Weltbevölkerung erreicht 8 Milliarden

Weltbevölkerung erreicht 8 Milliarden

Am 15. November bevölkern acht Milliarden Menschen die Erde. Besonders schnell wächst die Zahl in Afrika. Aber das weltweite Wachstum verlangsamt sich.

Acht Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde und jede Sekunde werden es mehr. Aktuell wächst die Bevölkerung jedes Jahr um etwa 80 Millionen, das entspricht knapp 220.000 Menschen pro Tag. Statistiker:innen der Vereinten Nationen prognostizieren, dass 2050 rund 9,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben werden. Während in den Industriestaaten die Zahlen stagnieren oder leicht rückläufig sind, konzentrieren sich die Zuwächse zunehmend auf Länder mit geringem und mittlerem Einkommen, die im demografischen Wandel noch nicht so weit fortgeschritten sind – allen voran Pakistan, Indien und die Philippinen in Asien sowie Ägypten, Äthiopien, Nigeria, Tansania und die demokratische Republik Kongo in Afrika. In Subsahara-Afrika sind die Geburtenziffern im Schnitt doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt.

Höchste Kinderzahlen in Afrika

Allein in Subsahara-Afrika wird sich die Bevölkerung bis 2050 voraussichtlich auf zwei Milliarden verdoppeln. Nigeria, Äthiopien und die Demokratische Republik Kongo werden zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt zählen. In über der Hälfte der afrikanischen Staaten bekommt eine Frau im Schnitt mehr als vier Kinder. Die Bevölkerung wächst aber nicht überall so schnell: In Tunesien, Marokko und Botsuana, die im demografischen Transformationsprozess bereits weiter fortgeschritten sind, bringen Frauen im Laufe ihres Lebens heute zwei bis drei Kinder zur Welt – deutlich weniger als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch in Ruanda, Malawi und Senegal gehen die Kinderzahlen zurück, während in Ländern wie Niger, wo nur etwa ein Drittel der Erwachsenen lesen und schreiben kann, Frauen im Schnitt immer noch 6,8 Kinder bekommen (mehr dazu in unserer Studie „Afrikas demografische Vorreiter“).

Bevölkerungswachstum erschwert Entwicklungsschritte

In Niger oder Tschad kann die Basisinfrastruktur kaum mit dem raschen Zuwachs mithalten. Das schnelle Wachstum raubt den Ländern jede Entwicklungschance. Für arme afrikanische Staaten ist es schon eine Herausforderung, auch nur die bestehende Gesundheitsversorgung für die wachsende Zahl an Menschen aufrecht zu erhalten. Gerade in ländlichen Regionen fehlt es Krankenhäusern an Ausstattung, Medikamenten und gut ausgebildetem Personal. Viele Länder sind gefangen in einem Teufelskreis: Je stärker die Bevölkerung wächst, desto schwieriger wird es, den Menschen Jobs, Schulbildung und eine ärztliche Grundversorgung zu bieten, was langfristig wieder Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung nimmt.

Klimawandel spitzt Situation zu

Der Klimawandel spitzt die Situation weiter zu. Er trifft insbesondere ärmere Länder mit begrenzten Ressourcen im globalen Süden – sie leiden zunehmend unter Hitzewellen, starken Regenfällen und Dürren. Wie genau sich extreme Wetterverhältnisse auf die Kinderzahlen auswirken, ist bislang kaum erforscht. In unseren Analysen zu den Wechselwirkungen der Klimakrise mit der demografischen Entwicklung haben wir Hinweise gesammelt: Durch den Zyklon Eloise in Mosambik im Januar 2021 waren mehr als 20.000 Frauen gefährdet, ungewollt schwanger zu werden, weil der Zugang zu Verhütungsmitteln eingeschränkt war. Laut der Nichtregierungsorganisation Malala Fund halten klimabezogene Ereignisse vier Millionen Mädchen in Entwicklungsländern davon ab, ihre Ausbildung abzuschließen. Und laut Experten der Weltbank könnten bis 2030 infolge des Klimawandels 100 Millionen Menschen unterhalb die Armutsgrenze abrutschen. Insgesamt führt das dazu, dass Frauen früher schwanger werden und mehr Kinder bekommen, als sie sich eigentlich wünschen, und die Bevölkerung weiter wächst.

In vielen Weltregionen gebären Frauen immer weniger Kinder

In Ländern, die im demografischen Wandel weiter fortgeschritten sind, gebären Frauen immer weniger Kinder. Dort arbeiten sie häufiger und realisieren ihre persönlichen Wünsche – Mutterschaft ist dabei nur einer unter vielen. Besonders wenig Kinder werden in Industriestaaten wie Deutschland, Japan oder Frankreich geboren, wo die Lebenserwartung zugleich besonders hoch ist. Dort altert die Bevölkerung und die Bevölkerungspyramide gleicht eher der Kuppel des Taj Mahal. In Italien, Portugal und Deutschland liegt das Medianalter derzeit bei über 45 Jahren, in Japan sogar bei 48 Jahren. Wo der Anteil der Älteren gegenüber den Menschen im Erwerbsalter steigt, geraten die Sozial- und Rentensysteme zunehmend unter Druck. Viele Industrieländer sind inzwischen auf Einwanderer angewiesen, um die Rente auszuzahlen und das Gesundheitssystem zu finanzieren.

