Grafik des Monats

Zum Weltbevölkerungstag: Wo es an Selbstbestimmung in Sachen Familienplanung mangelt

Anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli berichten die Vereinten Nationen (UN), dass die Zahl der Menschen auf der Erde in diesem Jahr 8 Milliarden Menschen erreichen wird. Obwohl die Weltbevölkerung heute langsamer wächst als jemals zuvor seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 1950, bekommen viele Frauen im globalen Süden und vor allem in Afrika nach wie vor mehr Kinder, als sie sich wünschen. Nach Angaben der UN ist die durchschnittliche Kinderzahl für Frauen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara zwischen 1990 und 2021 deutlich von 6,3 auf 4,6 gesunken. Das ist fast doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt von 2,3 im Jahr 2021.

Die Freiheit, eigenständig über die Anzahl der Kinder und den Zeitpunkt der Schwangerschaft zu entscheiden, ist ein grundlegendes Element der Selbstbestimmung von Frauen. Dabei sind moderne Verhütungsmittel wie Kondome oder die Pille besonders wichtig, um Frauen und Paaren die Möglichkeit zu geben, ihre Familien ihren Kinderwünschen entsprechend zu planen. Trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten gibt es weltweit Millionen von Frauen, die eine Schwangerschaft gerne vermeiden oder diese zumindest verzögern würden, aber aus verschiedenen Gründen nicht an moderne Kontrazeptiva kommen. Dieser ungedeckte Bedarf an modernen Verhütungsmethoden ist nirgendwo so hoch wie in Afrika.

In Afrika hat durchschnittlich fast jede fünfte Afrikanerin, die eine Schwangerschaft vermeiden möchte, keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Unter Frauen, die verheiratet sind oder in einer Partnerschaft leben, ist es sogar jede vierte. Überdurchschnittlich hoch ist der ungedeckte Bedarf unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Laut Schätzungen des Guttmacher-Instituts bleibt insgesamt 58 Millionen afrikanische Frauen Kontrazeptiva verwehrt, weil sie keine moderne Methode nutzen oder weil sie eine traditionelle Methode nutzen, die weniger effektiv ist als moderne Methoden. Wenn dieser Bedarf komplett gedeckt wäre, würden unbeabsichtigte Schwangerschaften in Afrika von jährlich 27 Millionen auf 6 Millionen zurückgehen. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche würden von 8,3 Millionen auf 1,8 Millionen fallen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen, die eine Schwangerschaft vermeiden möchten, keine modernen Verhütungsmittel nutzen. Manchen fehlt das Geld, um Kontrazeptiva zu kaufen. Vor allem in ländlichen Regionen kann es schwierig bis unmöglich sein, eine Klinik zu erreichen, wo Beratung im Bereich Familienplanung und Verhütungsmittel angeboten werden. Häufig werden dort auch nur wenige Methoden angeboten. Außerdem haben manche Frauen Bedenken, was die Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel angeht. Investitionen in reproduktive Gesundheitsdienste – darunter in die Bereitstellung und Beratung zu diversen Kontrazeptiva – würde die Selbstbestimmung der Frauen in Afrika sowie weltweit stark verbessern. 

Ansprechpartnerinnen

Colette Rose

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Telefon: 030 - 31 01 95 91

E-Mail: rose@berlin-institut.org

© Berlin-Institut

Lorena Führ

Projektkoordinatorin Internationale Demografie

Telefon: 030 - 22 32 48 46

E-Mail: fuehr@berlin-institut.org

© Berlin-Institut

Studien & Analysen

nach oben