürgerschaftliches Engagement essenziell für die Lebensqualität. Sie wollen Orte des Engagements schaffen, unter anderem indem sie bürokratische Hürden abbauen und Bildungsangebote für Engagierte weiterentwickeln. Wenn es an Geld für Anschaffungen, Raummiete oder eine Schulung fehlt, soll die neue Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt mit Fördermitteln unterstützen. Ein Demokratiefördergesetz soll Vereinen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen ein dauerhaftes und ungebundenes Budget zur Verfügung stellen. Zur verbesserten Wertschätzung von ehrenamtlichen Tätigkeiten möchten die Grünen eine Engagementkarte einführen. Freiwillige sollen so vergünstigten Zugang zu Schwimmbädern, Kultureinrichtungen oder dem öffentlichen Nahverkehr erhalten.

FDP

Die FDP fordert insbesondere, Bürokratie und mögliche Haftungsrisiken für ehrenamtliche Vereine abzubauen. Vereine sollen einfacher auf digitale Lösungen zugreifen können, etwa um neue Projekte zu akquirieren oder Aufgaben der Verwaltung zu leisten. Zudem wollen die Liberalen die steuerfreie Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen für ehrenamtlich Tätige erhöhen. Auch Teilnehmer:innen im Bundesfreiwilligendienst sollen ein höheres Entgelt erhalten.

Die Linke

Die Linke betont, dass es vielerorts an Nachwuchs für ehrenamtliche Tätigkeiten fehlt. Um Nachwuchsproblemen bei der freiwilligen Feuerwehr, den technischen Hilfswerken und den Rettungsdiensten entgegenzuwirken, möchte die Linke verbindliche Foren für Bürgerinnen und Bürger einrichten. Dazu möchte sie beispielsweise ein Demokratiefördergesetz einführen, das Gelder für zivilgesellschaftliche Gruppen bereitstellt – besonders für solche, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen. Außerdem möchte die Linke die Anerkennung für bürgerschaftliches Engagement verbessern, indem ein bundesweiter Freiwilligendienstausweis eingeführt wird. Freiwillige sollen damit überall Vergünstigungen erhalten, wenn sie sich eine bestimmte Anzahl von Stunden im Monat freiwillig engagieren. Zusätzlich fordert die Linke für Menschen im Freiwilligendienst kostenlose Fahrten im öffentlichen Nahverkehr.

AfD

Die AfD behandelt das Thema Engagement nicht in ihrem Wahlprogramm.

Frederick Sixtus

Projektkoordinator Demografie Deutschland

Telefon: 030 - 31 10 26 98

E-Mail: sixtus@berlin-institut.org

Frederick Sixtus wissenschaftlicher Mitarbeiter

© Berlin-Institut

Susanne Dähner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Telefon: 030 - 31 01 74 50

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Susanne Dähner wissenschaftliche Mitarbeiterin

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