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Sicher durchs Leben

Wie Systeme der sozialen Sicherung den demografischen Wandel in Subsahara-Afrika beeinflussen

Thomas Nice, Lilian Beck, Lorena Führ, Catherina Hinz

Derzeit leben mehr als 1,1 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung dort voraussichtlich verdoppeln. Doch schon heute haben die meisten Staaten Probleme, die Menschen ausreichend mit Schulen, Krankenhäusern, Nahrung und sauberem Wasser zu versorgen. Sie sind gefangen in einem Teufelskreis aus Bevölkerungswachstum und Armut. Systeme der sozialen Sicherung wecken Hoffnung. Sie versprechen, die Bedürftigsten aus der Armut zu heben, Fortschritte in Sachen Ernährung, Gesundheit und Bildung zu beschleunigen und indirekt die Geburtenrate zu senken.

Das Berlin-Institut hat erstmals unter die Lupe genommen, wie sich Maßnahmen der sozialen Sicherung auf die Bevölkerungsentwicklung in ausgewählten Ländern Subsahara-Afrikas wie Tansania, Sambia und Malawi auswirken. Welches Potenzial haben Sozialtransfers, Krankenversicherungen oder die Rente? Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Mädchen, deren Familien Geldtransfers erhalten, länger die Schule besuchen und später schwanger werden. Kostenlose Schulspeisungen bewirken, dass die Kinder regelmäßiger zum Unterricht gehen und besser lernen. Und Menschen, die im Alter eine Rente erhalten, sind weniger auf die Unterstützung ihres Nachwuchses angewiesen und entscheiden sich deshalb häufiger für kleinere Familien.

Noch ist die Datenlage von sozialer Sicherung als Einflussfaktor auf die Kinderzahlen begrenzt und wird auch in bevölkerungspolitischen Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bislang wenig mitgedacht. Unsere Handlungsempfehlungen zielen darauf ab, diese Lücke künftig zu schließen.

Die Studie wurde gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Themen: Bevölkerungsentwicklung in Afrika, Demografische Dividende, Internationale Demografiepolitik
erschienen: 2022
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6,40 €
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Das weltweite Bevölkerungswachstum konzentriert sich zunehmend auf die weniger entwickelten Staaten vor allem in Subsahara-Afrika. Dort bekommen Frauen etwa doppelt so viele Kinder wie im Rest der Welt. Infolgedessen wird sich die Bevölkerung dort in den nächsten drei Jahrzehnten fast verdoppeln.
Mit einer Abdeckung von nur etwa 20 Prozent gehören Rentner:innen bereits zu denjenigen, die in Subsahara-Afrika am ehesten von sozialer Sicherung profitieren. Den geringsten Schutz genießen Arbeitslose. Knapp zehn Prozent der Bedürftigsten werden mit verschiedenen Formen der Grundsicherung erreicht. Es gibt allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen den Ländern: Im regionalen Vergleich sind im südlichen Afrika die größten Anteile der Bevölkerung durch verschiedene Leistungen der sozialen Sicherung geschützt.
Soziale Sicherung kann direkt und indirekt auf die Kinderzahlen wirken. So kann soziale Grundsicherung etwa dabei helfen, die Bedürftigsten aus der Armut zu heben und dabei gleichzeitig Fortschritte in Sachen Ernährung, Gesundheit und Bildung beschleunigen – allesamt demografierelevante Bereiche. Gleichzeitig kann ein Leistungsspektrum an Sozialversicherungen, das die Menschen präventiv vor Lebensrisiken schützt, in Kombination mit anderen Maßnahmen langfristige Verhaltensänderungen befördern. Wenn die Kindersterblichkeit durch verbesserte Ernährung dank Sozialtransfers sinkt oder Kinder dank einer Grundrente nicht mehr als Arbeitskräfte herhalten müssen, um das Familieneinkommen zu sichern, dann führt das in aller Regel dazu, dass Eltern sich kleinere Familien wünschen. Über diese Aspekte wirkt soziale Sicherung eher indirekt auf die Faktoren ein, die im demografischen Übergang wirksam werden.

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