Deutschland ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, auch aus Afrika. Doch wie sehen junge Afrikaner:innen Deutschland und seine Chancen für ihre Zukunft?
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Die USA waren lange die wichtigste Gebernation in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, besonders im Gesundheitsbereich. Von 2021 bis 2023 stammten 30 Prozent der weltweiten bilateralen Gesundheitsmittel aus den USA; allein HIV-Programme erhielten 63 Prozent, Familienplanung 40 Prozent dieser Gelder. Programme der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit, USAID, verhinderten zwischen 2001 und 2021 mehr als 91 Millionen Todesfälle.
Im Januar 2025 kam dann der abrupte Zusammenbruch: 86 Prozent aller USAID-Zuschüsse und -Verträge wurden inzwischen fristlos beendet, darunter fast sämtliche Mittel für Familienplanung und reproduktive Gesundheit. Besonders hart trifft dies Afrika: 2023 flossen 5,1 Milliarden der insgesamt 6,2 Milliarden US-Dollar US-amerikanischer Gesundheitsförderung in Länder südlich der Sahara. Viele nationale Gesundheitssysteme sind dort stark auf internationale Finanzierung angewiesen.
Lesotho, Sambia und Kenia bezogen zuletzt mehr als die Hälfte ihrer Gesundheitsentwicklungsgelder aus den USA, HIV-Präventionsprogramme in Malawi, Simbabwe und Mosambik wurden nahezu vollständig von US-Mitteln getragen. Die Folgen der USAID-Kürzungen waren und sind dramatisch: Kliniken und Projekte schlossen über Nacht, Tausende Gesundheitsfachkräfte verloren ihre Jobs, Medikamente und Impfstoffe blieben aus. 2024 investierten die USA noch 607,5 Millionen US-Dollar in internationale Familienplanung und verhinderten damit 17,1 Millionen unbeabsichtigte Schwangerschaften. Diese Wirkung bricht nun weg.
Gefahr auch für erfolgreiche Programme
Selbst das legendäre PEPFAR-Programm (U.S. President’s Emergency Plan for AIDS Relief), das seit 2003 schätzungsweise 27 Millionen Leben rettete, ist nicht sicher. Erste Projekte wie DREAMS (Determined, Resilient, Empowered, AIDS-free, Mentored, and Safe), das zwei Millionen junge Frauen in Ost- und Südafrika vor HIV schützte, wurden bereits beendet. Wissenschaftler:innen warnen: Ohne US-Gelder drohen in den nächsten 15 Jahren allein in fünf Ländern zusätzlich 9,3 Millionen AIDS-Tote. Eine Million Kinder könnte sich neu infizieren, 460 000 an AIDS sterben und 2,8 Millionen zu Waisen werden. Auch Tuberkulosefälle könnten wieder deutlich steigen.
Zusätzlich bricht auch das USAID-finanzierte Demographic and Health Survey (DHS) Programm weg, das jahrzehntelang eine zentrale Datenquelle war. Ohne aktuelle Informationen zu Geburtenraten, Kinder- und Müttersterblichkeit oder HIV-Verbreitung fehlt Regierungen die Grundlage, um Gesundheitssysteme bedarfsgerecht zu gestalten und Prioritäten zu setzen.
Europa füllt die Lücke bisher nicht
Mehrere europäische Regierungen – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien – sowie die EU planen selbst Kürzungen von insgesamt rund 30 Milliarden Euro bis 2029. In Deutschland sinken die Mittel für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) seit 2021. Für 2025 sind weitere Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums geplant, trotz gegenteiliger Bekenntnisse im Koalitionsvertrag.
Die Krise zeigt, wie stark viele afrikanische Gesundheitssysteme noch immer von internationalen Geldgebern abhängig sind – eine Abhängigkeit mit kolonialen Kontinuitäten. Afrikanische Expert:innen fordern, langfristig eigene Finanzierungsquellen zu stärken. Kurzfristig jedoch braucht es dringend Überbrückungsfinanzierung, damit das Menschenrecht auf Gesundheit nicht weiter untergraben wird.