Weltweit sinkt das Wachstum

Nicht nur Deutschland oder Japan – viele Staaten, die im demografischen Übergang weiter fortgeschritten sind, tragen inzwischen kaum mehr zum weltweiten Bevölkerungswachstum bei oder schrumpfen. Deshalb hat sich die Zahl der Kinder im Durchschnitt seit 1960 mehr als halbiert, auf 2,3 Kindern pro Frau. Bis 2050 soll sie laut UN-Prognosen auf 2,15 Kinder weiter fallen. Woran liegt das – und wie kommen Länder wie Niger, wo die Ressourcen knapp sind, dort hin?

Wo weniger Menschen sterben, werden weniger geboren

Erfahrungsgemäß sinkt das Bevölkerungswachstum, wenn sich die Lebensbedingungen der Menschen verbessern – und weniger Kinder sterben. Ruanda hat landesweit eine gemeindebasierte Krankenversicherung eingeführt und innerhalb von zehn Jahren 95 Prozent seiner Bevölkerung abgesichert – so viele, wie fast nirgendwo in Subsahara Afrika. Die Regierung bildete 45.000 Ärzte und Pfleger aus, die in abgelegenen Dörfern Kinderkrankheiten behandeln, über Familienplanung informieren und sich um das Wohlergehen von Müttern und Neugeborenen kümmern. Seitdem sank die Mütter- und Kindersterblichkeit um rund 30 Prozent. Und wenn weniger Kinder sterben, werden erfahrungsgemäß nach einer Weile auch weniger geboren. Nicht nur die Regierungen werden hier aktiv: In unserer Studie „Schnell, bezahlbar, nachhaltig“ zeigen wir, wie auch Initiativen und Sozialunternehmen in Subsahara Afrika bereits mit einfachen Gesundheitsstationen in entlegenen Gebieten die Lebensbedingungen selbst verbessern.

Mehr Bildung für Mädchen

Wie hoch die Kinderzahl ist, hängt vor allem mit dem Bildungsstand der jungen Frauen zusammen. Mit steigender Bildung wachsen ihre Möglichkeiten, selbstbestimmt und gleichberechtigt zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen wollen. In der Regel bringen sie dann später und insgesamt weniger Kinder zur Welt: In Tansania bekommen Frauen mit Sekundarschulabschluss im Schnitt nur 3,6 Kinder, mit Grundschulabschluss sind es 5,1 Kinder und ohne Schulabschluss 6,4. In der Studie „Sicher durchs Leben“ zeigen wir Initiativen wie Keeping Girls in School in Sambia, die dazu führen, dass insbesondere junge Frauen nicht sofort auf dem Heiratsmarkt landen, sondern länger die Schule besuchen. Mit verbesserter Bildung erhöhen sich auch die Berufsaussichten für junge Frauen. Entgegen der weitläufigen Meinung können religiöse Führungsfiguren hier eine Schlüsselrolle spielen: In der Studie „Glaube in Aktion“ haben wir analysiert, wie Priester oder Imame in vielen Ländern Subsahara-Afrikas bereits darauf einwirken, dass Mädchen länger die Schule besuchen.

Jobs schaffen Perspektive und kurbeln Wirtschaft an

In Ländern wie Tunesien, Bangladesch und Brasilien, wo die Kinderzahlen bereits gesunken sind und die Staaten langsamer wachsen, machen junge Menschen im erwerbsfähigen Alter den Großteil der Bevölkerung aus. Sie sind zunehmend besser gebildet. Haben diese Jugendlichen keine Jobs und Zukunft, könnten Konflikte entstehen. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn sie gesund sind, gut ausgebildet werden und arbeiten können, kurbeln sie die Wirtschaft massiv an. Zugleich haben die Regierungen dann später genug Geld, um sich auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft vorzubereiten. Im südlichen Afrika werden bis 2050 fast doppelt so viele über 64-Jährige leben wie heute. Botsuana, Namibia und Südafrika investieren daher zunehmend in ihre Sozialsysteme und können den demografischen Wandel so zusätzlich beschleunigen: In Namibia hat eine Grundrente von monatlich rund 80 Dollar dazu geführt, dass Frauen dort heute im Schnitt ein Kind weniger zur Welt bringen. Denn wo Menschen im Alter eine Rente erhalten, sind sie nicht mehr auf die Versorgung durch möglichst viele Kinder angewiesen.

Ab wann schrumpft die Weltbevölkerung?

Wo Frauen besser gebildet sind, Staaten sich entwickeln und Jugendliche Arbeit finden, entsteht am Ende eine Bevölkerungsstruktur, unter der die Wirtschaft besonders gut wachsen kann: dem Arbeitsmarkt stehen besonders viele Menschen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung, die arbeiten und produzieren. Dieser demografische Bonus lässt sich in einen Entwicklungsschub ummünzen – und eine demografische Dividende wird möglich. Unserer Studie „Afrikas demografische Vorreiter“ zufolge gehen in vielen Ländern, die bis vor kurzem noch gewachsen sind, die Kinderzahlen heute schon zurück und die Lebensbedingungen werden langsam, aber stetig besser. Noch bewirken aber die Länder mit junger Altersstruktur, dass weltweit immer noch mehr Menschen geboren werden als sterben. Laut Prognosen wird dieser Geburtenüberschuss wohl noch mehrere Jahrzehnte andauern. Wann die Bevölkerung ihren Höchststand erreicht, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau vorherzusehen. In ihrer aktuellen Vorausschätzung gehen die Vereinten Nationen von einer Weltbevölkerung von rund 10,4 Milliarden Menschen in den 2080er Jahren aus.

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