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In Bewegung: Wer zieht in die Stadt – und wer geht aufs Land?

„Großstadt-Mieten binnen zehn Jahren um 43 Prozent gestiegen“, so berichteten im April mehrere Medien. Die neuen Zahlen befeuern die immer lauter werdende Debatte um mangelnden Wohnraum und zu hohe Mieten in den deutschen Metropolen. Wer kann sich unter diesen Bedingungen ein Leben in der Stadt noch leisten? Wen zieht es aufs Land? Und welche demografischen Auswirkungen gehen damit einher?

Attraktivität des Wohnorts: Nicht allein die Mietkosten entscheiden

Betrachtet man die Zuzüge und Fortzüge im städtischen und ländlichen Raum in den verschiedenen Altersgruppen für 2023, zeigt sich: Trotz der gestiegenen Mieten ziehen nach wie vor insbesondere junge Menschen in der Ausbildungsphase in die Städte. Hier finden sie ein vielfältigeres Angebot an Hochschulen, Ausbildungsplätzen und Jobangeboten für den anschließenden Berufseinstieg als auf dem Land.1,2 Dafür nehmen viele das teilweise beengte Wohnen in der Studi-WG in Kauf.

Für Familien stehen demgegenüber eine Wohnung mit ausreichend großer Wohnfläche, ein kindgerechtes Umfeld und bezahlbares Wohneigentum ganz oben auf der Wunschliste.3 In den Metropolen wird es immer schwieriger, das zu finden. Die 30- bis unter 50-Jährigen entscheiden sich daher häufig dafür, die Großstadt zu verlassen und ins Umland oder gleich ganz aufs Land zu ziehen.

Am wenigsten mobil sind die Menschen im Ruhestand. Sie sind kaum noch auf Wanderschaft und wenn doch, dann zieht es Personen ab 65 eher aufs Land als in die Stadt. 

Wanderung prägt die regionale Altersstruktur

Die unterschiedlichen Wanderungsbewegungen der Jüngeren und Älteren schlagen sich auch auf die Altersstruktur der Bevölkerung in Stadt und Land nieder. Die Städte profitieren von ihrer anhaltenden Beliebtheit bei den jungen Menschen. Durch sie kommt es zu einer selektiven Verjüngung der Bevölkerung, auch wenn die Stadt für viele für Ausbildung und Studium nur eine vorübergehende Lebensstation ist.4 Die ländlichen Regionen im direkten Einzugsbereich von Großstädten sowie Landgemeinden erleben hingegen einen Zuzug aus den älteren Altersgruppen in der Familiengründungsphase.6 So liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Städten bei 43,6 Jahren gegenüber 45,8 Jahren in den ländlichen Regionen.5

Eine ausführliche Darstellung der regionalen Wanderungsbewegungen nach Altersgruppen im Zeitverlauf findet sich in unserer Studie: „Landlust neu vermessen: Wie sich das Wanderungsgeschehen in Deutschland gewandelt hat“.

Link: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung | Detail

Quellen:

1.          Henger, R. M., & Oberst, C. (2019). Immer mehr Menschen verlassen die Großstädte wegen Wohnungsknappheit. IW-Kurzbericht, (20).

2.          Stiller, J., Meister, M., & Niebuhr, A. (2021). Zur Binnenwanderung von Arbeitskräften in Deutschland: Was zeichnet Regionen mit positiven Wanderungssalden aus? Johann Heinrich von Thünen-Institut. doi.org/10.3220/WP1622453382000

3.          Geis-Thöne, W. (2022). Wanderungsbewegungen im Lebenslauf und regionale Bevölkerungsentwicklung: Rahmenbedingungen für die regionale Migrations- und Demografiepolitik. IW-Report, (6).

4.          Großstadtregionen im Wandel. (o. J.). Statistisches Bundesamt. Abgerufen 28. April 2026, von www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aspekte/demografie-grossstadtregionen.html

5.          INKAR - BBSR. (o. J.). Abgerufen 28. April 2026, von www.inkar.de

6.          Sixtus, F., Beck, L., Nice, T., & Hinz, C. (mit Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung & Wüstenrot Stiftung). (2022). Landlust neu vermessen: Wie sich das Wanderungsgeschehen in Deutschland gewandelt hat (Originalausgabe). Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Studien & Analysen

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